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Politik

Deutschland – ein souveräner Staat?

Wie ist das eigentlich mit dem neuen, souveränen, aus Berlin regierten Deutschland? Was soll das eigentlich heißen, souverän? Diese Frage beleuchtet DW-TV-Korrespondent Jens Thurau.

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Bei dem Begriff "Souveränität" schwingt etwas mit von Selbstbestimmung, von Gelassenheit, von Selbstbewusstsein, von Gleichrangigkeit mit anderen. Mal sehen: Diese Woche war US-Präsident George W. Bush in Berlin. Große Aufregung, viele Polizeisperren, hohe Sicherheitsstufe. Und jede Menge Demonstrationen. Die einen wollten nicht lassen vom Feindbild USA und wetterten gegen alles Amerikanische, aber ob sie wirklich Coca-Cola hassen und Jeans und Pop-Musik? Naja. Die anderen sehen in den USA immer noch eine Art großen Bruder und nicht den Verbündeten, sie verbitten sich hysterisch jede Art von Kritik. Und dazwischen gab es etwa 20.000 zumeist junge Menschen, die friedlich gegen Bush demonstrierten, nicht gegen die USA, die aufmerksam machten auf Rüstungswahn und Umweltsünden, auf nationale Alleingänge in einer immer mehr aufeinander angewiesenen Staatengemeinschaft. Angestrengte Gesichter dazu bei den deutschen Politikern, Gelassenheit bei George Bush. Das sei doch Demokratie oder, die freie Meinungsäußerung, entgegnete er knapp. Amerika nimmt also nicht übel, Amerika hat andere Sorgen.

George W. Bush war in der Stadt, für ein paar Stunden. Seine Visite danach in Moskau war viel wichtiger. Das ist neu für Berlin: Früher gab es bei Besuchen von US-Präsidenten an der Spree viel Pathos und Blicke über die Mauer, immer ging es um Weltgeschichte. Früher stießen hier Systeme aufeinander, wurden Visionen beschworen. Jetzt sind wir einer der Verbündeten der Weltsupermacht. Klingt nach weniger Bedeutung. Aber souverän sind wir dabei geworden, halbwegs jedenfalls.