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Wissen & Umwelt

Deutsches Know-how für Brasilien

Das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) in São Paulo ist eine neue Plattform für den wissenschaftlichen Austausch. Deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen sind hier unter einem Dach versammelt.

Logo des Deutsch-Brasilianischen Jahrs der Wissenschaft

Am Mittwoch (16.11.2011) ist in der südamerikanischen Wirtschaftsmetropole São Paulo das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus offiziell eröffnet worden. Es dient als Plattform deutscher Forschungseinrichtungen in Brasilien. Vergleichbare Zusammenschlüsse gibt es bereits in Japan, Indien, Russland und den USA - allesamt Länder, die die Bundesregierung als "strategisch wichtige Partnerstaaten" bezeichnet. Die Einrichtungen sollen die Präsenz der deutschen Wissenschaft im Ausland verstärken und den Austausch zwischen deutschen und internationalen Forschern und Unternehmen vorantreiben.

Das DWIH wurde 2009 von Bundesforschungsministerin Annette Schavan im Rahmen ihrer Brasilienreise gegründet. Träger sind das Auswärtige Amt und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Wirtschaftsmetropole mit Wachstumspotential: in Sao Paulo (Foto: AP)

Wirtschaftsmetropole mit Wachstumspotential: São Paulo

Interesse an deutscher Technologie

Auch die Partnerländer haben ein großes Interesse an dem globalen Wissenstransfer. Der Leiter der Abteilung für Wissenschaft und Technologie des brasilianischen Außenministeriums, Ademar Cruz, lobt den großen deutschen Erfahrungsschatz im Bereich der Technologieentwicklung. "Die Partnerschaft hat zum Ziel, die deutsche Beteiligung bei der Innovationsförderung in Brasilien zu erleichtern", so Ademar Cruz gegenüber DW-WORLD.de

Für den brasilianischen Politiker ist besonders wichtig, dass die Wirtschaft stärker mit einbezogen wird. Die brasilianische Regierung will die Integration zwischen Wissenschaft und Industrie verstärkt fördern, da sich brasilianische Universitäten und die Industrie bisher wenig austauschen. Das deutsche Wissenschaftshaus soll dabei helfen.

Den Markt im Blick

Vor allem die Technologieentwicklung zur Gewinnung von Metallen aus Seltenen Erden sei in der Anfangsphase des Instituts enorm wichtig, erklärt Cruz. Chemische Elemente wie Lutetium oder Europium werden in vielen Schlüsseltechnologien - zum Beispiel bei der Herstellung von Flachbildfernsehern - eingesetzt. Andere Elemente dienen der Röntgentechnik oder zum Lasern.

Seltene Erden sind Mineralien, die in der Hochtechnologie von großer Bedeutung sind. (Foto: AP)

Brasilien verfügt über wichtige Vorkommen von Seltenen Erden

Brasilien verfügt, zusammen mit anderen Ländern, über bedeutende Vorkommen an Seltenen Erden. Neben Spitzenreiter China gibt es nach Auskunft von "US Geological Survey" die begehrten Rohstoffe auch in Indien, den USA und Australien. Experten sind sich einig, dass die internationale Nachfrage und der Druck zur Erschließung weiterer Quellen weiter steigen wird.

Cruz benennt als weiteren wichtigen Bereich die Entwicklung von Biomaterial. Die synthetischen oder natürlichen Materialien und Werkstoffe werden in der Medizin für therapeutische oder diagnostische Zwecke genutzt. Sie kommen dabei in Kontakt mit dem biologischen Gewebe des Körpers. Bedeutende Biomaterialien sind beispielsweise Prothesen oder Implantate. Biomaterialien sind ein wichtiger Teil des Gesundheitsbereichs und werden in zirka 300.000 Produkten genutzt. "Hier haben wir ein sehr großes Defizit und das schlägt sich in unseren Wirtschaftsbilanzen nieder", so Cruz.

Beispiel Deutschland

Außer in Russland und Indien unterhält Deutschland auch in New York und Tokio wissenschaftliche Austauschzentren. Nicht nur die Universitäten und traditionellen Forschungsinstituten wie die Fraunhofer Gesellschaft oder die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" sind im Ausland sehr beliebt. Auch die deutschen Unternehmen genießen wegen ihrer innovativen Arbeit internationales Ansehen. Sie gehören zu den besten Unternehmen Europas und stehen im ständigen fruchtbaren Austausch mit den Forschungsinstituten.

In Brasilien bemüht sich die Regierung indes, mehr Gelder für die Forschung bereitzustellen und die Innovationspolitik voranzutreiben. Bisher machen die Gewinne aus dem Bereich lediglich ein Prozent des brasilianischen Bruttoinlandsprodukts aus.

Autorin: Nádia Pontes (Übersetzung: Anna Pellacini)
Redaktion: Mirjam Gehrke