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Wirtschaft

Deutscher Einfluss bei EADS bleibt gewahrt

DaimlerChrysler verkauft ein Drittel seiner Anteile am Airbus-Mutterkonzern an mehrheitlich deutsche Unternehmen und mehrere Bundesländer. Ein Wiederverkauf ist frühestens 2010 möglich.

A380 Flugzeugmodell vor EADS Logo (Quelle: AP)

Deutsch-französischer Balanceakt bei EADS

Das empfindliche deutsch-französische Gleichgewicht beim Airbus Mutterkonzern EADS bleibt vorerst erhalten: Nach monatelangem Tauziehen hat DaimlerChrysler am Freitag (9.2.2007) 7,5 Prozent seiner EADS-Aktien an ein Konsortium aus privaten Großbanken und mehreren Bundesländern verkauft und erhält dafür 1,5 Milliarden Euro. Der Stuttgarter Konzern als deutscher Vertreter in dem Konzern behält aber die Stimmrechte der Aktien.

Die Bundesregierung begrüßte die Vereinbarung als "ordnungspolitisch und industriepolitisch vernünftig". Die deutsch-französische Balance bleibe damit gewahrt, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Die unter Moderation des Kanzleramts gefundene Lösung stabilisiere die Aktionärsbasis und stärke zugleich die deutsche Position mit Blick auf die anstehenden "schwierigen Verhandlungen" über die anstehende Sanierung bei Airbus.

Öffentliche Seite erhält Anteile

Bundeskanzlerin Angela Merkel habe mit dem französischen Regierungschef Dominique de Villepin telefoniert, sagte der Regierungssprecher weiter. Beide strebten eine "partnerschaftliche Lösung" bei der Airbus-Sanierung an. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee erklärte bei einem Besuch des Bremer Airbus-Werkes, die Beteiligung namhafter Banken und mehrerer Bundesländer an EADS sei ein weiterer Baustein zur Sicherung der deutschen Standorte.

Bei den privaten Investoren des Konsortiums handelt es sich um Allianz, Commerzbank, Deutsche Bank, Credit Suisse, Goldman Sachs sowie einer Gemeinschaft aus Morgan Stanley und Sal. Oppenheim. Sie übernehmen insgesamt 60 Prozent des Aktienpakets. Die übrigen 40 Prozent gehen an die öffentliche Seite: die bundeseigene KfW Bankengruppe mit 13 Prozent sowie die Bundesländer Hamburg, Niedersachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Bremen.

Vor dem Verkauf hatte es Sorgen gegeben, dass der deutsche Einfluss bei dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern schwinden könne. Der Verkauf war in der aktuellen Situation besonders brisant, weil sich Airbus wegen Lieferverzögerungen beim A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, in einer tiefen Krise befindet. In den vergangenen Wochen waren Befürchtungen laut geworden, die Konzernzentrale in Toulouse könnte in Deutschland massiv Stellen abbauen und einige Werke ganz schließen.

Vereinbarung bis 2010

Um das Geschäft über die Bühne zu bringen, hat DaimlerChrysler seinen gesamten EADS-Anteil von 22,5 Prozent in einer Gesellschaft gebündelt, an der sich das Investorenkonsortium über eine eigens zu diesem Zweck gegründete Gesellschaft mit einem Drittel beteiligt. DaimlerChrysler kann die jetzt geschlossene Vereinbarung frühestens am 1. Juli 2010 beenden. Bei einer Auflösung dieser Struktur hat DaimlerChrysler das Recht, den Investoren entweder EADS-Aktien zu liefern oder einen Barausgleich zu bezahlen.

EADS bezeichnete in München den Einstieg des Investorenkreises als reine Finanztransaktion. DaimlerChrysler bleibe unverändert deutscher EADS-Hauptaktionär, sagte ein EADS-Sprecher. Auch seien die Regeln im EADS-Aktionärspakt unberührt. In Stuttgart hieß es, "mit der Transaktionsstruktur unterstreicht DaimlerChrysler als industrieller Partner und deutscher Hauptaktionär der Gesellschaft seine Verbundenheit zu EADS". Die Transaktion werde im ersten Quartal 2007 abgewickelt. (rri)

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