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Wirtschaft

Deutschland als Konjunkturinsel

Überraschend steigt der wichtige Ifo-Geschäftsklima-Index zum dritten Mal in Folge. Deutschland feiert seinen ganz persönlichen Konjunkturrausch - dem bald die Ernüchterung folgen könnte.

Zahräder am Stand des Wälzlagerherstellers NKE aus Österreichauf der Hannover Messe (Foto: AP)

Volle Bücher, genug zu tun - deutsche Wirtschaft in Hochstimmung

Die Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung in den USA hält an, trotzdem ist der Optimisumus in der deutschen Wirtschaft ungebrochen. Und die ohnehin gute Stimmung in den Chefetagen verbesserte sich im August überraschend noch einmal. Der Ifo-Geschäftklima-Index stieg auf 106,7 Punkjte von 106,2 Zählern im Vormonat, teilte das München Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Mittwoch mit. Es war der dritte Anstieg in Folge. Der wichtigste Frühindikator für die deutsche Konjunktur erreichte damit den Höchststand seit den Boomzeiten im Juni 2007. Analysten hatten mit einem durchschnittlichen Rückgang auf 105,7 Zähler gerechnet.

Klaus Abberger (Foto: Klaus Abberger)

Klaus Abberger: "Deutschland ist keine Insel"

"Im stabilen Sommerhoch"

Die 7.000 Unternehmen aus Industrie, Groß- und Einzelhandel sowie aus der Bauwirtschaft schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate nur minimal schlechter, die Lage erneut besser ein. "Die deutsche Wirtschaft ist im stabilen Sommerhoch", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Das Barometer für die Erwartungen sank nur leicht auf 105,2 Punkte von 105,6 Zählern. Die Lage-Komponente kletterte auf 108,2 Zähler von 106,8 Punkten. Die meisten Experten sagen für das laufende dritte Quartal eine Konjunkturabkühlung voraus. Sie rechnen mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von rund 0,5 Prozent. Im Frühjahrsquartal hatte die Wirtschaftsleistung überraschend um 2,2 Prozent zugelegt und damit so stark wie seit rund zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Der florierenden Wirtschaft in Deutschland droht aber nach Einschätzung des Münchner Ifo-Instituts Ungemach durch eine mögliche Rezession in den USA. Sollte die Wirtschaftsleistung in den Vereinigten Staaten angesichts der hohen Arbeitslosenquote im Lande wieder schrumpfen und Asien langsamer wachsen als bisher, werde sich Deutschland dem nicht entziehen können, warnte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Abberger am Mittwoch. Deutschland sei eben doch keine Insel. "Das würde uns dann stark treffen", so Abbergers Einschätzung.

Konjunkturaufschwung hat mehrer Stützen

Vor allem ein kräftiges Plus bei den Exporten ließ die Konjunktur im zweiten Vierteljahr 2010 im Rekordtempo anziehen, erklärte das Statistische Bundesamt schon tags zuvor und unterstützt damit die These von Abberger.

Ein Mitarbeiter der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) steht am Kai des Container Terminals Altenwerder im Hamburger Hafen vor einem riesigen Containerschiff. (Foto: DPA)

Aufschwung gewinnt an Breite - aber noch immer ist der Export Stütze Nummer eins

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht allerdings davon aus, dass nicht allein der boomende Export die Ursache für die besseren Aussichten sind: "Der Aufschwung gewinnt an Breite", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben Ende letzter Woche. Die Unternehmen investierten branchenübergreifend wieder mehr. "Sogar der Konsum zieht wegen der erfreulichen Arbeitsmarktentwicklung langsam an." Der DIHK hatte seine Prognose laut dem Magazin "Spiegel" deutlich heraufgesetzt: Er erwarte ein Wachstum von 3,4 Prozent. Bisher betrug die Prognose lediglich 2,3 Prozent.

Auch die Bundesbank hatte Mitte letzter Woche ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr deutlich erhöht - das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte den Währungshütern zufolge um rund drei Prozent steigen. Konjunkturoptimismus auch beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW): Es rechnet mittlerweile mit mehr als drei (bisher 1,9) Prozent Wachstum. Die Deutsche Bank erwartet sogar 3,5 Prozent.

Autor: Jutta Wasserrab (dpa, rtrd)
Redaktion: Henrik Böhme

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