1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Deutscher Exportschlager: Hausstaub

Staubexperten der Deutschen Montantechnologie DMT produzieren pro Jahr über zwei Tonnen künstlichen Hausstaub zu Testzwecken - und machen auf diese Weise aus Dreck gutes Geld.

Dosen mit genormter Staubmixtur (Foto: DMT)

Geheime Staub-Mixtur - Was genau enthalten ist, weiß man nur bei der DMT

Ob auf dem Parkett oder dem Teppichboden: ein Staubsauger findet täglich neue Nahrung. Hausfrauen wundern sich regelmäßig, was da an Dreck zusammenkommt. Nicht so Helmut Parr. Für den Mitarbeiter der Deutschen Montantechnologie (DMT) birgt der Inhalt eines Staubsaugerbeutels keine Rätsel mehr. Er kennt sich aus bis zum letzten Staubpartikel. "Diese Feinstäube", sagt Parr, "bestehen zum größten Teil aus Quarzstäuben, Gesteinsmehlen und Schwermetallstäuben, die durch den Straßenverkehr und die Industrie verursacht werden."

Mischtrommel macht aus Flusen, Haaren und Fasern eine homogene Mischung (Foto: DMT)

Mischtrommel - Flusen, Haare und Fasern werden homogen miteinander vermischt

Hinzu kämen Haare und Hautschuppen sowie Fasern und Flusen von Kleidungsstücken, ergänzt der Prüfstaub-Verantwortliche bei der DMT in Essen. Nicht zu vergessen Haare von Hausgenossen wie Hunden oder Katzen. Helmut Parr weiß, wovon er spricht. Schließlich produziert er mit rund einem Dutzend Mitarbeitern selbst jede Menge Dreck. Und zwar nicht weniger als zwei Tonnen pro Jahr. Allerdings keinen x-beliebigen Dreck, sondern normierten Hausstaub. Das ist der Stoff, den weltweit alle namhaften Staubsaugerhersteller für die Entwicklung und den Test ihrer Geräte benötigen. Neben deutschen Markenfabrikanten auch Hersteller aus den USA, Australien, Skandinavien, Frankreich, Polen - bis hin nach Japan und Taiwan.

Grundlagenforschung aus dem Bergbau

Helmut Parr, Prüfstaubverantwortlicher bei der Deutschen Montantechnologie (DMT), Essen, beim Herstellen von Normstaub (Foto: DMT)

Helmut Parr, Prüfstaub-Verantwortlicher bei der DMT

Seit 35 Jahren befasst sich Helmut Parr mit Stäuben aller Art. Als mit der deutschen Kohle noch Kohlen zu verdienen waren, stand für die Deutsche Montantechnologie die Gesundheit der Bergleute im Forschungs-Vordergrund. Vor allem, um mit feinsten Filtertechniken der lebensbedrohenden Staublunge vorzubeugen. Mit Beginn der Talfahrt des deutschen Bergbaus sah man sich bei der DMT nach neuen Aufgabenfeldern und damit auch nach neuen Einnahmequellen um.

Auf der anderen Seite suchten vor zehn Jahren Staubsaugerhersteller Experten, die einen Prüfstaub für ihre Entwicklungsabteilungen liefern konnten. Letztlich, erinnert sich Helmut Parr, musste man nicht lange überlegen. "Denn was für den Bergmann unter Tage gut ist, kann für den Menschen über Tage auch nur gut sein. Dazu kommt, dass wir ständig wachsend allergische Erkrankungen vorfinden bei unseren Mitmenschen, die auch hervorgerufen sind durch das Einatmen von belasteten Stäuben."

Staub aus ganz Europa analysiert

Schlitten und Schlauch eines Staubsaugers (Foto: Messe Berlin GmbH)

Nur wenn der Staub im Sauger bleibt, ist Parr mit dem Gerät zufrieden

So kam man ins Geschäft rund um den gemeinen Hausstaub. Doch den musste man erst einmal genau unter die Lupe nehmen. Bekannte und Geschäftsfreunde aus ganz Deutschland bat man, ihre Staubsaugerbeutel nach Essen zur DMT zu schicken. Und um auch auf dem internationalen Markt die Nase vorn zu haben, sammelte man Staubsaugerbeutel aus ganz Europa ein. Am Ende der Analysen stand dann eine geschützte Mixtur, nach der man den weltweit gefragten durchschnittlichen Hausstaub in Mischtrommeln fabriziert.

Das Rezept wird natürlich nicht verraten, aber es sind allerhand Zutaten, die in den Mischtrommeln landen. In einer Reihe von Regalen lagern dutzende von Glasschalen, die so ziemlich alles enthalten, was sich im Hausstaub wiederfindet. Angefangen von gröberen Mineralsanden und Mineralmehlen bis hin zu Rohbaumwolle aus Ägypten.

Hilfe für Allergiker

Gerät zur Herstellung von Normstaub bei der DMT (Foto: DMT)

Obwohl alles gut abgeschirmt ist - bei der DMT muss regelmäßig gesaugt werden

Staub landet in allen Ritzen und lagert sich auf allen Oberflächen ab. Zum Leidwesen von Allergikern bis ins Bett. Also gehören auch Betten zum Aufgabengebiet des Prüfstaub-Verantwortlichen bei der DMT. "Wenn jemand Allergiker oder Asthmatiker ist, hat er natürlich, wenn er nachts schläft, seine Nase in der Bettdecke und atmet die Stäube, die in der Matratze vorhanden sind oder die er selber da reinträgt, ein. Auch die entstehen allein durch Bewegung, durch den Abrieb der einzelnen Bestandteile dieses ganzen Bettes."

Abhilfe versprechen Allergikern sogenannte Matratzen-Schonbezüge, die nur Luft und ausgeschwitzte Körperflüssigkeit durchlassen sollen. Ob diese Schonbezüge den Ansprüchen genügen, auch das prüft die Abteilung Staub bei der DMT. Zuerst wird die Matratze mit einer Staub-Mixtur kontaminiert und darüber der Schutzbezug gezogen. Danach, erläutert Helmut Parr, "wird die Matratze in der ganzen Nacht mit einer rollenden Walze bearbeitet, die den unruhigen Schlaf simuliert". Nur wenn der Schonbezug wirklich das hält, was er verspricht, gibt es für die Hersteller das begehrte Prüf-Zertifikat.

Von der DMT künstlich hergestellter Hausstaub ist ein weltweit gefragter Exportschlager geworden. Die Forschungs-Grundlagen, die aus den Tiefen des deutschen Bergbaus stammen, rentieren sich inzwischen über Tage. Bei der Produktion von Hausstaub geht es zwangsläufig nicht ganz staubfrei zu. Obwohl ständig Absauganlagen laufen, muss am Ende auch in den Laborräumen der DMT gründlich durchgesaugt werden.

Autor: Klaus Deuse
Redaktion: Rolf Wenkel