″Deutscher Taliban″ wurde seit Jahren gesucht | Aktuell Welt | DW | 08.03.2018
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Internationaler Islamismus

"Deutscher Taliban" wurde seit Jahren gesucht

Vor gut einer Woche wurde der Mann festgenommen, nun ist klar: Der Militärberater der Taliban ist ein 36-Jähriger mutmaßlicher Islamist aus Worms. Seit gut vier Jahren wurde international nach ihm gefahndet.

Justizzentrum Koblenz (picture-alliance/dpa/T. Frey)

Sitz der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz

Nach seiner Festnahme vor etwa einer Woche in Afghanistan hatte die Identität des Mannes noch Rätsel aufgegeben. Die afghanischen Behörden hatten in der vergangenen Woche mitgeteilt, einen Deutschen festgenommen zu haben, der als Militärberater für die radikalislamischen Taliban gearbeitet habe. 

Der Mann sei bei einem Einsatz afghanischer Spezialeinheiten in der südlichen Unruheprovinz Helmand gefasst worden. Für die radikalislamische Gruppe in Afghanistan kämpfen nur sehr wenige Europäer. Nach seiner Festnahme hatte die "Welt" berichtet, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen polizeibekannten Islam-Konvertiten aus Rheinland-Pfalz handele.

Behörden prüfen Auslieferungsantrag

Dies hat sich nun bestätigt. Der Mann ist ein 36-Jähriger aus Worms, nach dem international gefahndet wurde. Gegen ihn werde wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt, wie die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz mitteilte. Er sei seit November 2014 international zur Festnahme ausgeschrieben gewesen.

Afghanistan Militäroperation im Distrikt Marja (picture-alliance/Zumapress/A.A. Safdari)

Ein afghanischer Soldat im Marja-Distrikt in der Provinz Helmand

Laut Staatsanwaltschaft soll der Mann im August 2012 von Frankfurt am Main aus über die Türkei zunächst nach Pakistan gereist sein. Spätestens seit Sommer 2014 soll er sich in Afghanistan aufgehalten haben. Zu seiner Festnahme und den Aktivitäten des Beschuldigten dort könnten derzeit "noch keine verlässlichen weiteren Angaben gemacht werden", erklärte die Behörde. Sie prüft nach eigenen Angaben, ob eine Auslieferung des Manns beantragt wird und ob die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe der Fall übernimmt.

Mutmaßlich islamistische Deutsche im Irak festgenommen

Auch im Irak soll eine Deutsche festgesetzt worden sein. Das Auswärtige Amt prüft Berichte über eine Festnahme der mutmaßlichen deutschen IS-Anhängerin Sarah O. aus Konstanz. "Die Botschaft Ankara steht mit den türkischen Behörden in Kontakt und versucht, Informationen zu sichern", sagte ein Ministeriumssprecher. Zuvor hatten der Südwestrundfunk (SWR) und der "Südkurier" über die Festnahme von Sarah O. und ihrs Ehemanns in der Türkei berichtet. Die mittlerweile 20-jährige Tochter einer Deutschen und eines Algeriers soll sich 2014 islamistischen Rebellen in Syrien angeschlossen haben.

Türkei Gaziantep Blick auf Stadt (Imago/Zuma Press/M. Shephard)

Gaziantep in der Türkei

Unter Berufung auf das private Umfeld von Sarah O. berichtet der SWR, sie sei in der türkischen Stadt Gaziantep in Haft. Der "Südkurier" berichtet unter Berufung auf türkische Medien, Sarah O. sei mit ihren Kindern nach Deutschland abgeschoben worden. Auch dafür gab es zunächst keine behördliche Bestätigung.

Die türkische Nachrichtenagentur DHA hatte bereits in der vergangenen Woche berichtet, Soldaten hätten Sarah O. sowie ihren Ehemann und die Kinder im Distrikt Akcakale in der Provinz Sanliurfa beim versuchten Grenzübertritt festgenommen. Bei der Überprüfung der Personalien habe sich herausgestellt, dass Interpol wegen mutmaßlicher Mitgliedschaft in der Terrormiliz IS nach dem Ehepaar fahnde.

cw/rb (dpa, afp)

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