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Politik

Deutscher Soldat in Afghanistan getötet

Im Norden Afghanistans ist wieder ein Anschlag gegen die Bundeswehr verübt worden. Mit einem getöteten und drei verletzten Soldaten ist es die schwerste Attacke gegen den deutschen Einsatz dort in diesem Jahr.

Zwei ISAF-Soldaten der Bundeswehr in Kundus (Foto: AP)

ISAF-Soldat der Bundeswehr in Kundus (Archiv)

Wie Verteidigungsminister Franz Josef Jung in Berlin mitteilte, wurde ein Patrouillenführer getötet. Drei seiner Kameraden hätten leichte Verletzungen erlitten. Die Bundeswehrpatrouille mit acht Fahrzeugen sei am Mittwochmorgen (27.08.2008) wenige Kilometer südlich von Kundus-Stadt in eine Sprengfalle geraten. Der Anschlag sei mittels eines Drahtes ferngezündet worden und habe ein geschütztes Fahrzeug getroffen. Damit erhöhte sich die Zahl der seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes im Jahr 2002 bei Anschlägen oder Unglücken getöteten deutschen Soldaten auf 27.

Merkel tief erschüttert

Die Bundesregierung verurteilte den Anschlag als hinterhältig. Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich tief erschüttert und sprach den Angehörigen im Namen des ganzen Kabinetts ihr Mitgefühl aus. Der Sprecher der internationalen Afghanistan-Schutztruppe ISAF, Richard Blanchette, erklärte: "Das Leben des Soldaten wurde genommen, während er dem afghanischen Volk half, eine bessere Zukunft aufzubauen." Der getötete Hauptfeldwebel gehörte dem Fallschirmjäger- Bataillon 263 der Saarlandbrigade aus Zweibrücken (Rheinland-Pfalz) an. Jung sagte: "Wir trauern um den Bundeswehrsoldaten und wünschen den Verletzten rasche Genesung."

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung gibt eine Pressekonferenz in Berlin. Jung bestätigte, dass ein deutscher Soldat bei einem Anschlag in Afghanistan getötet wurde. (Foto: AP)

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung gibt eine Pressekonferenz in Berlin. Jung bestätigte, dass ein deutscher Soldat bei einem Anschlag in Afghanistan getötet wurde

Jung: Einsatz geht weiter "zur Sicherheit Deutschlands"

Zugleich betonte der Minister, der Einsatz gehe ungeachtet des "feigen, hinterhältigen Anschlags" weiter. Er räumte ein, dass sich die Sicherheitslage im Norden Afghanistans, wo die Bundeswehr mit bis zu 3500 Mann stationiert ist, verschärft habe. Die Mission müsse aber auch zur Sicherheit Deutschlands fortgeführt werden, um Rückzugsmöglichkeiten und neue Ausbildungslager für Terroristen zu verhindern. Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte, er sei sicher, dass vor Ort alles getan werde, um die Vorgänge aufzuklären. Unmittelbare Konsequenzen für die bisherige deutsche Afghanistan-Politik sehe er nicht. Die FDP erklärt, dieser weitere "menschenverachtende Anschlag" zeige, welch hohes Risiko die Bundeswehr in Afghanistan auf sich nehme, um dem Land eine Friedensperspektive zu geben. Die Grünen fordern einen Kurswechsel zu mehr ziviler Hilfe, die Linke den Abzug der Bundeswehr.

Provinzregierung: Taliban für Anschlag verantwortlich

Der Gouverneur der Provinz Kundus, Engineer Mohammad Omar, machte die Taliban und das Terrornetz El Kaida für den Anschlag im Distrikt Chardara verantwortlich. Chardara gilt Berichten zufolge als eine der unsichersten Gegenden in der Provinz Kundus. Zuletzt waren im Mai 2007 bei einem Selbstmordanschlag in Kundus drei deutsche Soldaten getötet worden. Laut Hilfsorganisationen wurden bei Kämpfen und Anschlägen in Afghanistan in diesem Jahr insgesamt mehr als 3000 Menschen getötet, darunter etwa 1000 Zivilisten.

Der Bundestag entscheidet Anfang Oktober über eine Verlängerung des Bundeswehr-Mandats in Afghanistan. Jung hat die Aufstockung des deutschen Kontingents von 3500 auf 4500 Mann vorgeschlagen. In der Diskussion ist zudem, AWACS-Aufklärungsflugzeuge der NATO nach Afghanistan zu entsenden. (hpe)

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