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Wirtschaft

Deutsches System feiert Erfolge

In den USA fehlen Firmen qualifizierte Fabrikarbeiter. Die "Skills Initiative" der deutschen Botschaft will amerikanische Unternehmen vom "dualen System" überzeugen.

Die USA haben ein Problem. "Unsere Universitäten und unsere Trainingsprogramme für Universitätsabgänger sind weltklasse", erklärt Rebecca Blank, die stellvertretende US-Handelsministerin, "aber wir sind nicht immer so gut darin, Schüler auszubilden, die nicht vier Jahre auf eine Universität gehen wollen und die mehr an einer technischen Ausbildung oder an Lehrstellen interessiert sind."

Rebecca Blank, stellvertretende US-Handelsministerin, spricht an einem Rednerpult Die Skills Initiative der deutschen Botschaft Washington bringt deutsche und amerikanische Firmen, Ausbildungsstätten und Politiker an einen Tisch, um in den USA für die Vorteile der deutschen Standards in der Facharbeiterausbildung zu werben und Kooperationen zu fördern. Rechte: Z. Garcia for Germany.info Angeliefert von Christina bergmann am 1.2.2013

Rebecca Blank: Die USA brauchen eine bessere Facharbeiterausbildung

Und der Bedarf nach genau diesen Arbeitskräften wächst. Die US-Industrie, jahrzehntelang im Niedergang begriffen, erholt sich wieder. Bestes Beispiel für diesen Aufschwung sind die großen Autofirmen in Detroit.

Präsident Obama hat die Förderung von Produktionsbetrieben in den USA bereits in seiner Rede zur Lage der Nation im letzten Jahr zur Chefsache erklärt. "Made in USA" soll ein Markenzeichen werden. Aber dafür ist ein Umdenken in der Ausbildung nötig - und Deutschlands "duales System" kann hier als Vorbild dienen. "Es bietet eindeutige Vorteile, indem es die schulische Ausbildung mit praktischer Erfahrung kombiniert. Und Deutschland hat gezeigt, dass dieser Ansatz sehr gut funktioniert", sagt Blank auf einer Veranstaltung in der deutschen Botschaft in Washington. Außerdem stärke es die Herstellungsbetriebe, den Wettbewerb und die Wirtschaft. Die deutsche Botschaft in Washington hat im letzten Mai mit der "Skills Initiative" ein Programm aufgelegt, das deutsche und amerikanische Firmen, Behörden und Ausbildungsstätten zusammenbringt.

Übernahme deutscher Standards

Ein positives Beispiel für eine solche Zusammenarbeit ist das Central Piedmont Community College im Bundesstaat North Carolina. Die Universität mit 70.000 Studenten habe bereits vor 15 Jahren das deutsche Lehrlingsmodell als Vorbild gewählt, erzählt Präsident Tony Zeiss. Man habe das Programm an die Wünsche der amerikanischen Firmen angepasst, indem man es von vier auf zwei Jahre verkürzt hat. Dennoch habe es zu Beginn Probleme gegeben, die Amerikaner vom Sinn des Programms zu überzeugen.

Inzwischen arbeitet das Piedmont College mit der Industrie- und Handelskammer in Karlsruhe zusammen. "Wir haben ein Abkommen geschlossen, um Arbeiter und Ausbilder auszutauschen", sagt Zeiss. "Was uns besonders begeistert, ist, dass sie uns erlaubt haben, ihren Ausbildungsplan zu benutzen, um amerikanische Arbeiter nach deutschen Ausbildungsstandards zu unterrichten." Und es funktioniere ganz hervorragend, erklärt Zeiss. Im Mai bekommen die ersten Absolventen ihre Urkunden.

Vor allem deutsche Firmen machen auf den Mangel an Facharbeitern in den USA aufmerksam. Das ist aber kein Wunder, denn Deutschland ist der drittgrößte Direktinvestor in den USA mit mehr als 200 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 147 Milliarden Euro) Investitionen.

Der Firma treu bleiben, ist unüblich

Eric Spiegel, Präsident und CEO, Siemens Corporation USA (Foto: Z. Garcia for Germany.info)

Eric Spiegel: Auch die Unternehmen müssen zur Ausbildung von Facharbeitern beitragen

Eine öffentlich-private Zusammenarbeit ist notwendig, um die Ausbildungsinitiative voranzubringen, meint Eric Spiegel, der US-Chef von Siemens. Denn einen Lehrling auszubilden, kostet Geld: geschätzte 150.000 US-Dollar (umgerechnet rund 110.000 Euro), von denen die Firmen den Löwenanteil übernehmen. "Wir müssen mehr Unternehmen zur Teilnahme bewegen, damit mehr Leute ausgebildet werden. Dann müssen wir uns keine Sorgen machen, dass die Leute woanders hingehen, nachdem sie mit ihrer Ausbildung fertig sind."

Dafür, so die stellvertretende Ministerin Blank, sei aber auch ein grundsätzliches Umdenken innerhalb der sehr mobilen amerikanischen Gesellschaft nötig: "Wir brauchen nicht nur eine andere Kultur innerhalb amerikanischer Unternehmen, sondern auch ein kulturelles Umdenken bei den Arbeitern. Sie müssen spüren, dass eine Firma in sie investiert hat, damit sie dann lange genug bei der Firma bleiben, so dass sich die Investition für das Unternehmen lohnt."

Stolz auf einen Industrieberuf?

Doch die Amerikaner, darauf weist der Wirtschaftsprofessor Robert Lerman von der American University hin, seien es nicht gewöhnt, fachliche Ausbildungen wertzuschätzen und stolz darauf zu sein. Was zählt seien Schuljahre und Uni-Diplome, erklärt er: "Sechs Milliarden Dollar (rund 4 Mrd. Euro) werden investiert, um die Zinsen von Schulden zu reduzieren, die durch Studiengebühren entstehen, aber der gesamte Etat des Büros für Lehrstellen beträgt nur 25 Millionen Dollar (rund 18 Mio. Euro)." In manchen Bundesstaaten gebe es nur einen Angestellten, der für die Bewerbungen auf Lehrstellen zuständig sei.

Arbeiter montieren im VW Werk in Chattanooga einen VW-Passsat (Foto: AP Photo/Billy Weeks)

Im VW Werk in Chattanooga werden Fachkräfte ausgebildet

Deshalb, so Mike Beamish von der Volkswagen AG, müsse man die Gelegenheit nutzen und der Fabrikarbeit ein anderes Image verpassen. "Fabrikarbeit ist nicht das, was es mal war: schmutzig, stumpfsinnig, unsicher", sagt er und verweist auf die VW-Fabrik in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee. Heute ist sie automatisiert, nutzt Roboter, bietet hohe Qualitätsstandards, fördert spezialisierte Fertigkeiten und schafft gute Karrierechancen. VW hat in Chattanooga eine eigene Ausbildungsstätte mit 65 Trainees. Im August machen die ersten zwölf nach drei Jahren Ausbildung ihren Abschluss - und können dann gleich in der Firma weiter arbeiten.

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