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Globale Zusammenarbeit

Deutschland als Labor für Klimawandel

Auf der Bonn Conference trafen sich Vordenker der Nachhaltigkeit. Angesichts der Krisen der Welt warnen sie vor einem "weiter so" in der traditionellen Wirtschaftspolitik und fordern ein radikales Umdenken.

Klimawandel, Armut, soziale Ungleichheit, schwindende Ressourcen - die Probleme sind bekannt, und sie sind drängend. Bekannt sind auch Lösungen. Nur: Es hapert an der Umsetzung - weil der entschiedene Wille dazu fehlt. Deshalb haben sich diese Woche in Bonn unter dem Motto "Von der Politik zur Umsetzung" die führenden Köpfe der internationalen Nachhaltigkeitsdebatte auf der ersten "Bonn Conference for Global Transformation" zusammengefunden.

Zwei Tage lang diskutierten rund 700 Teilnehmer aus 70 Ländern, welche Strategien das Überleben der Menschheit auf der Erde sichern können. Eine Einsicht prägte alle Debatten der Konferenzteilnehmer: Die bisherige Form des auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftens stößt an ihre Grenzen. NRW-Europaministerin Monika Schwall-Düren betonte, alle Länder müssten ihre Entwicklungspfade ändern. Und die Chefin der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), Tanja Gönner, drang darauf, die planetarischen Grenzen zu respektieren.

Deutschland Bonn Conference for Global Transformation 2015 (Foto: GIZ/Photothek)

US-Ökonom Jeffrey Sachs schildert die Folgen von Klimawandel und Konsumismus

Mit dem Rücken zur Wand

"Die Menschheit steht mit dem Rücken zur Wand", betonte der us-amerikanische Ökonom Jeffrey Sachs. Der Sonderberater von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon schilderte eindrucksvoll die katastrophalen Folgen einer auf Ausbeutung und Konsum gerichteten Wirtschaft schon heute. Und wies darauf hin, dass sich beim gegenwärtigen Wachstumstempo die Weltwirtschaft in den kommenden 20 Jahren verdoppeln werde. "Gerade in Zeiten von Klimakatastrophen, Hungersnöten und Kriegen ist nachhaltiges Handeln die einzige mögliche Antwort", erklärte Sachs.

Der Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Dirk Messner, forderte "Laboratorien des Wandels". Die Menschen müssten sehen, dass ein Umdenken möglich sei. "Wir müssen lernen, vorausschauend zu wirtschaften. "Wenn die Staaten diese Maßnahmen nicht einleiteten, so Messner, würden die Folgekosten des Klimawandels in Zukunft viel höher ausfallen als die Investitionen, die jetzt getätigt werden müssten, um diese Probleme zu vermeiden.

Deutschland Bonn Conference for Global Transformation 2015 (Foto: GIZ/Photothek)

Macht Mut: Pionierin Su Kahumbu Stephanou berichtet von ihrem Projekt für ökologische Landwirtschaft in Kenia

Die Konferenz, die künftig alle zwei Jahre stattfinden soll, hat sich ausdrücklich zum Ziel gesetzt zu zeigen, dass es solche Laboratorien schon gibt. Su Kahumbu Stephanou zum Beispiel stellte ihr Projekt "iCow" vor. Die Pionierin der ökologischen Landwirtschaft in Kenia hat ein System entwickelt, mit dem sie inzwischen über 160.000 Bauern in Kenia praktisches Know-How für ökologisches Wirtschaften vermittelt.

Geteilt wird das Wissen per Mobiltelefon. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Steigerung der Milchleistung, Aufbau einer Hühnerzucht, Ackern und Gärtnern ohne Gift - all das lernen Bauern über "iCow". Und finden in Stephanou auch noch einen Partner zur Vermarktung ihrer Produkte.

Konferenzmarathon 2015

Für Claudia Roth ist auch Deutschland ein solches Labor. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages sagte, "so viele Länder schauen zu uns, um herauszufinden, ob und wie Nachhaltigkeit gelingen kann, nicht nur im Energie- und Wirtschaftsbereich. Sie sagen ganz deutlich: Wenn Deutschland das schafft, dann versuchen wir es auch".

Screenshot - Bonn Conference

Die DW ist Medienpartner der internationalen Konferenz

Die Bonn Conference soll nach dem Wunsch der Gastgeber, das Land Nordrhein-Westfalen und die GIZ, eine Plattform für alle Akteure sein, die sich zu Fragen der Bewältigung der großen Herausforderungen der Menschheit austauschen wollen. Angesichts der richtungsweisenden Konferenzen, die in diesem Jahr noch folgen, ist der Bedarf an Austausch groß: Im September organisieren die Vereinten Nationen in New York eine Gipfel Konferenz, die sich mit der Post-2015 Agenda beschäftigen wird.

Hier sollen die vor 15 Jahren beschlossenen "Millenium Development Goals" durch die "Sustainable Development Goals" ersetzt werden. Diese Nachhaltigkeitsziele sollen für alle Staaten bindend sein - und sich nicht nur auf Entwicklungs- oder Schwellenländer beziehen. In Paris schließlich steht Ende des Jahres die UN-Klimakonferenz an. Hier entscheidet sich, ob ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto Protokoll zustande kommt. Und ob das Ziel erreicht werden kann, die Zunahme der Temperatur auf zwei Grad zu begrenzen. Nachhaltig ist dieser Konferenzmarathon nur, wenn jetzt tatsächlich tragfähige Ergebnisse erzielt werden.

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Vandana Shiva, Trägerin des Alternativen Nobelpreises

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