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Politik

Deutscher in Afghanistan entführt

Erstmals seit dem Sturz der Taliban ist in Afghanistan ein Deutscher entführt worden. Nach Medienberichten sollen nicht Terroristen, sondern Kriminelle hinter der Entführung stecken.

Soldaten auf einer Anhöhe im Süden Afghanistans

Gefährliches Pflaster Afghanistan

Das Auswärtige Amt teilte am Mittwoch in Berlin mit, ein deutscher Staatsangehöriger werde seit Donnerstag vergangener Woche (28.6.) vermisst. "Wir haben nach den uns vorliegenden Hinweisen von einer Entführung auszugehen", sagte Ministeriumssprecher Martin Jäger. Es sei bereits am Samstag ein Krisenstab gebildet worden. "Wir bemühen uns sehr intensiv um die Lösung dieses Falles", sagte der Sprecher.

Alle notwendigen Maßnahmen würden ergriffen. Einzelheiten könne er nicht mitteilen, auch nicht, ob Kontakt zu den Entführern bestehe. Er sagte nur, dass der Entführte nicht im Auftrag der deutschen Regierung oder einer deutschen Hilfsorganisation in Afghanistan war. Er sei auch kein Journalist. Zum Ort der Entführung sagte Jäger lediglich, er liege nicht im Gebiet des Regionalkommandos Nord der Bundeswehr.

Entführung zwecks "Verkauf"?

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" soll der Entführte ein Bauunternehmer sein, der seit Jahren in Afghanistan aktiv sei. "Spiegel"-Online meldete, der Mann sei im Südwesten Afghanistans unterwegs gewesen und dort verschleppt worden. Der Deutsche habe nur eine bestimmte Straße nehmen können, und dort sei ihm aufgelauert worden. Die Entführer würden klar dem kriminellen Milieu zugerechnet. Es werde allerdings befürchtet, dass sie ihr Opfer an die Taliban weiter "verkaufen" könnten.

Der Gouverneur der südwestlichen Provinz Nimros, Ghulam Dagastir Asad, bestätigte, ein deutscher Mann und sein afghanischer Dolmetscher seien seit einigen Tagen verschwunden. Details konnte er aber nicht nennen. Ein Taliban-Sprecher hatte der Nachrichtenagentur AP in den vergangenen Tagen mehrfach versichert, die Taliban im Süden und Südwesten des Landes hätten keinen Deutschen entführt.

Dringende Warnung vor Reisen nach Afghanistan

In Afghanistan waren in den vergangenen Monaten bereits mehrere Bürger westlicher Staaten verschleppt worden, darunter der italienische Journalist Daniele Mastrogiacomo und ein französischer Mitarbeiter der Hilfsorganisation Terre d'Enfance. Das Auswärtige Amt warnt dringend vor Reisen nach Afghanistan. "Wer dennoch reist, muss sich der Gefährdung durch terroristisch oder kriminell motivierte Gewaltakte bewusst sein", heißt es in der Reisewarnung.

Deutsche waren zuletzt im Irak entführt worden. Das Auswärtige Amt bemüht sich nach wie vor um die Freilassung der Deutschen Hannelore Krause und ihres Sohns Sinan, die im Februar in Bagdad verschleppt worden waren. Ihre Entführer hatten den Abzug aller Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan gefordert. (wga)