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Globalisierung

Deutsches Kapital für Kolumbiens Savanne

In den Llanos im Osten Kolumbiens ist es die meiste Zeit des Jahres heiß und trocken. Trotzdem will eine deutsche Investment-Firma dort Wälder aufforsten. Die abgelegene Region bietet ungewöhnliche Vorteile.

Akazienplantage in der kolumbianischen Provinz Vichada (Foto: DW/Ristau)

Akazienplantage in der kolumbianischen Provinz Vichada

Puerto Carreño ist nicht leicht zu erreichen. Wer in die Hauptstadt der kolumbianischen Provinz Vichada reisen will, braucht ein Flugzeug. Denn mit dem Auto würde die Fahrt von Bogotá aus über mehr als 1000 Kilometer meist unasphaltierte Straßen mehrere Tage dauern. Und so besuchen nur wenige Kolumbianer den östlichsten Landesteil an der Grenze zu Venezuela. Die meisten von ihnen kommen, um an den großen Flüssen Meta und Orinoco zu angeln. Seit kurzem landen auf der staubigen Piste des Flughafens auch Geschäftsleute aus Bonn. Angetan hat es ihnen weniger der Fisch als die heiße Erde des Hinterlandes. Dort will das Unternehmen Forest Finance mit deutschem Kapital neue Wälder pflanzen.

Die Straße durch Vichada / Kolumbien besteht aus Geröll (Foto: DW/Ristau)

Rote Piste: Die Straße durch Vichada besteht aus Geröll und führt an Forstplantagen vorbei

Rot-braune Welt der Hitze

Vichada ist etwa so groß wie ein Drittel von Deutschland, aber mit 70.000 Einwohnern extrem dünn besiedelt. Bedeckt wird das Land von den Llanos - einer Savannenvegetation, die sich bis nach Venezuela ausbreitet. Verdörrtes Savannengras überzieht das Land in der Trockenzeit, die von Oktober bis April dauert. Nur vereinzelte Bäume stemmen sich dann der rot-braunen Welt der Hitze entgegen. In ihrer Nähe suchen die Rinderherden der wenigen Gehöfte Schatten.

Doch in dieser sonst trockenen Landschaft gibt es auch grüne Streifen aus Urwald. "Diese immergrünen Wälder entlang verborgener Wasserläufe heißen Morchela“, erklärt die Agraringenieurin Luisa Fernanda Azabache aus Puerto Carreño. Zur Regenzeit setzen sintflutartige Regenfälle das Land unter Wasser. In den Senken sammelt es sich zu Flüssen, die auch in der Hitzeperiode nicht versiegen. Der relativ hohe Grundwasserspiegel bildet so die Basis für den kühnen Plan der Deutschen und Kolumbianer, aus Teilen der Savanne künftig Wald zu machen.

Überfall des Jaguars

Luisa Azabache vor einem Urwaldstreifen (Foto: DW/Ristau)

Luisa Azabache: "Jaguare dringen nachts in die Farm ein"

Auf dem Hof La Paz, zwei Autostunden von Puerto Carreňo entfernt, arbeiten 40 Männer und Frauen aus allen Teilen des Landes daran, dieses Ziel zu verwirklichen. Eine Stadt gibt es weit und breit nicht, keinen Supermarkt, keine Elektrizität. Unter der Leitung von Luisa Azabache und ihrem Kollegen Roman Jaramillo wird auf der Farm La Paz alles selbst organisiert. Hühner und Küken scharren im Sand, Pferde und Rinder stehen auf eigenen Weiden. Ein Dieselgenerator und Solarzellen erzeugen Strom. Seit 2007 werden hier Wälder gepflanzt: Kiefern, Eukalyptus und vor allem Akazien. "In unseren Wäldern findet sich Rotwild, das es vor zehn Jahren noch gar nicht gab", sagt Luisa Azabache. "Außerdem ziehen Jaguare durch das Land, die nachts auch mal in unsere Farm eindringen, um Hühner zu reißen. Das akzeptieren wir." Die deutsche Firma Forest Finance will zusammen mit der NGO Panthera ein Jaguar-Forschungsprojekt einrichten, da die Farm inmitten eines Korridors der Wildkatze liegt.

"Es ist das Ziel all unserer Projekte, dass auf Dauer ein Wald entsteht, der sich aus sich selbst heraus verjüngt und nachhaltig bewirtschaftet wird. Das erhöht auch die Biodiversität. Der Jaguar gehört dazu", sagt Olaf van Meegen, Geschäftsführer von Forest Finance. Noch sind auf den sandigen Böden ausnahmslos Monokulturen zu sehen. "Das soll auf keinen Fall so bleiben. Damit aber künftig ein Mischwald entstehen kann, müssen wir Vorbereitungen treffen. Das gelingt besonders gut mit Akazien, die die relativ mageren Böden langfristig verbessern." Ein Ziel ist, dass die bisher weit auseinander liegenden Morchela-Urwaldstreifen durch die Forste miteinander verbunden werden und sich so ein reger Austausch der einzelnen Arten ergibt.

Akazien wachsen in der Savanne sehr schnell

La-Paz-Verwaltungschef Federico Cordoba aus Medellin zieht eine positive Zwischenbilanz: "Auch wenn die Bäume in anderen Regionen Kolumbiens wegen der gleichmäßigeren Niederschläge schneller wachsen würden, sind wir mit den Erträge hier zufrieden." Dass hier nicht die besten Wälder Kolumbiens sind, sei in gewisser Hinsicht auch von Vorteil, meint van Meegen: "Wir finden es charmant, in abgelegene Regionen zu gehen, wo noch kein anderer ist. So müssen wir uns nicht dem Vorwurf des 'Landgrabbing' aussetzen, also Land auf Kosten der Einheimischen zu okkupieren, sondern können stattdessen etwas Positives für die Regionalentwicklung tun."

Olaf van Meegen von der deutschen Firma Forest Finance (Foto: DW/Ristau)

Olaf Van Meegen: "Etwas Positives für die Regionalentwicklung tun"

Van Meegen zielt damit auf ethisch orientierte Anleger, die nichts mit Ausbeutung in fernen Ländern zu tun haben möchten. Die Firma bietet Investoren an, sich mit Summen ab 2500 Euro an den Projekten zu beteiligen. Dafür verspricht sie eine Rendite von sechs Prozent pro Jahr, die vor allem durch die regelmäßige Entnahme von Holz erzielt wird. Hintergrund dafür ist die hohe Produktivität der Natur in dieser Region: So wachsen etwa die Akazien unter der Sonne der kolumbianischen Savanne 30 Zentimeter pro Monat - so schnell wie eine deutsche Kiefer in einem ganzen Jahr.

Doch ohne Risiko ist der Ertrag bei den Waldinvestments im fernen Kolumbien nicht zu haben: "Wir empfehlen jedem, vorher zu prüfen, ob eine Investition in Wald für ihn geeignet ist und er sein Geld mehr als 8000 Kilometer entfernt von seinem Wohnort anlegen will. Da gehört schon etwas Mut dazu." Schließlich könnte im Extremfall auch der Totalverlust drohen, wenn etwa die Wälder durch Unwetter zerstört würden.

Immer mehr frisches Grün streckt sich dem wolkenlosen Himmel über der Savanne entgegen. Die Zahl der Forstprojekte wächst hier. Und damit auch allmählich die Zahl der Reisenden in der abgelegenen Provinzhauptstadt Puerto Carreño.

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