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Wirtschaft

Deutscher Auto-Boom dank China

Die deutsche Automobilindustrie fährt schneller aus der Krise als erwartet. Vor allem die Exporte haben im ersten Halbjahr zugelegt. Die Auslastung steigt, und Kurzarbeit ist kein Thema mehr.

Autoproduktion bei DaimlerChrysler in Bremen (Foto: AP)

In den Fabriken wird die Taktzahl wieder erhöht

VDA-Präsident Matthias Wissmann (Foto: dpa)

VDA-Präsident Matthias Wissmann: "Wachstumsträger ist Asien"

Die asiatischen Märkte helfen der deutschen Automobilbranche auf die Sprünge. Mit ihrer Hilfe erreichten die deutschen Pkw-Exporte im ersten Halbjahr 2010 insgesamt einen Zuwachs von 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, sagte der Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, am Freitag (02.07.2010) in Berlin. "So hat der chinesische Pkw-Markt in den ersten fünf Monaten um mehr als die Hälfte zugelegt. In Indien ist das Pkw-Geschäft um fast ein Drittel gestiegen, Japan weist ein Plus von rund einem Viertel auf", sagte Wissmann.

Für das Gesamtjahr erwartet der VDA eine Steigerung der Pkw-Ausfuhren um mindestens ein Fünftel auf mehr als 4,15 Millionen Fahrzeuge. Die Pkw-Inlandsproduktion erhöhte sich im ersten Halbjahr um 23 Prozent. Fürs Gesamtjahr rechnet der Verband hier mit einem Plus von mindestens zehn Prozent. Die Neuzulassungen bei PKW gingen in Deutschland um 29 Prozent auf 1,47 Millionen Stück zurück, sie hatten 2009 wegen der Abwrackprämie aber auch stark zugelegt. Der VDA präzisierte seine Prognose für das Gesamtjahr bei den Neuzulassungen auf 2,8 bis 2,9 Millionen Stück.

Kurzarbeit kein Thema mehr

Autoproduktion bei VW (Foto: AP)

Die Auslastung in den deutschen Werken steigt

Auch bei der Beschäftigung sind die positiven Impulse zu spüren: Die Kurzarbeit ist im Pkw-Bereich inzwischen fast vollständig verschwunden. Die Auslastung steigt. Der VDA-Präsident unterstrich zwar, dass die deutsche Automobilindustrie im vergangenen Jahr deutliche Rückgänge bei Umsatz und Ertrag hinnehmen musste, die noch längst nicht wieder aufgeholt seien. Er sieht die Branche aber auf einem guten Weg.

Der überraschend schnelle Aufschwung sorgt indessen nach Informationen der Branchen- und Wirtschaftszeitung "Automobilwoche" für Zündstoff in der deutschen Autoindustrie. Während große Hersteller und Zulieferer das alte Renditeniveau wieder ins Visier nähmen und die auslaufende Krise zur Rationalisierung nutzten, fühlten sich die Arbeitnehmer zunehmend hintergangen. "Wir müssen wieder stärker auf Konfrontationskurs gehen", forderte Frank Iwer, Tarifsekretär der IG Metall im Bezirk Baden-Württemberg in der Zeitung. Nach Informationen des Blattes will die Gewerkschaft bis Herbst ein Konzept dazu ausarbeiten.

Gewerkschaften auf Konfrontationskurs?

Die Logos der Automarken BMW, Mercedes-Benz und Audi vor den Flaggen der USA und Chinas (Grafik: DW/Peter Steinmetz)

Deutsche Automarken sind im Ausland wieder stark gefragt

Es könne von der Belegschaft keine dauerhafte Subventionierung der Unternehmen geben, so Iwer. "Wenn der steile Aufschwung so weitergeht, müssen wir im tarifpolitischen Bereich über Nachforderungen nachdenken." Weil die Branche vom unverhofften Boom überrascht worden sei, müssten die Betriebe nun von der Kurzarbeit oft zur Volllast übergehen. Dabei kommt es der IG Metall zufolge zu großen Verwerfungen: Während in vielen Betrieben noch immer massiv Stellen abgebaut würden, müssten andere im Unternehmen Überstunden schieben. Viele Hersteller beschäftigten im Sommer sogar Ferienarbeiter, um die Auftragsflut zu bewältigen. Ganze Zusatzschichten würden mit Leiharbeitern besetzt.

Autor: Rolf Wenkel (dpa, rtr, ots)
Redaktion: Insa Wrede

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