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Wirtschaft

Deutscher Exportschlager Spiele

Deutschland ist Weltmeister, wenn es um Brettspiele geht. Aber beim Spielen steht nicht nur der Spaß im Vordergrund. Brettspiele sind hierzulande der Renner, sie werden aber auch zunehmend zum Exportschlager.

Brettspiele wie 'Emil und die Detektive' interessieren nicht nur Kinder. Zwei Jungs posieren mit dem Spielbrett und haben sich wie Emil in dem Buch von Erich Kästner verkleidet (Quelle: AP)

Brettspiele wie 'Emil und die Detektive' interessieren nicht nur Kinder

Mehr als 400 Millionen Euro wird die deutsche Spielebranche 2007 umsetzen – mit Brettspielen und Puzzles allein. Nirgendwo ist der Enthusiasmus für Brettspiele größer als in Deutschland und nirgendwo auf der Welt gibt es dafür einen größeren Markt.

Das hat auch die Konkurrenz mitbekommen: Spieleverleger aus aller Welt sind in Deutschland auf der Suche nach den heißesten Trends und den spannendsten Neuheiten auf dem Markt - denn die kommen traditionell aus Deutschland.

Glück im Spiel alleine reicht nicht

Jay Tummelson ist dafür aus den USA angereist. Sein Spieleverlag Rio Grande Games hat sich darauf spezialisiert deutsche Brettspiele auf den amerikanischen Markt zu bringen. Zwar entwerfen die Amerikaner auch Spiele, aber die fordern die Spieler oft wenig.

Der große Unterschied sei, dass man bei den meisten deutschen Spielen mit- und voraus denken muss. "Die meisten amerikanischen Spiele beruhen nur auf Glück", sagt Tummelson. Bei deutschen Spielen habe man hingegen pro Zug drei oder vier mögliche Aktionen zur Auswahl, bei amerikanischen Spielen gebe es überhaupt keine Wahlmöglichkeiten. "Du würfelst einfach, bewegst deine Figur und je nachdem auf welches Feld du kommst, passiert irgendwas", sagt der Spielemacher.

Nischenmarkt mit Potenzial

Noch ist Tummelsons Kundschaft eine eingefleischte Spielergemeinde. Er bedient einen Nischenmarkt. Aber es ist eine Nische, die breiter wird. Brettspiele im Wert von etwa fünf Millionen US-Dollar hat sein Verlag 2006 an den Spieler gebracht, eine Steigerung von mehr als einem Drittel gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz, den die US-Spielebranche mit Brettspielen und Puzzles im selben Zeitraum erwirtschaftet hat, stieg nur um rund drei Prozent. Tummelson rechnet auch weiterhin mit einem wachsenden Markt.

Aber um Spieler im Ausland von deutschen Spielen zu faszinieren, reicht es nicht, einfach nur die Spielregeln zu übersetzen. Andere Länder, andere Sitten - dieser Spruch gilt offenbar auch für Brettspiele. Jan-Paul Deurloo ist Produktplaner bei 999-Games, einem holländischen Verlag, der deutsche Spiele für die Niederlande adaptiert. Er weiß: "Manchmal hat ein Spiel einfach die falsche Farbe. Farben, die sich in Holland nicht gut verkaufen, sind zum Beispiel schwarz oder grün."

Gemälde statt Spiel

Manchmal komme in Deutschland ein Spiel heraus, da wisse er schon im Voraus, dass sich das so in Holland nicht verkaufen lässt. Eine andere Sache, die man ändern kann, ist die Grafik. "In Deutschland sehen Spiele manchmal aus wie ein Gemälde. Sie sind sehr schön aber sie sprechen unsere Kunden nicht an", sagt Deurloo. "Man kann sagen, Deutschland ist die Heimat der Brett- und Kartenspiele. Die Spiele in Deutschland sind einfach gut durchdacht, haben gute Qualität und ein gutes Design", sagt der Niederländer. Die meisten Spieleautoren kämen aus Deutschland. "Ich glaube, in den Niederlanden spielen die Leute die Spiele lieber, statt sie zu entwerfen."