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Asien

Deutsches Milchpulver für Babys in China

Viele chinesische Eltern haben kein Vertrauen zu Säuglingsnahrung aus dem eigenen Land. Lieber ernähren sie ihre Babys mit deutschem Milchpulver. Die große Nachfrage führt gelegentlich zu Lieferengpässen.

Ma Li und seine Frau leben in Peking. Ihre kleine Tochter ist fünf Monate alt. Das Mädchen bekommt ausschließlich Nahrung, die aus deutschem Milchpulver hergestellt wird. Jeden Monat brauchen sie für ihre Tochter eineinhalb bis zwei Packungen, pro Packung 800 Gramm. Würde das junge Paar die deutsche Babynahrung in chinesischen Supermärkten kaufen, müsste es dafür im Monat circa 700 Yuan aufwenden, umgerechnet 90 Euro. Ma hat zwar ein überdurchschnittliches Einkommen. Aber selbst ihm ist das zu teuer. In deutschen Drogerie-Märkten kostet das gleiche Produkte nur ein Viertel. "Deshalb lasse ich die Babymilch im Ausland kaufen und nach Peking schicken. Das kostet weniger, und die Qualität ist besser als die, die hierzulande produziert wird", erklärt Ma seinen Privatimport.

Einheimische Produkte kommen für viele chinesische Eltern nicht in Frage, obwohl sie deutlich günstiger sind. Die Eltern machen sich Sorgen um die Gesundheit ihrer Babys. Immer wieder verunsichern Nahrungsmittelskandale die chinesischen Verbraucher. 2008 starben an mit Melamin gepanschter Milch sechs Babys, rund 300.000 wurden krank. Deshalb geht auch Ma Li lieber auf Nummer sicher - mit Milchpulver aus Deutschland.

Bonner Student beliefert sechs Familien in China

Babymilch aus Deutschland in einem Supermarktregal Foto: DW

Auch in China begehrt: Babymilch aus Deutschland

Versorgt wird Herr Ma von seinem Freund Han Fei, der in Bonn studiert. Regelmäßig kauft er in deutschen Geschäften Babynahrung und schickt sie nach China. Für 42 Euro geht ein Sieben-Kilo-Paket per Luftfracht nach China. Han Fei packt normalerweise sechs Dosen Milchpulver hinein, Netto-Gewicht 4,8 Kilo. Trotz des Portos ist der Postversand deutlich günstiger, als das gleiche Produkt direkt in China zu kaufen.

Han Fei kauft Milchpulver nicht nur für das Baby der Familie von Ma Li. Inzwischen versorgt der Student fünf Babys in China regelmäßig mit seinen Paketen. Das bedeutet auch: Wenn Han Fei in einer Drogerie in Deutschland einkaufen war, ist das Regal mit der Babymilch leer.

Ausverkauft! Das kennt auch Bettina Zimmermann aus Elmshorn bei Hamburg. Für ihre vier Monate alte Tochter braucht sie pro Monat ungefähr drei Kilo Milchpulver. Die junge Mutter berichtet, sie stehe beim Einkaufen häufig vor Regalen, in denen höchstens noch eine Dose Babynahrung steht oder die gänzlich leer sind. Dann müsse sie bei den Verkäuferinnen nachfragen, ob das Produkt schon ausverkauft ist.

"Begrenzungsmaßnahmen" im Drogeriemarkt

Bisher hat Bettina Zimmermann zum Glück stets genug Babynahrung für ihre Tochter bekommen. Manchmal musste sie dafür allerdings in verschiedene Geschäfte gehen. Doch Sorgen macht sie sich schon: "Ich habe mir schon Gedanken gemacht, dass ich das nirgendwo kaufen könnte. Dann müsste ich wahrscheinlich ein anderes Milchpulver nehmen. Aber das ist auch schwierig, weil das Baby eventuell allergisch darauf reagiert."

Den Verkäuferinnen in einem Drogerie-Markt in Bonn ist das Problem seit Monaten vertraut. Sie sind ständig damit beschäftigt, das Regal mit der Babymilch nachzufüllen. Gelegentlich komme es zu Engpässen, weil einige Hersteller nicht im gewünschten Umfang nachliefern könnten. Eine Verkäuferin sagt, ihr Geschäft treffe manchmal "Begrenzungsmaßnahmen", damit bestimmte Produkte nicht ständig ausverkauft seien - im Klartext: die Abgabe wird rationiert.

Hersteller erhöht Produktion

Behandlung eines chinesischen Kleinkinds in Wuhan Foto: D. Wong (dpa)

Milchpulver-Skandal: 50.000 Kinder mit Melamin-Vergiftung

Das hat auch Han Fei schon mehrere Male erlebt. Dann konnten die Kunden nicht mehr als vier Packungen auf einmal kaufen. Die deutsche Babynahrungsindustrie reagiert bereits auf den unerwarteten Boom. Marktführer Milupa hat nach eigenen Angaben seine Produktion innerhalb der letzten Monate um ein Drittel erhöht. Pressesprecher Stefan Stohl sagte der Deutschen Welle, Milupas Werk in Fulda arbeite 365 Tage im Jahr rund um die Uhr, um die Nachfrage zu befriedigen. Man arbeite auch mit dem Handel zusammen, um Hamsterkäufer zu limitieren. Der Sprecher kündigte zudem die Einrichtung neuer Produktionslinien an. Damit hoffe die Firma, die sprunghaft gestiegene Nachfrage bedienen zu können.

Auf die Frage, warum die gleichen Produkte in China so teuer sind, dass sich der private Versand per Luftfrachtpaket lohnt, wusste der Pressesprecher allerdings keine Antwort.