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Asien

Deutsches Ansehen am Hindukusch sinkt

Immer weniger Afghanen sind laut einer neuen Umfrage zufrieden mit dem internationalen Engagement in ihrem Land. Auch das Ansehen der Bundeswehr und der deutschen Hilfsorganisationen ist so schlecht wie noch nie.

Bundeswehrsoldaten (Foto: dpa)

Bundeswehrsoldaten bei Masar-i-Scharif

Neun Jahre nach dem Sturz der Taliban ist das Ansehen des Westens bei der afghanischen Bevölkerung an einem Tiefpunkt. Gerade noch 32 Prozent der Befragten sehen das westliche Engagement am Hindukusch positiv, ergab die sechste Umfrage von WDR/ARD, des britischen Senders BBC, des US-Senders ABC und der Zeitung "Washington Post", die am Montag (06.12.2010) veröffentlicht wurde.

Bundeswehr in der Kritik

Tanklaster (Foto: AP)

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Zwei Drittel (66 Prozent) der Befragten sind unzufrieden mit den alliierten Truppen, eine knappe Mehrheit von 54 Prozent fordert sogar ihren schnellen Abzug. Auch internationale Hilfsorganisationen kommen bei der Befragung nicht gut weg. Nur 43 Prozent halten deren Arbeit für positiv. 67 Prozent sind der Überzeugung, dass Hilfsgelder die Bevölkerung ohnehin nicht erreichen, sondern in "dunklen Kanälen" versichern.

Besonders unzufrieden sind die Afghanen mit der Bundeswehr. "Deutschland wird kaum noch als Verbündeter der Bevölkerung, sondern fast nur noch als ausländische Kriegspartei wahrgenommen", sagte der beim WDR für die Befragung zuständige stellvertretende Auslandschef Arnd Henze. Nur jeder Vierte bewertet die deutschen Soldaten positiv, negativ sehen sie 28 Prozent. Besonders ärgerlich für die Bundeswehr: Ihr Image ist in ihrem Einsatzgebiet im Nordosten noch schlechter als im Landesdurchschnitt. Dort sehen nur noch 21 Prozent die Truppe positiv - bei der letzten Umfrage im Januar waren es noch 45 Prozent gewesen.

Genereller Vertrauensverlust

David Petraeus (Foto: AP)

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Dieser Trend betrifft nicht nur die Bundeswehr: Im Januar war die Akzeptanz der ausländischen Soldaten bei der Bevölkerung allgemein besser. "Doch die Hoffnungen auf eine Wende zum Besseren wurden in weiten Teilen des Lands drastisch enttäuscht", erklärte Henze den Vertrauensverlust.

Für die Erhebung wurden im November insgesamt 1.691 repräsentativ ausgewählte Männer und Frauen in allen 34 afghanischen Provinzen befragt. 65 Prozent der befragten Afghanen und damit 10 Prozent mehr als vor knapp einem Jahr sind unzufrieden mit ihrer Situation. Zur Lösung der Probleme im Land befürwortet eine deutliche Mehrheit von 73 Prozent Verhandlungen mit den aufständischen islamistischen Taliban. Diese sollten an der Regierung beteiligt werden, aber nicht ganze Provinzen allein kontrollieren.

Autor: Dirk Eckert (afp, epd)

Redaktion: Michael Wehling

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