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Kultur

Deutsches Geld für Filme in Venedig

Künstlerisch spielt der Lido für den deutschen Film kaum eine Rolle. Doch ohne deutsche Unterstützung würde es viele internationale Produktionen nicht geben. Geschäfte macht die deutsche Szene aber lieber in Kanada.

In Venedig wird Kunst gezeigt - in Toronto werden die Geschäfte gemacht, so lautet ein geflügeltes Wort in der Filmbranche. Das italienische Festival kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Es gilt als ältestes seiner Art in der Welt. Toronto hingegen hat sich in den letzten Jahren als ernstzunehmender Konkurrent etabliert. Die Veranstaltung in Kanada beginnt ein paar Tage später, zieht inzwischen aber ebenso prominente Regisseure und Produzenten an wie die Stadt am Lido. Nicht zufällig hat der neue Festivaldirektor von Venedig, Alberto Barbera, soeben angekündigt, in Venedig wieder einen Filmmarkt etablieren zu wollen. Dort sollen Filme und Lizenzen eingekauft und verkauft werden. Das Kino ist eben auch ein großes Geschäft.

Festivalchef Alberto Barbera (Foto: PHOTOPQR/LE PARISIEN/F DUGIT)

Festivalchef Alberto Barbera

In Venedig (29. August - 8. September) sind in diesem Jahr im Wettbewerb um den goldenen Löwen nur zwei deutsche Co-Produktionen am Start. Der Österreicher Ulrich Seidl zeigt seinen neuen Film "PARADIES: Glaube". Darin geht es um eine Katholikin, die versucht ihre Mitmenschen zu bekehren. Als ihr Ehemann, Ägypter und Moslem, nach Hause zurückkommt, beginnt ein persönlicher Kleinkrieg um Ehe und Religion: "'PARADIES: Glaube' ist eine filmische Pieta, die von Kreuzstationen einer Ehe und der Sehnsucht nach Liebe erzählt", sagt Ulrich Seidl.

Deutsches Geld für US-Altmeister

Auch das neue Werk von Hollywood-Altmeister Brian De Palma "Passion" entstand mit deutschen Geldern. Das Remake eines französischen Thrillers um zwei Frauen, die um die Macht in der internationalen Geschäftswelt ringen, wurde komplett in Berlin und in den Babelsberger Studios gedreht. Auch deutsche Darsteller wie Karoline Herfurth und Rainer Bock sind dabei.

Aus deutscher Sicht interessanter aber ist ein Blick in die Nebenreihen und auf die Sondervorstellungen von Venedig. In einer Mitternachtsvorstellung wird "Du hast es versprochen" gezeigt, das Debüt der Berliner Regisseurin Alexandra Schmidt. Es ist die einzige rein deutsche Produktion in der Lagunenstadt in diesem Jahr. Für die junge Regisseurin ist die Einladung nach Venedig eine große Ehre. "Du hast es versprochen" erzählt von zwei Freundinnen, die sich nach langen Jahren unter besonderen Umständen wiedersehen - aus der Begegnung entwickelt sich dann ein filmischer Alptraum. Das Debüt Alexandra Schmidts dürfte vor allem für spannende Genreunterhaltung zu mitternächtlicher Stunde sorgen.

Szene aus Du hast es versprochen (Foto: Zoo Medienfabrik/Wüste Film Ost, Wüste Film)

Genreunterhaltung aus Deutschland für Venedig: "Du hast es versprochen"

Auch in einigen Nebenreihen sind Filme zu sehen, in denen deutsches Geld steckt. Mit Spannung wird etwa der Film "Wadjda" von Regisseurin Haifaa Al-Mansour erwartet. Es ist der erste Spielfilm, der jemals in Saudi Arabien gedreht wurde - noch dazu von einer Frau. Mitproduziert hat ihn die Berliner Firma "Razor-Film", die sich in den vergangenen Jahren mit Arbeiten zu brisanten Nahostthemen einen Namen gemacht hat ("Waltz with Bashir"). In "Wadjda" geht es um ein elfjähriges Mädchen in der saudischen Hauptstadt Riad, das sich den Traum ihres Lebens erfüllen will: ein Fahrrad. In Saudi-Arabien ist Frauen Fahrradfahren nicht gestattet. Der Film dürfte in der Heimat der Regisseurin für Diskussionen sorgen, auch wenn er dort nicht in den Kinos zu sehen sein wird.

Szene aus Wadjda (Foto: Razor Film)

Traum vom eigenen Fahrrad: "Wadjda" der saudischen Regisseurin Haifaa Al-Mansour

Bei der 37. Ausgabe des Toronto International Film Festival (6. - 16. September) werden nicht weniger als 29 Filme mit deutscher Beteiligung gezeigt, dabei sind auch große Namen dabei. Die beiden bekanntesten dürften Margarethe von Trotta und Tom Tykwer sein. Margarethe von Trottas neuer Film "Hannah Arendt" dreht sich um vier entscheidende Jahre im Leben der deutsch-jüdischen Philosophin. Hannah Arendt, gespielt von Barbara Sukowa, berichtete in diesem Zeitraum unter anderem über den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann für das US-Magazin "The New Yorker". In diesen Jahren prägte die Philosophin auch den berühmt gewordenen Satz von der "Banalität des Bösen".

Szene aus Hannah Arendt mit Barbara Sukowa (Foto: Heimatfilm)

Barbara Sukowa als Hannah Arendt im gleichnamigen Film von Margarethe von Trotta

"Cloud Atlas", der neue Film von Deutschlands Regie-Ass Tom Tykwer, entstand in Co-Regie mit Lana und Andy Wachowski, den Machern der legendären Matrix-Trilogie.  Der nach einer Romanvorlage des US-Autors David Mitchell gedrehte Film wurde zu großen Teilen in Deutschland gedreht und dürfte mit geschätzten 100 Millionen Dollar-Produktionskosten der bislang teuerste deutsche Film aller Zeiten sein. Mit Stars wie Tom Hanks oder Halle Berry prominent besetzt, erzählt "Cloud Atlas" gleich ein halbes Dutzend Geschichten, die sich über einen Zeitraum von 500 Jahren abspielen.

Szenenbild aus Cloud Atlas (© X-Verleih)

Tricks und Special Effects für viele Millionen Dollar: "Cloud Atlas"

"Cloud Atlas" ist eine Mischung aus Fantasy und Melodrama, Science Fiction und  Historienfilm. Dass sich die Produzenten von "Cloud Atlas" für Toronto als Ort der Weltpremiere entschieden haben, erstaunt nicht. Man schielt selbstverständlich auf den nordamerikanischen Markt. Dort kann das meiste Geld verdient werden. Und nur dort, und nicht im beschaulichen Venedig, lässt sich ein Film mit einem derart großen Budget gut vermarkten.