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Aktuell Asien

Deutscher in China zum Tode verurteilt

Es war ein Eifersuchtsdrama, das in China ein blutiges Ende fand: Ein Deutscher metzelte vor vier Jahren seine Ex-Freundin und deren Lebensgefährten nieder. Jetzt hat ihn ein chinesisches Gericht zum Tode verurteilt.

Das Mittlere Volksgericht der südchinesischen Stadt Xiamen hat einen Mann aus dem oberbayerischen Teisendorf im Chiemgau wegen Doppelmordes an seiner ehemaligen Freundin und deren Lebensgefährten zum Tode verurteilt. Das teilte der Anwalt des 36-Jährigen mit. Der Verurteilte hatte laut Anklage im Juni 2010 seine frühere Freundin aus Münchner Studententagen und deren neuen Freund auf offener Straße in Xiamen mit einem Hammer und einem Messer umgebracht. Der getötete Mann war auch Deutscher, während die Freundin in München studiert hatte, aber die venezolanische Staatsbürgerschaft besaß. Das Gerichtsverfahren war vor drei Jahren schon abgeschlossen worden. Seither wartete der 36-Jährige auf das Urteil. Es ist das erste Mal, dass ein Deutscher in China zum Tode verurteilt wurde.

Oberstes Gericht muss noch entscheiden

Ob er in Berufung gehen wird, ist unklar. "Wir wissen es noch nicht", sagte der Anwalt Chen Liqun. "Er hat selbst noch keine Entscheidung getroffen." Der Fall müsste ohnehin noch in höherer Instanz sowie am Ende vom Obersten Gericht Chinas in Peking bestätigt werden. Der Deutsche war während des Gerichtsverfahrens konsularisch betreut worden. Diplomaten wollten sich zu dem Konsularfall wie üblich nicht äußern. Das Auswärtige Amt setzt sich grundsätzlich in anderen Ländern dafür ein, dass keine Todesstrafe verhängt wird, da diese in Deutschland abgeschafft und abgelehnt wird.

Das Motiv des Doppelmordes ist offenbar Eifersucht. Der Mann soll seine ehemalige Freundin und deren Lebensgefährten in ein Luxushotel in Xiamen gelockt haben. Augenzeugen berichteten, maskiert in schwarzer Montur habe er den beiden dann auf der Straße aufgelauert und sie niedergemetzelt. Wie Zeugen berichteten, flehte die junge Frau noch auf den Knien um Gnade, bevor er sie umbrachte. Als Waise blieb ein inzwischen sechs Jahre altes Kind zurück, dass heute bei Verwandten des Mannes in Deutschland aufwächst.

Eifersucht als Tatmotiv

Der Täter und seine Ex-Freundin hatten in München gemeinsam Sinologie studiert. Sie trennte sich im Sommer 2005 von ihm. Er soll die Trennung nicht überwunden haben und begann sie zu verfolgen, wie Freunde berichteten. Nach offiziell unbestätigten Angaben aus dem Bekanntenkreis soll er sie mehrfach bedroht haben. Die Frau habe sich deswegen sogar an die Polizei gewandt. 2006 ging sie zum Studium nach Xiamen. Es wurde spekuliert, das der Mann eigens nach China gereist war, um beide zu töten. Er soll direkt nach der Bluttat versucht haben, sich selbst zu töten, und hatte sich selbst schwer verletzt. Sollte der Deutsche jetzt keine Berufung einlegen, müsste das Todesurteil nach chinesischer Praxis bald vollstreckt werden. Der einzige Europäer, der in China jemals exekutiert worden ist, war 2009 ein gebürtiger Pakistani mit einem britischen Pass, der Rauschgift geschmuggelt hatte. In China kann eine Todesstrafe auch auf Bewährung verhängt werden, was in eindeutigen Mordfällen aber ungewöhnlich wäre. Meist wird die Strafe dann auch nach zwei Jahren in lebenslange Haft umgewandelt.

cr/haz (dpa)