Deutschland drängt auf Hilfen für Tschadsee-Region | Afrika | DW | 23.02.2017
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Hilfen für die Tschadsee-Region

Deutschland drängt auf Hilfen für Tschadsee-Region

Auf einer Konferenz in Oslo sollen Gelder für die Tschadsee-Region gesammelt werden. Zwei Millionen Menschen sind in dem Gebiet zwischen Nigeria, Niger, Kamerun und Tschad auf der Flucht. Deutschland ist Mitorganisator.

Die Zahlen sind erschreckend. Elf Millionen Menschen brauchen nach UN-Angaben dringend Hilfe. Sieben Millionen haben nicht genug zu essen. Mehr als eine halbe Million Kinder sind unterernährt. Die humanitäre Lage in Nordnigeria, Tschad, Kamerun und Niger sei "besorgniserregend" sagt Toby Lanzer, UN-Nothilfekoordinator für die Region.

Bereits 2016 war die Krise ernst. Doch die Warnungen der Vereinten Nationen verhallten oftmals ungehört. "Im letzten Jahr gab es viele Berichte über die Region, aber auf politischer Ebene wurde das Thema vernachlässigt", sagt Melanie Müller, Westafrika-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Mit Folgen: Die Vereinten Nationen bekamen für ihre Hilfsprogramme 238 Millionen US-Dollar. Gebeten hatten sie um mehr als das Doppelte.

Ziel: 1,5 Milliarden US-Dollar 

Die Geberkonferenz in Oslo am Freitag soll das ändern. Deutschland hat sie zusammen mit Nigeria, Norwegen und den Vereinten Nationen organisiert. Laut Programm nimmt auch Deutschlands Außenminister Sigmar Gabriel an dem Treffen teil. Ziel sei es, ein Maßnahmenpaket für die Region zu schnüren, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes der DW. Am Ende solle "ein möglichst breites Bündnis an Unterstützern für die humanitären Anstrengungen stehen."

Niger Flüchtlinge aus Nigeria (DW/A. Cascais
)

Zwei Millionen Menschen sind in der Region auf der Flucht; elf Millionen Menschen brauchen Hilfe, so die UN

Ein breites Bündnis wünschen sich auch die Vereinten Nationen. "Ich hoffe, dass mehr Länder erkennen, wie schwerwiegend die Krise ist und dass sie dazu beitragen, den Menschen zu helfen", formulierte es UN-Koordinator Lanzer diplomatisch-vorsichtig vor wenigen Wochen im DW-Interview. Er hoffe, dass sich Länder wie beispielsweise Kanada, die Niederlande oder Korea den Hilfsleistungen anschließen, so Lanzer. Insgesamt bittet die UN die Weltgemeinschaft um 1,5 Milliarden US-Dollar Hilfsgelder.

Mehr als zwei Millionen Menschen auf der Flucht

Die Chancen stehen gut. Die Diskussion über Fluchtursachen lenke viel mehr Aufmerksamkeit auf das Thema, sagt SWP-Expertin Müller. Eine Flüchtlingskrise gibt es in der Region schon längst. Mehr als zwei Millionen Menschen sind auf der Flucht. Sie fliehen nicht nur vor Angriffen der Terrororganisation Boko Haram, sondern auch wegen der harten Reaktion des Militärs. 90 Menschen starben Ende Januar, als die nigerianische Luftwaffe versehentlich ein Flüchtlingslager bombardierte. Der Luftangriff galt eigentlich Boko-Haram-Kämpfern.

Noch irren die meisten Vertriebenen im eigenen Land umher. Allein in Nigeria sind es rund 1,8 Millionen. Andere fliehen in die Nachbarländer. Im bettelarmen Niger haben rund 100.000 Nigerianer Schutz gesucht. Ihre Lebensbedingungen sind oft katastrophal. "Es gibt Grenzen für das, was arme Länder tun können", sagt UN-Nothilfekoordinator Lanzer. 

Angst vor Massenflucht nach Europa

Die Angst ist groß, dass sich die Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machen könnten. "Ich finde es nicht erstaunlich, dass sich Deutschland mehr in der Region engagiert", sagt SWP-Expertin Müller zur DW. "Ziel ist es, durch einen regionalen Ansatz die Region zu stabilisieren und damit zur Fluchtursachenbekämpfung beizutragen", so Müller. So ist der Niger Partnerland Deutschlands. Letzten Herbst besuchte Bundeskanzlerin Merkel das Land und sagte dem Niger 17 Millionen Euro Hilfe zu.

Doch neben schnellen Hilfen für die Menschen in der Tschadsee-Region braucht es auch langfristige Lösungen. Auch aus dem Auswärtigen Amt heißt es, dass neben humanitärer Hilfe auch die Wurzeln der Not angegangen werden müssten.

Denn die Not ist nicht nur eine Folge des Boko-Haram-Terrors. Auch der Klimawandel und die Armut in der Region machen vielen Menschen zu schaffen. Expertin Müller hofft daher, dass das Engagement für die Region nach der Konferenz nicht nachlässt. "Die Probleme werden nicht mit dieser eintägigen Konferenz gelöst sein", betont Müller.

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