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Kultur

Deutsches Kino am Golf

Herzog, Schlöndorff & der Nachwuchs: Das "8. Dubai International Film Festival" präsentierte in diesem Jahr einen Schwerpunkt "Deutsches Kino". Die halbe deutsche Filmwirtschaft war für ein paar Tage zu Gast in Dubai.

Filmszene aus: Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel (Foto: Constantin Film Verleih)

Publikumspreis für "Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel"

Hätte man Anfang Dezember versucht in Deutschland eine Diskussionsrunde mit Vertretern der heimischen Filmbranche zusammenzubekommen, wäre man zum Scheitern verurteilt gewesen. Kinodeutschland war für ein paar Tage am Golf versammelt. Regisseure und Produzenten, Schauspieler, Verleiher und Förderer sowie Vertreter verschiedener deutscher Kulturinstitutionen wurden gleich zu Dutzenden an den Golf geflogen um beim "8. Dubai International Film Festival" dabei zu sein. Schließlich war Deutschland in diesem Jahr Gastland der Veranstaltung.

Preis fürs Lebenswerk: Werner Herzog

Auf dem Programm standen aktuelle deutsche Kinofilme, Klassiker der deutschen Filmgeschichte, auch Kinderfilme. Mehrere Regisseure stellten ihre Werke persönlich vor, auf Podien und in Diskussionsrunden wurde debattiert. Werner Herzog bekam einen Ehrenpreis des Festivals. Volker Schlöndorff fungierte als Präsident der Internationalen Jury und leitete eine Film Class mit Studenten. Die deutsche Regisseurin Emily Atef mischte ebenfalls in einer Jury mit, der Kollege Andreas Dresen entschied mit bei den kürzeren Formaten. Zahlreiche Panels und Workshops erörterten Möglichkeiten der filmischen Zusammenarbeit zwischen der arabischen und der deutschen Filmwelt. Gesprochen wurde vor allem über Möglichkeiten von Koproduktionen, auch in den Bereichen Animation und Dokumentation.

Der Regisseur Werner Herzog, links, und der Schauspieler Klaus Kinski in einer Szene des Dokumentarfilms Mein liebster Feind (Foto: (AP Photo/HO)

Ehrengast Werner Herzog - hier im Clinch mit Klaus Kinski am Set von "Fitzcarraldo"

"Wir sind stolz darauf, dass wir mit Unterstützung Dubais und des 'Dubai International Film Festivals' nun auch die Zusammenarbeit mit der deutschen Filmindustrie weiter ausbauen und ihr Engagement in der arabischen Welt fördern können", sagt Abdulhamid Juma, Präsident des Festivals, zu Beginn der Veranstaltung. In den vergangenen Jahren waren bereits europäische Kinonationen wie Frankreich und Italien zu Gast am Golf. Das Festival war im Dezember 2004 unter dem Motto "Bridging Cultures. Meeting Minds" gestartet und jedes Jahr um weitere Programmteile erweitert worden. Inzwischen ist es fester Bestandteil der vielfältigen und meist finanziell gut ausgestatteten Kulturevents in der Region.

Gemeinsame Projekte als Zielvorgabe

Dabei muss sich Dubai auch der wachsenden Konkurrenz in unmittelbarer Nähe stellen. Das "5. Filmfest in Abu Dhabi" war kurz zuvor zu Ende gegangenen. Abu Dhabi kümmert sich jedes Jahr vor allem um eine Leistungsschau des arabischen Kinos. Ein weiteres großes Festival findet im Oktober in Doha statt. In Dubai bemüht man sich speziell um die Zusammenarbeit mit Filmnationen aus dem Westen. In diesem Jahr also Deutschland: "Deutsche Organisationen, Produzenten und Investoren, aber auch der 'World Cinema Fund' sowie deutsche Fernsehanstalten wie ZDF und ARTE unterstützen seit langem Filmemacher aus der arabischen Region" - so die die Geschäftsführerin des Festivals, Shivani Pandya. Und Susanne Sporrer vom Goethe-Institut, das den Deutschland-Auftritt gemeinsam mit "German Films" und anderen Institutionen der deutschen Filmbranche organisiert hatte, ergänzte: "Durch die Zusammenarbeit mit dem Festival eröffnet sich die Chance, zum ersten Mal die Vielfalt und Qualität des deutschen Kinos konzentriert in den Vereinigten Arabischen Emiraten präsentieren zu können."

Szene aus dem Film Kriegerin (Foto: Filmfest München, Verleih)

Das wird das Publikum am Golf schockieren: junge deutsche Rechtsradikale im Film "Kriegerin"

Die geballte Präsenz deutscher Filmschaffender hatte also zweierlei im Sinn: Zum einen soll das Publikum vor Ort mit deutschen Filmen konfrontiert werden, die normalerweise nicht dort zu sehen sind. So konnten sich die Besucher beispielsweise die Erlebnisse zweier Schwestern aus der DDR kurz vor der Wende anschauen ("Westwind" von Robert Thalheim), die sozialen Nöte einer alleinerziehenden Mutter im Berlin des Jahres 2010 ("Abgebrannt" von Verena Freytag) oder die Umtriebe rechtsextremer Banden in Ostdeutschland ("Kriegerin" von David Wnendt). Aber auch leichtere Kost für ein junges Publikum wurde geboten. Der Kinderfilm "Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel" stieß auf große Resonanz und gewann sogar den Publikumspreis des Festivals. Auch "Wicki auf großer Fahrt" wurde gezeigt. Mit "Fitzcarraldo" von Werner Herzog und "Die Büchse der Pandora" von Georg Wilhelm Pabst waren auch zwei Klassiker der deutschen Filmgeschichte zu sehen - letzterer in einer restaurierten Fassung während einer Open Air-Veranstaltung mit Orchesterbegleitung.

Deutsch-Arabischer Kulturaustausch

Ziel des konzentrierten Auftritts der deutschen Kinoszene am Golf war es aber auch, deutsche Filmemacher für die Region zu interessieren: "Wir möchten deutsche Filmemacher ermutigen, tiefere Einblicke in eine Kultur zu gewinnen, die in Europa noch viel zu unbekannt ist", sagt Susanne Sporrer. Da sich der Filmbereich in den Emiraten in den vergangenen Jahren sehr entwickelt habe, sei es nun ein guter Zeitpunkt, den Austausch zu intensivieren, gemeinsame Projekte zu entwickeln und das gegenseitige Verständnis zu fördern.

Carey Mulligan inmitten der Gastgeber des Festivals im vergangenen Jahr (Foto: EPA/MOHAMED MESSARA +++(c) dpa)

Auch am Golf wird am liebsten gefeiert: Roter Teppich beim Festival im vergangenen Jahr

Zu Beginn des Festivals hieß es aber erstmal mal hinten anzustehen. Eröffnet wurde das "8. Dubai International Film Festival" mit einem großen Hollywoodfilm. Der neueste Streich der "Mission: Impossible"-Serie "Ghost Protocol" stand auf dem Programm. Der war zum Teil in Dubai gedreht worden. Superstar Tom Cruise kam natürlich zur Eröffnung. Da ist Dubai wie (fast) jedes große internationale Festival. Wenn Hollywood ruft, dann wird jeder Kulturaustausch zweitrangig und die Roten Teppiche werden ausgerollt. Dann dürfen nur geladene Gäste ins Kino. Auch die meisten Deutschen mussten draußenbleiben.

Autor: Jochen Kürten

Redaktion: Gudrun Stegen

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