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Einwanderung

Deutschland, deine Migranten

Deutschland als geliebte Heimat - oder doch als widerwillig anerkannter Wohnort? Die Ansichten von Einwanderern gehen da weit auseinander. Einig sind sich viele bei der deutschen Flüchtlingspolitik: zu liberal.

"Die Migranten" als homogene Gruppe gibt es in Deutschland nicht. Das belegen erste Ergebnisse einer qualitativen Studie vom VHW Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung.

Einwanderer in Deutschland leben in vielen verschiedenen Gruppen, oder Milieus, die sich in Lebensweise, Werten und Ansichten voneinander unterscheiden. Die aktuelle Studie zeigt, dass das Milieu in dem ein Einwanderer lebt, sich stärker auf sein Handeln auswirkt, als beispielsweise seine Herkunft.

Integration und Abgrenzung

Viele Einwanderer fühlen sich in Deutschland heimisch und leben ihr Leben nach deutschen Traditionen. Gerade die zweite oder dritte Generation fühle sich von der Einwanderungsdebatte überhaupt nicht betroffen, heißt es in der Studie, für die 160 Migranten über 18 Jahren befragt wurden.

Deutschland Dresden Intergrationsfest Symbolbild Einwanderung Migration (picture-alliance/dpa/F. Ismail)

Viele Einwanderer, die schon lange in Deutschland leben, sehen sich nicht als Migranten, sondern als Deutsche

"Ich bin hier geboren, meine Mama ist deutsch, mein Papa ist Türkei, wir sind eingedeutscht", sagte eine befragte Person. "Die öffentlichen Diskurse zum Thema Migration sehe ich eigentlich sehr weit entfernt, weil ich mich damit nicht so befasse."

Die Studie zeigt aber auch: ein Teil der Zuwanderer kapselt sich von der deutschen Gesellschaft ab. Menschen mit einem niedrigeren sozialen Status und solche, die in sehr traditionellen Milieus leben, ziehen sich in "ethnische Enklaven" zurück. Aber auch Einwanderer mit einem höheren Status grenzen sich ab.

"Man erfüllt alle 'rationalen' Integrationsaspekte wie Sprache, Beruf, Regeln und Gesetze, entwickelt aber kein 'Heimatgefühl', sondern distanziert sich eher von der 'deutschen Kultur'", erklären die VHW Autoren in einem ersten Bericht.

Das Leben von Migranten verstehen

Für die Studie "Migranten - Lebenswelten in Deutschland 2016" haben Mitarbeiter des Sozial- und Meinungsforschungsinstituts Sinus Sociovision seit Januar 2016 drei Gruppen von Migranten befragt. Die erste Gruppe bestand aus 80 Personen, die bis Ende 2014 nach Deutschland kamen. In der zweiten Gruppe waren 40 Personen, die zwischen 2008 und 2014 einwanderten und in der dritten Gruppe 40 Flüchtlinge, die seit 2015 nach Deutschland kamen.

Ziel der Studie, die 2008 das erste Mal durchgeführt wurde, ist das Verstehen der "Alltagswelt von in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund, ihrer Wertorientierungen, Lebensziele, Wünsche und Zukunftserwartungen."

Die Interviews wurden auf Deutsch, Türkisch, Russisch, Arabisch, Dari und in weiteren Sprachen geführt. Es gab keine festgelegten Antworten zum Ankreuzen - die Befragten sollten frei von ihren Erlebnissen, ihren Einstellungen und ihrem täglichen Leben erzählen. Die Migrantenmilieu-Studie läuft noch bis 2018. Auf die aktuelle qualitative Phase folgt im Frühjahr 2017 eine repräsentative Befragung mit mehr Teilnehmern.

"Mithilfe der Milieuforschung kann man besser auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen", sagte Projektleiter Bernd Hallenberg vom VHW der DW. "Für ein funktionierendes Zusammenleben von Menschen, für Stadtentwicklungspolitik und für Integration muss man einfach mehr über die Menschen wissen."

Kritik an Deutschlands Flüchtlingspolitik

Deutschland Flüchtlinge kommen an der ZAA in Berlin an (Getty Images/S. Gallup)

Neu ankommende Flüchtlinge sind einigen Migranten ein Dorn im Auge

Die Einwanderer wurden unter anderem zu ihrem Deutschlandbild befragt. Als positiv sehen viele die Sicherheit und Stabilität an, die im Land herrschen. Als besonders positiv empfand eine befragte Person ihre sichere Zukunft in Deutschland und die Möglichkeit, hier zur Schule gehen zu können:

"Das ist ein Privileg. Und auch in einem reichen Land - das haben fast nur die Deutschen."

Skeptisch stehen viele der befragten Migranten, gerade aus den traditionellen Milieus, Deutschlands liberaler Flüchtlingspolitik gegenüber.

"Jetzt haben die Deutschen auch Hass, weil zu viele Ausländer hier sind, weil viele hier Sachen machen, die sie nicht machen sollen", so eine befragte Person.

Eine weitere meint, dass Fehlverhalten strengere Konsequenzen für Flüchtlinge haben müsste: "Da sind die Deutschen sehr sozial, sehr nachgiebig. Da müsste man sagen, Leute, wenn ihr das nicht macht, müsst ihr leider das Land verlassen."

Migranten, die schon länger in Deutschland sind, fürchten, dass die Flüchtlingskrise zu einer Verhärtung der Fronten zwischen Deutschen und Einwanderern führt.

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