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Welt

Deutscher in Nigeria entführt

Der Norden Nigerias ist seit Wochen von Gewalt geprägt. Jetzt ist auch ein Deutscher Opfer geworden. Nach Polizeiangaben wurde der Bauingenieur verschleppt. Über die Täter gibt es nur Mutmaßungen.

Menschen vor brennenden Trümmern (Foto: Reuters)

Nordnigeria wird zunehmend von Gewalt erschüttert

Die Polizei im nordnigerianischen Kano hat bestätigt, dass am Donnerstag ein Deutscher entführt wurde. Im Interview mit der Deutschen Welle erklärte ein Polizeisprecher, es handele sich um den Bauingenieur Edgar R., einen Mitarbeiter der nigerianischen Baufirma Dantata and Sawoe. Augenzeugen hätten berichtet, der Ingenieur sei gegen acht Uhr morgens von einer Baustelle außerhalb der Stadt an der Hauptstraße Richtung Süden verschleppt worden. Die Entführer seien mit einem Opel Vectra gekommen:

"Zwei Bewaffnete sind ausgestiegen, haben den Ingenieur mit Handschellen gefesselt und ihn dann im Kofferraum des Wagens abtransportiert", so der Polizeisprecher. Die Polizei sei eine Viertelstunde später benachrichtigt worden und habe umgehend alle Ausfallstraßen gesperrt. Auch die Sicherheitskräfte der benachbarten Bundesstaaten seien informiert worden. Bisher war die Suche nach dem Entführten erfolglos, die Polizei hat keine Hinweise auf die Motive oder den Hintergrund der Entführer.

"Mit allen relevanten Stellen" in Kontakt

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte dazu bisher lediglich, das Ministerium gehe "Hinweisen auf die Entführung eines deutschen Staatsbürgers" nach. Auswärtiges Amt und Botschaft bemühten sich mit Hochdruck um Aufklärung. Hierzu sei das Ministerium "mit allen relevanten Stellen" in Kontakt.

Rettungskräfte inspizieren ausgebrannte Fahrzeuge nach den Bombenanschlägen in Kano (Foto: dpa)

Nur Tod und Verwüstung nach den Bombenanschlägen in Kano

Die zweitgrößte Stadt Nigerias war am vergangenen Freitag von mehreren Bombenanschlägen erschüttert worden. Zugleich hatten Bewaffnete mehrere Regierungsbehörden angegriffen. Nach letzten Zählungen starben bei der Terrorserie 178 Menschen. Zu den Anschlägen hatte sich die radikal-islamistische Terrorgruppe "Boko Haram" bekannt.

Seit Freitag hatten sich Sicherheitskräfte noch mehrmals Kämpfe mit Bewaffneten geliefert. Am Donnerstag schreckte die Einwohner der Neun-Millionen-Metropole erneut ein Bombenanschlag auf. Der Sprengkörper explodierte an einer Busstation in einem Stadtteil, der von Zuwanderern aus dem christlich dominierten Süden Nigerias bewohnt wird.

Anschläge gegen nigerianische Einrichtungen

Die Anschläge der Islamisten in Nigeria hatten sich bisher meistens gegen nigerianische Sicherheitskräfte und andere Behörden sowie gegen Kirchen gerichtet. Zu direkten Angriffen auf Ausländer oder zu - im Norden Nigerias sehr seltenen - Entführungen hatte sich "Boko Haram" noch nicht bekannt. Sollten die Radikalislamisten hinter der Entführung des Deutschen stecken, wäre dies eine weitere Eskalation ihrer Aktionen.

Die Nachrichten-Agentur AFP hatte zuvor berichtet, dass nach den Anschlägen am vergangenen Freitag rund 200 Menschen festgenommen worden seien, "zumeist Söldner aus dem Tschad". Nigerias Präsident Goodluck Jonathan rief die Radikal-Islamisten unterdessen zum Dialog auf. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters forderte er sie am Donnerstag auf, sich zu erkennen zu geben und Ansprechpartner zu benennen: "Wir werden mit ihnen sprechen", fügte er hinzu. "Aber wenn sie sich nicht zu erkennen geben - mit wem soll man dann sprechen?"

Autor: Thomas Mösch (mit afp, rtr)
Redaktion: Martin Muno / Herbert Peckmann

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