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Ostmitteleuropa

Deutschland bleibt wichtigster Partner für die Slowakei

- Insgesamt dominieren die EU-Länder den slowakischen Außenhandel

Prag, 28.8.2002, PRAGER ZEITUNG, deutsch

Die weltweite Wachstumsabschwächung und insbesondere die schwache Konjunktur in Westeuropa führte 2001 zu einer deutlich geringeren Nachfrage der betroffenen Länder nach Exportgütern auch aus der Slowakei. Nachdem sich der Export slowakischer Produkte im ersten Quartal 2001 mit einer nominalen Zuwachsrate von 24 Prozent sehr dynamisch entwickelt hatte, verlor das Exportwachstum seitdem allmählich an Schwung (zweites Quartal: 16,3 Prozent, drittes Quartal: 10,3 Prozent jeweils gegenüber der gleichen Vorjahresperiode) und war im vierten Quartal sogar um nominal 0,8 Prozent geringer als im Vergleichszeitraum 2000, so heißt es in einer Länderstudie Slowakei des Münchener Osteuropa-Institutes, welche die Prager Zeitung hier auszugsweise wiedergibt. In der Analyse heißt es weiter:

Im gesamten vergangenen Jahr verzeichneten die Exporte nach vorläufigen Angaben der Slowakischen Nationalbank einen Zuwachs von nominal 11,3 Prozent auf 610,7 Milliarden slowakische Kronen (Sk) beziehungsweise in US-Dollar von 6,4 Prozent auf 12,6 Milliarden US-Dollar (USD). Demgegenüber wiesen die Warenimporte sowohl für Produktions- und Investitionszwecke als auch für den Endkonsum aufgrund der erhöhten Binnennachfrage eine stark steigende Zuwachsrate auf. Trotz eines abgeschwächten Importwachstums im vierten Quartal (nominal plus 7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum) nahmen die Importe im gesamten Jahr 2001 bei fallenden Ölpreisen nach vorläufigen Angaben um nominal 20,9 Prozent auf 713,9 Milliarden slowakische Kronen zu (in USD um 15,5 Prozent auf 14,8 Milliarden USD). Importstimulierend wirkte sich dabei auch die sukzessive Reduzierung des im Juni 1999 eingeführten Importzuschlags von sieben Prozent auf zunächst fünf Prozent und später auf drei Prozent beziehungsweise seine Abschaffung im Januar dieses Jahres aus.

Darüber hinaus regten die Reform der Unternehmenssteuer, die eine Verminderung der Abgabenlast nach sich zog, sowie günstigere Kreditzinsen, die die Investitionstätigkeit förderten, die Importe an. Verbunden mit einer fortgesetzten realen Aufwertung der slowakischen Krone gegenüber dem Euro kam es in der Folge zu einer deutlichen Verschlechterung der Handelsbilanz. Das Handelsbilanzdefizit erhöhte sich 2001 im Vergleich zu 2000 um 61,5 Milliarden Sk auf 103,2 Milliarden Sk (10,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes), den historisch höchsten Stand.

Hinsichtlich der Produktstruktur des Außenhandels regte insbesondere das Wachstum der Industrieproduktion die Nachfrage nach Halbfertigerzeugnissen und Rohmaterialien aus dem Ausland an. Ihr Anteil am gesamten Importanstieg 2001 betrug 37,7 Prozent. Einfuhren aus der Warengruppe Maschinen, elektrische Ausrüstungen und Fahrzeuge hatten einen Anteil von 35,5 Prozent am Importwachstum.

Importierter Konsum

Die Unfähigkeit inländischer Produzenten, der gestiegenen Binnennachfrage in ausreichendem Maße zu begegnen, hat auch zu einem relativ starken Anstieg der Konsumgüterimporte geführt. Die Einfuhren landwirtschaftlicher und industrieller Konsumprodukte inklusive Elektronikgüter, Maschinen und Autos trugen in Höhe von 27 Prozent zu dem Gesamtanstieg der Importe bei.

Die vergleichsweise geringe Zunahme der Exporte 2001 (etwa 50 Prozent des Volumenanstiegs von 2000) ist auf die stagnierende und teilweise rückläufige Entwicklung traditioneller Exportbranchen der Slowakei zurückzuführen. Während das Volumen der Automobilexporte nach ihrem rasanten Zuwachs 2000 im vergangenen Jahr um nominal 4,2 Prozent gefallen ist und die Ausfuhren von Erdöl und verwandten Produkten stagnierten, verloren die Exporte von Eisen und Stahl (nominal plus 8,7 Prozent) sowie von Aluminium (nominal plus 6,2 Prozent) stark an Dynamik. Ein überdurchschnittlicher Exportanstieg konnte dagegen bei elektrischen Ausrüstungen für Maschinen und Kraftfahrzeuge (nominal plus 20,7 Prozent) und sonstigen Teilen (nominal plus 12,9 Prozent) sowie bei Radio-, TV- und Videogeraten (69,9 Prozent) erzielt werden.

In regionaler Hinsicht erhöhte sich sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen der Handelsanteil der Slowakischen Republik mit der EU. Mit 60 Prozent der Exporte und 50 Prozent der Importe waren die Mitgliedsländer der Europäischen Union im Jahr 2001 die Haupthandelspartner der Slowakei. Mit Anteilen von 25 Prozent an den Einfuhren und 27 Prozent an den Ausfuhren blieb Deutschland dabei weiterhin der bedeutendste Einzelmarkt.

Mit der Tschechischen Republik fand mit 15 Prozent der Importe und 17 Prozent der Exporte auch 2001 der größte Warenaustausch innerhalb der CEFTA-Region statt. Das mit Abstand größte Handelsbilanzdefizit (99,1 Milliarden Sk) verzeichnete die Slowakische Republik indessen mit Russland, dem Lieferanten von Erdöl und Erdgas. Während der Anteil der Exporte nach Russland an den Gesamtexporten ein Prozent ausmachte, betrugen die Importe aus Russland 15 Prozent der Gesamteinfuhren.

Leistungsbilanzdefizit bleibt hoch

In der Leistungsbilanz schlug sich die deutliche Verschlechterung der Handelsbilanzsituation bei einem Überschuss in der Dienstleistungsbilanz von 0,5 Milliarden USD nach vorläufigen Angaben der Slowakischen Nationalbank in einer alarmierenden Zunahme des Defizits auf 1,8 Milliarden USD beziehungsweise 8,8 Prozent des BIP nieder - dies entspricht mehr als einer Verdoppelung im Vergleich zu 2000. Die Kapitalverkehrsbilanz schloss mit einem Plus von 1,7 Milliarden USD.

Dabei konnten Direktinvestitionen im letzten Jahr nur teilweise das Defizit der Leistungsbilanz ausgleichen. Das Nettovolumen ausländischer Direktinvestitionen erreichte nach vorläufigen Angaben der Slowakischen Nationalbank rund 1,5 Milliarden USD (2000: 2,1 Milliarden USD). Darüber hinaus kam es insgesamt zu einer Finanzierung durch kurzfristige Kredite, die tendenziell eine höhere Volatilität als Direktinvestitionen aufweisen, da sie vergleichsweise rasch wieder aus dem Land abgezogen werden können. Von den ausländischen Direktinvestitionen entfielen rund 50 Prozent auf Privatisierungsmaßnahmen, von denen der wesentliche Teil auf die Privatisierung der zwei größten Banken - VUB und Slovenska sporitelna - entfiel. Der Anstieg ausländischer Nettokapitalbeteiligungen (außerhalb von Privatisierungsaktivitäten) erreichte 47 Prozent des in 2000 erzielten Volumens. Auch für das laufende Jahr wird sowohl von einem hohen Handelsbilanzdefizit als auch von einem hohen Leistungsbilanzdefizit ausgegangen. Die schlechte Außenhandelsentwicklung setzte sich im ersten Quartal dieses Jahres fort. Während nach vorläufigen Angaben des statistischen Amtes die Exporte gegenüber dem ersten Quartal 2001 um nominal 3,8 Prozent gefallen sind, sanken die Importe im selben Zeitraum nominal um 2,8 Prozent.

In Abhängigkeit von der Wachstumskraft der USA und Westeuropas konnte sich der Außenbeitrag ab der zweiten Jahreshälfte 2002 geringfügig verbessern. Erst für 2003 kann eine Entlastung der Situation erwartet werden. Infolge der kürzlich abgeschlossenen Privatisierung von SPP, dem staatlichen Gasunternehmen, wird aber in diesem Jahr der Zufluss an ausländischen Direktinvestitionen das Leistungsbilanzdefizit übersteigen. (ykk)

  • Datum 29.08.2002
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