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Wirtschaft

Deutscher Maschinenbau legt deutlich zu

Deutschlands Vorzeigebranche hat im vergangenen Jahr bei Produktion und Export zweistellig zugelegt. Doch für das laufende Jahr erwarten die Maschinenbauer ein Nullwachstum.

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer haben im vergangenen Jahr Krisen und Katastrophen nahezu unbeeindruckt weggesteckt. Die Produktion stieg 2011 um 12,1 Prozent oder 24 Milliarden Euro auf rund 187 Milliarden Euro, erklärte Thomas Lindner, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Donnerstag in Frankfurt. "Damit haben wir zwar unsere Prognose von 14 Prozent knapp verpasst", so Lindner, "aber immerhin addiert sich der Produktionszuwachs der Jahre 2010 und 2011 auf 22 Prozent."

Auch beim Export hat die Schuldenkrise in Euroland keine nennenswerten Spuren hinterlassen. Die Maschinenausfuhr stieg von Januar bis November um gut 14 Prozent. Die Verkäufe in die europäischen Nachbarländer stiegen mit neun Prozent zwar unterdurchschnittlich, "aber immer noch stärker als wir erwartet haben", so Lindner. Andere Abnehmerländer wiesen dagegen zweistellige Wachstumsraten auf. So stiegen die Verkäufe nach Russland um 33 Prozent, in die Türkei um 29 Prozent, nach China um 26 Prozent und nach Brasilien um 23 Prozent.

Neue Stellen geschaffen

Vom Erfolg der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer profitierte auch der Arbeitsmarkt. Rund 35.000 neue, feste Stellen hat die Branche im Jahresverlauf geschaffen. Im Dezember waren - Zeitarbeiter und Mitarbeiter in den Auslandsunternehmen nicht eingerechnet - fast 950.000 Menschen im Maschinenbau beschäftigt. "Wir sind damit unverändert der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland", sagt Verbandspräsident Lindner.

Für das laufende Jahr ist Lindner allerdings nicht sehr optimistisch. Noch im September des vergangenen Jahres glaubten die VDMA-Experten, die Branche könne 2012 noch einmal um rund vier Prozent zulegen. Doch schon im Dezember knickte die Produktion um 1,9 Prozent ein, und die Auftragseingänge rutschten ins Minus. Deshalb rechnet der Verband im laufenden Jahr nur noch mit einer schwarzen Null.

Kein zyklischer Abschwung

"Sie können das je nach persönlicher Befindlichkeit Stabilität auf hohem Niveau oder auch Stagnation nennen", so Lindner. "Aber viele unserer Unternehmen werten die aktuelle Situation eher als Verschnaufpause und nicht als zyklischen Abschwung." Chancen und Risiken liegen für Lindner eng beieinander. Hervorragende Wachstumsperspektiven böten die Bereiche Umweltschutz, Ressourceneffizienz, Elektromobilität und Energieeffizienz. Nachlassendes Wachstum und zunehmende Konkurrenz in China, die Staatsschuldenkrise in Europa und die Energiewende in Deutschland zählt Lindner dagegen zu den Risiken.

"Deshalb appellieren wir an alle Verantwortlichen, zusätzliche Probleme made in Germany zu vermeiden", sagte Lindner mit Blick auf die Gewerkschaft IG Metall. Die fordert in der bevorstehenden Tarifrunde bis zu 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt, eine unbefristete Übernahme aller Auszubildenden und die Mitbestimmung der Betriebsräte bei der Zeitarbeit. "Das passt einfach nicht zu der Tatsache, dass wir insgesamt unser Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht haben", sagt Lindner. Deshalb wünscht er sich von den Tarifparteien "mehr Augenmaß und Vernunft".

Autor: Rolf Wenkel
Redaktion: Philipp Bilsky

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