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Exportwirtschaft

Deutschland bleibt Leistungsbilanzweltmeister

Der deutsche Export brummt, die Auftragsbücher sind weiterhin gut gefüllt. Doch gleichzeitig führt Deutschland relativ wenig ein. Das gefällt vielen in Europa und den USA nicht. Besonders nicht Präsident Donald Trump.

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Deutschland bleibt Leistungsbilanz-Weltmeister

Deutschland wird in diesem Jahr laut Ifo-Institut erneut den weltweit größten Überschuss in der Leistungsbilanz aufweisen. Mit voraussichtlich 285 Milliarden Dollar (257 Milliarden Euro) liege der Wert deutlich über dem von China von wohl 190 Milliarden Dollar, ergaben Berechnungen der Münchner Forscher, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlagen. Auf Rang drei folgt Japan mit vermutlich rund 170 Milliarden Dollar. Deutschland wird wegen seines enormen Überschusses scharf von US-Präsident Donald Trump kritisiert, aber auch von der EU-Kommission.

Deutsche Waren weltweit gefragt

"Der Überschuss Deutschlands lässt sich vor allem auf den Warenhandel zurückführen", erklärte das Ifo-Institut. Im ersten Halbjahr übertrafen die Exporte die Importe um 134 Milliarden Euro. "Haupttreiber war die Nachfrage aus den anderen Ländern des Euro-Raums, den restlichen EU-Ländern und aus den USA." Zum Überschuss trugen auch Erträge aus den im Ausland angelegten Vermögen und die im Ausland erzielten Arbeitseinkommen von Deutschen mit rund 20 Milliarden Euro bei. Transferzahlungen ans Ausland - etwa an internationale Organisationen - dämpften den Überschuss in der Leistungsbilanz dagegen um 27 Milliarden Euro.

Dieser wird laut Ifo-Prognose in diesem Jahr auf 7,9 Prozent im Verhältnis zur Jahreswirtschaftsleistung fallen, nach 8,3 Prozent 2016. "Das ist im Wesentlichen auf die Energiepreise zurückzuführen." Die Preise für importiertes Erdöl und Erdgas dürften im Schnitt höher sein als noch im Vorjahr, was die Wareneinfuhr erhöhe und so den Überschuss verringere. Trotz des dämpfenden Effektes dürfte das Plus in der Leistungsbilanz aber wie schon in den Vorjahren deutlich über der Marke von maximal sechs Prozent liegen, die die EU als langfristig gerade noch für tragfähig hält. Brüssel sieht sonst ein zu starkes Ungleichgewicht: Länder mit enormen Überschüssen tragen dazu bei, dass andere Staaten sich hoch verschulden, weil sie ihre Importe finanzieren müssen.

G20 Gipfel in Hamburg | Trump & Merkel (picture-alliance/dpa/M. Kappeler)

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (links im Bild) findet die deutsche Leistungsbilanz "so bad".

Der EU geht das zu weit

Ein Sprecher der EU-Kommission wollte sich vor dem Hintergrund des laufenden Wahlkampfs nicht äußern. Im Frühsommer hatte die Kommission in ihren länderspezifischen Empfehlungen bemängelt, Deutschland müsse mehr tun, um die Binnennachfrage und Investitionen anzukurbeln.

Das Wirtschaftsministerium teilte am Donnerstag mit, die Bundesregierung habe zahlreiche Maßnahmen ergriffen, die "die Binnennachfrage stärken und den Leistungsbilanzüberschuss in der Tendenz dämpfen". Dazu gehöre die Steigerung der staatlichen Investitionen oder die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns 2015 sowie seine Erhöhung 2017. Dies habe zu höheren Reallöhnen beigetragen. "Gegenüber dem Euro-Raum hat sich der Leistungsbilanzüberschuss in den vergangenen zehn Jahren bereits etwa halbiert - von über vier Prozent des Bruttoinlandsproduktes 2007 auf etwa zwei 2016."

China exportiert sogar noch mehr - aber …

Der chinesische Leistungsbilanzüberschuss geht laut Ifo ebenfalls auf den Warenhandel zurück. Bis Juni wurden Güter im Wert von umgerechnet 200 Milliarden Euro mehr exportiert als eingeführt. "Damit ist der chinesische Warenüberschuss deutlich höher als der von Deutschland", erklärten die Forscher. Allerdings habe China zugleich viele Dienstleistungen aus dem Ausland nachgefragt, wodurch der Überschuss in der Leistungsbilanz niedriger als in Deutschland ausfalle.

Die Stellung der USA als wichtigster Exportmarkt der deutschen Wirtschaft gerät durch den schwachen Dollar derweil ins Wanken. Im ersten Halbjahr verkauften die Firmen Waren im Wert von 55,7 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten - ein Plus von 4,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum, wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, die Reuters vorlagen. Auf dem zweiten Platz folgt Frankreich mit plus 3,4 Prozent auf 53,6 Milliarden Euro. "Frankreich kommt den USA nach dem schwachen Jahr 2016 wieder sehr nahe", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Volker Treier. "Es kann ein Kopf-an-Kopf-Rennen geben."

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