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Wirtschaft

Deutscher Post drohen Warnstreiks

Zahlreiche Briefe und Pakete könnten an Ostern auf der Strecke bleiben: Die Gewerkschaft Verdi ruft zu Warnstreiks bei der Deutschen Post auf. Auch beim Versandhändler Amazon wird wieder gestreikt.

Viele Kunden der Deutschen Post könnten an Ostern vergeblich auf ihre Briefe und Päckchen warten: Ab dem ersten April soll es bundesweite Warnstreiks geben, wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte. Verdi fordert für die rund 140.000 Mitarbeiter des Konzerns eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 36 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Die Gewerkschaft kündigte zudem eine Klage vor dem Arbeitsgericht an. Dabei geht es um die geplante Ausgliederung von Paketzustellern in 49 Regionalgesellschaften mit schlechteren Tarifbedingungen.

Mit der Ausgliederung soll der Post zufolge vor allem Beschäftigten, die bislang befristete Verträge beim Mutterkonzern haben, ein dauerhafter Job geboten werden. Sie sollen aber nach dem Tarif der Speditions- und Logistikbranche bezahlt werden. Damit verdienen sie dann weniger als im Mutterkonzern. Mit dem neuen Modell will die Post die Personalkosten näher an Konkurrenten wie UPS, GLS, DPD oder TNT bringen. "Wir zahlen doppelt so hohe Löhne wie unsere Wettbewerber", so Postchef Frank Appel. Die Post betont, viele Postler hätten längst Fakten geschaffen. Schon 5500 Beschäftigte hätten die neuen Verträge unterschreiben.

Tariferhöhung um 6,9 Prozent gefordert

"Die Beschäftigten erwarten, dass der Arbeitgeber ihre Interessen ernst nimmt und konstruktiv über unsere Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich verhandelt", sagte Andrea Kocsis, stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Verhandlungsführerin. "Weitere Nebelkerzen am Verhandlungstisch brauchen wir nicht."

Ein Sprecher der Post äußerte sein Unverständnis über die Warnstreiks. "Es gibt keinen Grund, jetzt zu streiken." Der nächste Verhandlungstermin sei bereits für den 14. April vereinbart. Zudem habe die Post ein Konzept vorgelegt, das eine weitestgehende Flexibilisierung der Arbeitszeiten vorsieht. Der Forderung nach vollem Lohnausgleich könne der Konzern indes derzeit nicht nachkommen. Dies käme einer Tariferhöhung um 6,9 Prozent gleich.

Die Post geht davon aus, dass es durch die angekündigten Warnstreiks "zu Verzögerung einzelner Sendungen" kommen wird. "Man kann die Auswirkungen nie ganz verhindern", so der Sprecher.

Streiks bei Amazon bis Dienstagabend

Seit Montag (30.03.2015) sind zudem Mitarbeiter an fünf Amazon-Standorten im Ausstand. Während das Unternehmen die Beteiligung daran als "sehr zurückhaltend" bezeichnete, erklärte die Gewerkschaft Verdi, die Ausstände seien "erfolgreich angelaufen". Insgesamt hätten am Montag rund 1550 Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. Die Gewerkschaft bestreikt die Versandlager in Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne und Koblenz. Die Aktionen sollen noch bis zum Ende der Spätschicht am Dienstag andauern.

Laut Verdi gerät Amazon durch die Streiks unter Druck. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass es zu "Lieferverzögerungen" komme, teilte Stefanie Nutzenberger vom Verdi-Vorstand mit. Verdi will für die Beschäftigten Tarifverträge nach den Konditionen für den Einzel- und Versandhandel durchsetzen. Bisher zahlt Amazon nach eigenen Angaben Gehälter in einer Höhe, die den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche entsprechen. Der Konflikt läuft bereits seit zwei Jahren, immer wieder auch begleitet von Streiks.

hmf/nm (dpa, rtr)