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Bildung

Deutsches Recht für ausländische Juristen

Ob Bananen oder Autos – Firmen verkaufen ihre Waren weltweit. Dabei gilt: Andere Länder, andere rechtliche Grundsätze. Für deutsches Recht gibt es hierzulande deshalb spezielle Masterprogramme für ausländische Juristen.

Deutsches Recht für im Ausland graduierte Juristen: Olena aus der Ukraine (Foto: DW/Anne Brockdorff)

Olena aus der Ukraine studiert in Mainz deutsches Recht

Olena aus der Ukraine und ihre bulgarische Kommilitonin Gergana sitzen in der Bibliothek der Universität Mainz über deutschen Gesetzestexten, den Neon-Textmarker in der Hand. Diesmal geht es um das Vertragsrecht. Da gäbe es schon einige Unterschiede zu den Gesetzen in Olenas Heimatland, erzählt die ausgebildete Juristin. Und auch das Juristen-Deutsch habe es in sich. "Nach der Vorlesung müssen wir alles noch einmal genau nachlesen", sagt Olena. "Aber nach ein paar Stunden sind wir schon Profis."

Studiengang auf zwei Säulen

Die 23-jährige Olena studiert seit vergangenem Oktober an der Uni Mainz. Sie absolviert einen Masterstudiengang für im Ausland graduierte Juristen. Dieses Aufbaustudium für Jura-Absolventen ist in Deutschland weit verbreitet und steht quasi auf zwei Säulen. Auf der einen Seite sind da die Studiengänge, die sich speziell an ausländische Juristen richten, die sich einen grundlegenden Überblick über das deutsche Rechtssystem verschaffen möchten. Auf der anderen Seite bieten die Rechtsfakultäten deutscher Hochschulen Aufbaustudiengänge für ausländische wie deutsche Absolventen an, die ihr Wissen in einem bestimmten Gebiet vertiefen möchten, etwa im Urheberrecht oder in Law and Economics.

Großes Interesse kommt aus Osteuropa

Deutsches Recht für im Ausland graduierte Juristen: Olena aus der Ukraine und Gergana aus Bulgarien(Foto: DW/Anne Brockdorff)

Büffeln in der Bibliothek: Olena und ihre Kommilitonin Gergana

Voraussetzungen sind in jedem Fall ein abgeschlossenes Studium im Heimatland und gute Deutschkenntnisse. Denn die Vorlesungen und Seminare finden in der Regel auf Deutsch statt. Dass die Programme vor allem bei jungen Menschen aus Osteuropa besonders beliebt sind, sei kein Zufall, sagt Heribert Hirte, Rechtswissenschaftler an der Universität Hamburg und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Juristen-Fakultätentages. Die osteuropäischen Absolventen sprächen häufig Deutsch, und das deutsche Recht sei traditionell eine Musterrechtsordnung für osteuropäische Staaten gewesen.

Deutsches Recht in englischer Sprache

Die enge Verbindung zu Osteuropa sei einerseits gewollt, so Heribert Hirte, andererseits aus deutscher Sicht aber nicht ausreichend: "Wir bedauern sehr, dass die Länder des englischen Sprachraums, die durch England geprägt das Fallrecht, also das so genannte 'Common Law', praktizieren, das deutsche Recht sich nur zurückhaltend ansehen." Deutsches Recht gelehrt in englischer Sprache könnte da ein großer Zukunftsmarkt sein. Schon heute böten einige Unis ihre Programme deshalb in englischer Sprache an, sagt Hirte.

Aufbaustudium mit Zukunftschancen

Deutsches Recht für im Ausland graduierte Juristen: Olena aus der Ukraine (Foto: DW/Anne Brockdorff)

Nach der Vorlesung wird alles noch einmal nachgelesen ...

Für Olena hat sich das Studium deutscher Gesetze und Gerichtsurteile schon jetzt gelohnt. Über das Internet hat sie eine Praktikumsstelle in der Rechtsabteilung einer internationalen Software-Firma in Frankfurt am Main gefunden. Nach zwei Monaten hat die Firma Olenas Praktikumsvertrag gleich um einige Monate verlängert.

Nach ihrem Praktikum will die junge Juristin sich beruflich aber weiter orientieren. Dann möchte sie erst einmal nach England gehen, um ihre Englisch-Kenntnisse zu verbessern. Danach geht es für sie zurück in Richtung Heimat. "Ich würde gern in Russland oder in der Ukraine in einer Firma arbeiten, die Beziehungen zu Deutschland hat."


Autorin: Anna Brockdorff / Svenja Üing
Redaktion: Gaby Reucher