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Russland-Sanktionen

Deutsches Russland-Geschäft zieht wieder an

Der deutsch-russische Handel ist in den vergangenen Jahren eingebrochen - auch in Folge der Sanktionen. Doch die Talsohle scheint durchschritten. Für dieses Jahr wird ein deutlicher Zuwachs erwartet.

In den ersten fünf Monaten dieses Jahres stiegen die deutschen Ausfuhren nach Russland um 28,49 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft am Donnerstag in Berlin mitteilte. Das Handelsvolumen kletterte im selben Zeitraum um fast 32 Prozent. Für das gesamte Jahr 2017 rechnet der Ost-Ausschuss nun mit einem weit stärkeren Anstieg der Russland-Exporte als bisher. Ein Plus von 20 Prozent sei realistisch, sagte Geschäftsführer Michael Harms. Anfang des Jahres hatte die Interessenvereinigung, die deutsche Firmen in 21 Ländern unterstützt, mit zehn Prozent gerechnet.

Allerdings stehe diese Prognose unter dem Vorbehalt, dass die geplanten neuen US-Sanktionen nicht zu einer Verschärfung des Ost-West-Konfliktes führten. Die US-Pläne träfen auch internationale Unternehmen, die an Ausbau, Modernisierung oder Erhalt russischer Exportpipelines beteiligt seien, warnte der Ost-Ausschuss erneut. "Dies wäre ein fundamentaler Eingriff in unsere europäische Energieversorgung und würde zu steigenden Energiepreisen und einer sinkenden Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft führen", sagte Harms.

Es gebe rund 90 russische Exportpipelines. Ausdrücklich verhindern wollen die USA den Angaben zufolge das Ostsee-Pipelineprojekt Nordstream 2 zur Erdgasversorgung Europas, an dem auch Firmen aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien mitwirkten. Es könnten weitere Projekte ins Visier geraten, warnte Harms. Die Auswahl werde dem US-Präsidenten überlassen. Dieser solle sich zuvor zwar mit Verbündeten der USA konsultieren. Aber das Gesetz schwebe nun "wie ein Damoklesschwert über europäischen Firmen, die sich im Energiesektor engagieren".

Russische Wirtschaft stabilisiert sich

Die deutschen Handelsgeschäfte mit Russland haben in den vergangenen Jahren auch unter den Sanktionen gelitten, die die EU wegen der Annexion der Krim verhängt hatte. Moskau reagierte auf diese wiederum mit Gegenmaßnahmen. Russland war ab 2014 vor allem durch die Kombination aus Sanktionen, Ölpreisverfall und abgewertetem Rubel nach den Worten von Harms "dramatisch" getroffen worden. Die Wirtschaft habe sich aber inzwischen ganz gut gefangen. Er rechnet mit einem Wachstum von ein bis zwei Prozent für 2017.

Auch in andere Länder Osteuropas und Zentralasiens lieferten deutsche Unternehmen zuletzt deutlich mehr Waren. "Osteuropa meldet sich als Wachstumsregion für die deutsche Wirtschaft zurück", so Harms. "Die deutschen Exporte nach Osteuropa wachsen derzeit fast dreimal so stark wie der gesamte deutsche Export". In den ersten fünf Monaten kletterte das Handelsvolumen in die Region um mehr als ein Fünftel auf 52 Milliarden Euro. Die Exporte nahmen dabei um 18 Prozent zu, die Importe aus der Region um 22 Prozent.

zdh/hb (dpa, rtr)