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Aktuelles

Deutscher Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass 87-jährig gestorben

Der deutsche Schriftsteller starb im Alter von 87 Jahren. Er war einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart.

Wie der Verlag Steidl mitteilte, starb er in einer Klinik in Lübeck an einer Lungenentzündung. Der Schriftsteller, der in der Nähe der Hansestadt lebte, war mit seinem 1959 erschienenen ersten Roman "Die Blechtrommel" weltberühmt geworden. 40 Jahre später erhielt der gebürtige Danziger für sein Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur.

Grass wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. Zu seinem umfangreichen Werk gehört die Anfang der 1960er Jahre erschienene "Danziger Trilogie". Sie umfasst neben der "Blechtrommel" die Novelle "Katz und Maus" (1961) und den Roman "Hundejahre (1963). Fast ein halbes Jahrhundert später schrieb Grass seine "Trilogie der Erinnerung". Er war auch als Grafiker, Zeichner und Bildhauer tätig.

Wahlkampf für die SPD

Sein Leben lang schaltete sich Grass in gesellschaftspolitische Debatten ein. So unterstützte er Willy Brandts Aussöhnungspolitik mit Polen und machte Wahlkampf für die SPD. Aus Protest gegen deren Asylpolitik trat er 1992 zwar aus der Partei aus, blieb ihr aber bis zuletzt verbunden. Außenminister Frank-Walter Steinmeier äußerste sich "tief bestürzt" vom Tod des Schriftstellers. Grass sei ein großer Bürger und Sohn der Stadt Lübeck, wie ein Außenamtssprecher in Berlin mitteilte. Es sei tragisch, dass Grass jetzt gestorben sei, einen Tag, bevor die Welt auch wegen eines G7-Außenministertreffens in Lübeck auf die Stadt blicken werde. Dieses Treffen beginnt am morgigen Dienstag.

Mitglied der Waffen-SS

Für viele repräsentiert Grass den Typus des linksliberalen Intellektuellen, der sich antidemokratischen Praktiken jeder Art konsequent verweigerte. In die Schlagzeilen geriet der Autor allerdings 2006 durch sein Eingeständnis, dass er als 17-Jähriger am Ende des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS war. Dem Autor wurde vorgeworfen, seine SS-Zugehörigkeit zu lange verschwiegen zu haben, während er andere immer wieder wegen ihrer NS-Vergangenheit öffentlich kritisiert habe. Sein im April 2012 in der "Süddeutschen Zeitung" erschienenes israelkritisches Gedicht "Was gesagt werden muss" sorgte ebenfalls für heftige Diskussionen.

uh/sp (dpa,afp)