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Wirtschaft

Deutscher soll Blackberry-Hersteller retten

Der angeschlagene Blackberry-Hersteller Research in Motion gibt dem Druck der Anleger nach und wagt einen Neuanfang mit einem ehemaligen Siemens-Manager an der Spitze. Doch ob der die Wende schafft, bleibt ungewiss.

Jim Balsillie (r) und Mike Lazaridis (Foto: Reuters)

Geben auf: Jim Balsillie (r) und Mike Lazaridis

Die beiden Gründer des kanadischen Blackberry-Herstellers Research in Motion (RIM), Mike Lazaridis und Jim Balsillie, treten von der Spitze des Konzerns ab. Neuer Chef des kanadischen Unternehmens wird der frühere Siemens-Manager Thorsten Heins, teilte das Unternehmen am Sonntag (22.01.2012) an seinem Sitz im kanadischen Waterloo mit. Investoren hatten einen Wechsel an der Spitze des Konzerns gefordert.

Die Marktanteile schrumpfen vor allem in den Vereinigten Staaten seit längerem, und damit ging auch der Aktienkurs in den Keller. Deshalb forderten einflussreiche RIM-Aktionäre seit Monaten Konsequenzen in der Führungsetage. "Es gibt eine Zeit in der Entwicklung eines jeden Unternehmens, wo die Gründer die Notwendigkeit erkennen müssen, den Stab an eine neue Führung weiterzureichen", sagte Mitgründer Lazaridis. Er zieht sich auf den Posten des stellvertretenden Verwaltungsratschefs zurück. Balsillie wird einfaches Mitglied des Kontrollgremiums.

Trends verschlafen

Ein Werbeplakat der Firma Blackberry (Foto: dpa)

Trend verschlafen: Blackberry-Werbung auf der CeBIT

Mit seinem Blackberry war das kanadische Unternehmen bahnbrechend für internetfähige Handys (Smartphones), Jahre bevor es das iPhone von Apple gab. Das Unternehmen konnte sich nach dem Eintritt von Apple und anderen Wettbewerbern wie dem Google-Betriebssystem Android zunächst noch gut am Markt behaupten, wird aber nun immer deutlicher abgehängt. Die RIM-Spitze hatte den Trend hin zu berührungsempfindlichen Bildschirmen verschlafen; zudem hinken die Blackberrys in Sachen Multimedia dem iPhone und den Android-Smartphones hinterher. Zuletzt war der Umsatz stark zurückgegangen.

Schwere Rückschläge erlebte RIM auch mit der verspäteten Einführung des neuen Blackberry 10 und beim Tablet-Computer PlayBook, das sich nur schlecht verkauft. Der zuletzt für 199 Dollar verschleuderte Ladenhüter riss ein Loch von mehreren hundert Millionen Dollar in die Bilanz. Die Einführung eines neuen Betriebssystems, das die Geräte attraktiver machen soll, verzögert sich immer weiter.

Bekenntnis zu Bochum

Thorsten Heins (Foto: Reuters)

Er soll es richten: Thorsten Heins

Nun soll es also ein Deutscher richten. "Wir haben aus den Herausforderungen gelernt", sagt Thorsten Heins. Der 54-Jährige hat sein Handwerk in der früheren Kommunikationssparte von Siemens gelernt, bevor er 2007 zu RIM wechselte. Der neue Chef bekennt sich ausdrücklich zum deutschen Standort Bochum. "In Bochum steht eines unserer Entwicklungszentren. Das ist ein wichtiger Standort für uns", sagt Heins. RIM hatte das Entwicklungszentrum 2008 in der Ruhrgebietsstadt eröffnet und damals zahlreiche Nokia-Ingenieure übernommen, nachdem der finnische Handykonzern sein Werk unter öffentlichem Protest nach Rumänien verlagert hatte.

Ob der Deutsche allerdings bei RIM das Ruder noch herumreißen kann, bleibt ungewiss. Die einstige Innovationsschmiede liefert seit geraumer Zeit wenig inspirierte Produkte, die noch dazu oft mit Verspätung auf den Markt kommen. Mittelmaß reicht in diesem zunehmend umkämpften Markt aber nicht mehr aus. Und die einst vor allem bei Managern so begehrten Blackberrys sind heute in vielen Fällen zu Billiggeräten geworden.

Schon einmal hat ein deutscher Manager versucht, einen amerikanischen IT-Konzern zu steuern. Im November 2010 wurde der deutsche Manager Leo Apotheker, bis dahin Vorstandssprecher der deutschen Softwareschmiede SAP, zum Vorstandsvorsitzenden des amerikanischen Technologiekonzerns Hewlett-Packard berufen. Von dieser Position wurde er aber bereits im September 2011 wieder abgelöst. Grund dafür waren der gescheiterte Versuch, den Tablet-PC TouchPad mit dem mobilen Betriebssystem WebOS am Markt zu etablieren, und ein Kursverlust der HP-Aktie von rund 45 Prozent.

Autor: Rolf Wenkel (dpa, dapd, rtr)
Redaktion: Henrik Böhme

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