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Wirtschaft

Deutsches Geld trifft russische Kontakte

Wladimir Putin nutzt jede Chance, um für Investitionen in Russland zu werben. Dem Ruf des russischen Präsidenten folgt nun auch der Reifenbauer Continental. Ein Joint-Venture soll die Investitionsrisiken verringern.

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Continental will in Russland Reifen zu Geld machen

Millionen potenzieller Kunden kurven durch Moskau. Aber der russische Reifenmarkt ist hart umkämpft, zahlreiche in- wie ausländische Hersteller bieten ihre Kautschukprodukte an. Um mithalten zu können, muss im Land produziert werden. Das will der Reifenhersteller Continental jetzt in Moskau tun, gemeinsam mit einem russischen Partner. Die Conti-Manager Manfred Dunker und Jaron Wiedmaier haben fünf Jahre Entwicklungszeit für das Joint-Venture mit ihren russischen Partnern gebraucht. Jetzt stimmt alles, sagen sie. Dunker erzählt, Probleme hätten dabei nicht nur die Moskauer gemacht: "Natürlich kam auch Gegenwind aus Deutschland. Man hatte Angst, dass Arbeitsplätze verloren gehen, wenn in Russland produziert wird. Doch das ist nicht der Fall, denn was wir hier in Moskau produzieren, wollen wir in Russland verkaufen."

Veraltete Technik

Diese Reifen seien also nicht für Westeuropa bestimmt, sagt Dunker. Doch bevor das Geschäft losgehen kann, muss der neue Conti-Partner, die "Moskauer Reifenfabrik", modernisiert werden. 50 Millionen Euro investiert Continental. Das veraltete Werk sieht wüst aus - eine Zeitreise zurück in die siebziger Jahre der Sowjetunion. Überall rattert uralte Technik. Aber schon bald sollen in der Reifenfabrik moderne Maschinen stehen. Eine komplette Werksausstattung nach Russland schaffen zu wollen wirft viele Fragen auf. "Der russische Partner hilft uns die Genehmigungsverfahren zu erleichtern. Der Partner hilft uns mit der Energieversorgung, und macht uns den Weg bei den Behörden frei. Das sind alles Dinge die mit einem russischen Partner besser funktionieren, als wenn man alles in eigener Regie machen muss", sagt Dunker.

Der Preis in Russland muss niedriger werden

Der Geschäftspartner wird auch helfen, den Verkauf anzukurbeln. Noch sind die Continental-Reifen Import-Ware, also teuer und deshalb vor allem bei den Edel-Händlern zu finden. Rund 400 Euro kostet ein Satz Reifen. In Russland können sich das nur wenige leisten. "Die Preise müssen runter", sagt darum Jaron Wiedmair von Continental. Und nach dem Produktionsstart in Moskau sollen sie auch deutlich billiger werden. Der russische Partner habe aber dann auch dafür zu sorgen, dass mehr Autos der in Russland gängigen Marke Lada auf Conti umsteigen. Und zwar nicht nur in der russischen Hauptstadt, sagt Wiedmaier: "Wir haben auch vor, ins Umland zu liefern. Und da werden uns die Verbindungen der Moskauer Reifenfabrik zu ihren Händlern helfen."

Geld und Beziehungen

Im Joint-Venture haben die Deutschen das Sagen. Continental besitzt die absolute Aktienmehrheit. Die Manager aus Hannover haben neues Geld und technisches Fachwissen mit in die Geschäftsehe gebracht, die Russen eine alte Fabrik und gute, weil ebenso alte Beziehungen. Eine, dies meinen beide Seiten, vielversprechende Basis.

Bilanz

Am Dienstag, (8.4.2003) legte Continental auf der Hannover Messe 2003 seine Bilanzzahlen für das vergangene Jahr vor. Der Konzern erzielte 2002 vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen einen Gewinn von 694,3 Millionen Euro nach nur 33 Millionen Euro im Jahr davor. "Dies ist das beste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte von Conti", sagte Konzernchef Manfred Wennemer. Grund für das Spitzenergebnis 2002 waren umfangreiche Restrukturierungen mit der Schließung mehrerer Reifenwerke und eine teilweise konjunkturabhängige Produktpalette, so Wennemeiers. Verlustbringer ist lediglich noch das US-Reifengeschäft. Im Jahr zuvor hatten vor allem die Kosten für die Schließung von fünf Werken noch zu einem hohen Verlust geführt.

Wennemer kündigte an, dass die Expansion nach Russland nur ein Teil der Erschließung neuer Märkte sei. Auch in Asien wollen die Reifen- und Autoteilehersteller aus Hannover demnächst Geschäfte machen.

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