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Europa

Deutscher Terrorverdächtiger in der Türkei festgenommen

Zwei Monate nach dem Schlag gegen eine mutmaßliche Terrorzelle im Sauerland ist in der Türkei ein vierter Terrorverdächtiger festgenommen worden. Dies wurde von der Bundesanwaltschaft bestätigt.

Ferienhaus im Sauerland

In diesem Ferienhaus wurden im September bereits drei Verdächtige festgenommen

Es handele es sich um den 22-jährigen Atilla S., teilte dessen Anwalt Manfred Gnjidic am Dienstag (06.11.2007) mit. Er bestätigte damit einen entsprechenden Vorabbericht der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwochausgabe). Er habe mit seinem Mandanten bereits am Telefon gesprochen, sagte Gnjidic. Atilla S. bestreite die Terrorvorwürfe. "Er hat damit nichts zu tun." Der Ulmer Anwalt weiß nach eigenen Worten nicht, an welchem Ort in der Türkei sich der Verdächtigte in Haft befindet.

Die Festnahme wurde am Mittwoch (07.11.2007) von der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe bestätigt. Nach Angaben der türkischen Polizei wurde Atilla S. in der zentralanatolischen Stadt Konya ergriffen. Ihm werde die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und die Vorbereitung von Bombenanschlägen zur Last gelegt. Das Ziel sei, S. an Deutschland auszuliefern, hieß es weiter.

Atilla S. wird vorgeworfen, an den Planungen für Bombenanschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Die Behörden hatten im September eine mutmaßliche Terrorzelle im Sauerland zerschlagen und drei Verdächtige festgenommen.

Internationaler Haftbefehl

Deutschland Terror Festnahme Sprengstoff

Beschlagnahmte Kanister im Sauerland

Nach Erkenntnissen der Ermittler besuchte Atilla S. im vergangenen Jahr ein Ausbildungslager der Islamischen Dschihad-Union in Pakistan und war an der Ausspähung einer US-Kaserne in Hanau am 31. Dezember 2006 beteiligt. Der deutsche Staatsbürger lebte demnach zuletzt in Ulm.

Gnjidic zufolge reiste sein Mandant bereits Monate vor dem Polizei-Einsatz im Sauerland in die Türkei. Den deutschen Behörden sei sein Aufenthaltsort bekannt gewesen. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb dagegen, dass nach Atilla S. wochenlang gefahndet worden sei. Er sei mit internationalem Haftbefehl gesucht worden.

Bislang sitzen drei Verdächtige in Deutschland in Haft. Dabei handelt es sich um Fritz G., Daniel S. und Adem Y. Die zwei zum Islam konvertierten Deutschen sowie der Türke sollen massive Sprengstoffanschläge auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant haben. Im Visier der Behörden sind weitere Verdächtige.

Vermutetes Netzwerk

Der Chef des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, hatte zuvor in einem Interview des "Kölner Stadt-Anzeigers" gesagt, dass das Umfeld des vermuteten Netzwerks der drei Inhaftierten noch nicht aufgeklärt sei. "Man kann von 40 bis 50 Verdächtigen ausgehen. Neben den Führungspersonen sind das Leute, die mit den Verhafteten so eng in Kontakt standen, dass wir sie zu dem Netzwerk zählen", wurde Ziercke zitiert. Das Netzwerk sei in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und im Saarland aktiv.

Bereits im Sommer 2006 hatte eine Terrorzelle versucht, mit Kofferbomben massive Anschläge auf Regionalzüge zu verüben. Die Sprengsätze explodierten wegen eines handwerklichen Fehlers nicht. Wegen der Tat muss sich der verdächtige Libanese Youssef Mohamed El Hajdib ab dem 18. Dezember vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht verantworten. Aus Verärgerung über Mohammed-Karikaturen in europäischen Zeitungen soll er zusammen mit dem zweiten Hauptverdächtigen Jihad Hamad die Sprengsätze in den Zügen deponiert haben. Hamad ist wegen der Tat im Libanon angeklagt.

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