Deutscher Hip-Hop-Pionier Smudo wird 50 | Musik | DW | 06.03.2018
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Musik

Deutscher Hip-Hop-Pionier Smudo wird 50

Er ist der "Mikrofonprofessor" der Band "Die Fantastischen Vier". Seit über dreißig Jahren rappt sich Michael Bernd Schmidt alias Smudo durch die deutsche Musiklandschaft. Und beweist: Würdig altern im Hip-Hop, das geht!

Der Smudo, der Smudo, ich bin der Smudo
Ich mach kein Karate und ich mache kein Judo
Mit dem Mikrofon als Waffe kombiniert mit Sprechgesang
bin ich in Frieden gekommen gegen Gewalt und Gruppenzwang
Ich sabbel ohne Ende, habe Puste wie ein Blasebalg
Doch ich bin kein Moderator, ich bin nicht Thomas Gottschalk
Ich bin auf dem Weg nach oben doch ich bin nicht Reinhold Messner
Ich bin S.M.U.D.O. der Mikrofonprofessor.

Mit solcherlei Reimen traten sie an, die Fantastischen Vier, und man ahnte schon: Sehr ernst nahmen sich die vier Jungs aus Süddeutschland selbst nicht. Unbekümmert reimten sie sich durch die frühen Neunziger. Und landeten 1992 mit "Die da!?!", dem ersten deutschsprachigen Hip-Hop-Song, in den Charts. Als Hip-Hop-Clowns galten sie den einen, als Hip-Hop-Erweckungserlebnis den anderen.

Die Fantastischen Vier 1992 (picture-alliance/Erwin Elsner)

Jetzt geht's ab! Die Fantastischen Vier 1992

Den vier Jungs, Smudo, Thomas D, Dee Jot Hausmarke und And.Ypsilon, jedoch ging es um anderes, wie sich Michael Bernd Schmidt alias Smudo kürzlich in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" erinnerte: "Hip-Hop fanden wir cool, weil er völlig unbekannt war. Mit Baseballkappe rumzurennen und mit weitem Pulli fanden wir fresh. Aber als Teenies wollten wir natürlich auch auf dem Geschlechtermarkt stattfinden. Mädchen kennenlernen war eine Hauptmotivation, eine Band zu gründen."

Die Sache mit den Mädels

Der erste gemeinsame Auftritt fand 1989 in einem ehemaligen Kindergarten in Stuttgart-Wangen statt. Zwei Jahre später veröffentlichte das Quartett mit "Jetzt geht's ab" seinen ersten Song. Das Album "4 gewinnt" brachte schließlich die ersten Chartserfolge. Zuverlässig lieferte die Band Jahr für Jahr neue Songs, darunter groovige Tracks ("Picknicker", "Troy"), nachdenkliche Nummern ("Sie ist weg"), Atmosphärisches ("Tag am Meer") und Tanzbares ("Populär", "MfG"). 

Der Spitzname Smudo stammt übrigens noch aus Schulzeiten: "Ich war damals nicht groß daran interessiert, wie ich optisch rüberkomme. In meinem Umfeld wurde ich deshalb gehänselt. Mein Nachname Schmidt wurde zu 'Schmuddel'. Sprachliche Erosion formte daraus später meinen Künstlernamen Smudo", erinnert sich der Musiker im Zeit-Interview.

Die Fantastischen Vier wirbeln bei einem Konzert über die Bühne (picture-alliance/Jens Niering)

Nach wie vor in Action: Die Fantastischen Vier 2017 bei einem Konzert in München

Und die Sache mit den Mädchen hat auch geklappt. Heute sind alle vier "Fantas" in langjährigen Beziehungen und Familienväter. Vielleicht etwas weniger Rock'n'Roll und etwas mehr Bausparvertrag, aber schließlich sind die vier in Schwaben aufgewachsen. Schwaben gelten in Deutschland als besonders fleißig, sparsam und bodenständig. Der in Offenbach geborene Smudo lebt seit 1996 in Hamburg - inzwischen mit seiner Ehefrau Esther und drei Töchtern.

Eigenes Label: Four Music

Die Fantastischen Vier wurden schnell von Musikern zu Unternehmern. 1996 gründeten sie ihr eigenes Label "Four Music" und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Die Hip-Hop-Band Freundeskreis landete 1997 mit "A.N.N.A." den ersten Hit für das junge Label, ihr Debütalbum "Die Quadratur des Kreises" blieb monatelang in den Charts. Um die Jahrtausendwende, es war die Zeit, in der Deutschrap populär war wie nie zuvor, war die halbe Hip-Hop-Szene bei Four Music unter Vertrag, darunter Afrob, Blumentopf und Gentlemen. 2007 stiegen die Fantastischen Vier als Gesellschafter zwar aus, das Label mit Sitz in Berlin ist aber bis heute eine feste Größe im deutschen Musikbusiness.

Smudo neben einem Rennauto (picture-alliance/ Breuel_Bild/J. Reetz)

Mit Biosprit: Smudo als Rennfahrer

Neben dem Hip-Hop gilt Smudos Leidenschaft Computern: In seiner Jugend programmierte er selbst Computerspiele, bis heute ist er leidenschaftlicher Videospieler. Die Affinität schlägt auch im Job durch: Am 3. März brachten die Fantastischen Vier eine Augmented-Reality-App namens "Tunnel AR" auf den Markt.

Es war auch der Computer, der "Le Smou" zu einer weiteren Leidenschaft führte: Über Computersimulationen von Formel-1-Rennen entdeckte er den Rennsport für sich. Seit 1999 sitzt Smudo bei echten Rennen am Steuer. Seit Jahren fährt er mit seinem eigenen Team beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring mit. Das Besondere: Es ist das einzige Team, das mit Biodiesel fährt.

Älter werden im Hip Hop

Michi Beck und Smudo (picture alliance / dpa)

Juroren im TV: Michi Beck und Smudo (r.) sitzen seit 2016 in der "Voice of Germany"-Jury

"Ende der Neunziger hätte ich mir nicht vorstellen können, dass ich das mit 50 tatsächlich noch mache", gab Smudo unlängst zu. Nun ist die Zeit gekommen und eine Ende ist nicht in Sicht. "Wir stellen uns immer die Frage, ob wir noch frisch sind, ob es cool ist, was wir machen, oder ob wir uns blamieren zwischen Oldschool und Altherren-Hip-Hop", sagte Smudo in der Zeit. "Die richtigste Antwort, warum wir es noch machen, ist vielleicht: Weil es läuft."

Dazu beigetragen hat wohl wohl auch seine Jurorentätigkeit bei der deutschen Casting-Show "Voice of Germany", die ihn einem jungen Publikum wieder bekannter machte. "Wie man mit Hip-Hop alt wird, können wir nur in den USA beobachten", sinnierte Smudo im Interview. Wirklich? Auch in dieser Sparte werden die Fantas ihren Pionierstatus wieder beweisen können - am 27. April erscheint das zehnte Studioalbum der Band: "Captain Fantastic".

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