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Afrika

Deutscher Ausbilder in Nigeria entführt

Im Nordosten Nigerias haben Bewaffnete einen Deutschen entführt. Er leitete im Ort Gombi ein Berufsbildungszentrum und wurde nach DW-Informationen von unbekannten Vermummten auf Motorrädern verschleppt.

In einem Telefoninterview hat ein Augenzeuge aus der Stadt Gombi im nordnigerianischen Bundesstaat Adamawa die Entführung eines Deutschen gegenüber der DW bestätigt. Vier Männer hätten dem Deutschen am Mittwoch (16.07.2014) gegen 7 Uhr morgens aufgelauert, der ein Berufsbildungszentrum in Gombi leitet. "Es sah aus, als würden sie ihn um etwas bitten. Dann kurbelte er das Fenster runter, um ihnen zuzuhören", sagte Samuel Gajere Zamani, der Stellvertreter des Deutschen in dem Bildungszentrum. "Er sagte etwas auf Deutsch zu ihnen, denn er versteht kein Haussa." Dann hätten die Entführer Masken aufgesetzt und ihre Waffen herausgeholt. "Es waren zwei und zwei andere kamen mit Motorrädern. Er sollte sich dann zwischen zwei von ihnen auf das eine Motorrad setzen", beschreibt Zamani die Entführung. "Alle hatten Waffen in ihren Händen."

Verfolger getötet

Mitglieder einer Bürgerwehr hätten die Kidnapper unmittelbar im Anschluss verfolgt, berichtet ein Korrespondent des Haussa-Programms der Deutschen Welle. Zwei von ihnen seien dabei getötet worden. Die anderen seien mit den beiden Leichen zurückgekehrt, erklärte der DW-Korrespondent.

Eine Sprecherin des Auswärtige Amts in Berlin sagte gegenüber der Deutschen Welle, die Entführung sei ihnen bekannt. Wie auch bei anderen Entführungen könne die Behörde allerdings keine weiteren Informationen veröffentlichen.

Mehrere Deutsche arbeiten im Bundesstaat Adamawa

Der deutsche Lehrer arbeitet für das "Technical Training Center" (TTC), eine Ausbildungsinitiative der Regierung des Bundesstaates Adamawa gegen die massive Jugendarbeitslosigkeit. Mit deren Hilfe werden jährlich hunderte Jugendliche an mehreren Schulen im Bundesstaat in handwerklichen Berufen ausgebildet, beispielsweise als Tischler und Automechaniker. Die Ausbildungszentren bezahlen ihre Schüler sogar bei regelmäßiger Anwesenheit, eine absolute Ausnahme in dieser Region. Tausende Bewerber gibt es deshalb jedes Jahr für die Ausbildungsplätze. Mehrere deutsche Lehrer wurden als Schulleiter engagiert. "Der frühere Gouverneur Murtala Nyako ist sehr Deutschland-freundlich", begründet Muntaqa Ahiwa die Beschäftigung von deutschen Lehrern. Der Journalist berichtete bis vor wenigen Wochen für das Haussa-Programm der DW aus Adamawa. Mittlerweile arbeitet er im Bonner Funkhaus. "Der Gouverneur Nyako reist häufig nach Deutschland, für medizinische Behandlungen, aber auch in den Urlaub. Darum hat er eine sehr enge Verbindung zum Land", weiß Ahiwa. Die meisten Deutschen im Bundesstaat sollen nach DW-Informationen jetzt vorübergehend ausgeflogen werden.

Murtala Nyako

Ex-Gouverneur Murtala Nyako

Politische Unruhen in Nord-Ost Nigeria

Murtala Nyako wurde erst am Dienstag (15.07.2014) wegen Korruptionsvorwürfen als Gouverneur Adamawas abgesetzt. Er war vor einigen Monaten von der Regierungspartei PDP zur Oppositionspartei APC gewechselt. Im Februar 2015 wird in Nigeria gewählt. Hinter der Entführung einen Tag nach der Absetzung vermuten viele Nigerianer nun politische Ränkespiele, um weiter Unruhe in die Region zu bringen, meint Muntaqa Ahiwa. "Entführungen waren vorher in Adamawa noch nie ein Problem", meint der Journalist.

Allerdings könnte auch Boko Haram hinter der Entführung stecken, so Ahiwa. In dem Bundestaat Adamawa herrscht seit über einem Jahr der Ausnahmezustand, im

Nachbarstaat Borno

ist die islamistische Gruppe Boko Haram jedoch wesentlich aktiver. Gombi, der Ort an dem der deutsche Schulleiter entführt wurde, ist nur wenige Kilometer von Chibok in Borno entfernt. Von dort verschleppte die Terrorgruppe im April fast 300 Schülerinnen.

Offiziell ist zu den Hintergründen der Entführung noch nichts bekannt. Häufig werden in der Region auch kriminelle Übergriffe einfach der Terrorgruppe Boko Haram zugeschrieben. Ein Regierungssprecher in Adamawa sagte gegenüber der DW, die Polizei habe bereits Ermittler nach Gombi geschickt.

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