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Deutschland

Deutschen Unternehmen droht Vergreisung

Neben dem Fachkräftemangel befürchten die Firmen, dass ihre Belegschaften überaltern und Know-how aus den Betrieben verschwindet. Mehr Weiterbildung sowie verbesserte Rahmenbedingungen durch die Politik fordert der DIHK.

Arbeiter an einem Koks-Ofen (Foto: dpa)

Auf ältere Mitarbeiter kann nicht verzichtet werden

"Der demografische Wandel wird zu einer immer größeren Herausforderung für die Unternehmen in Deutschland." Zu dieser Erkenntnis kommt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans Heinrich Driftmann am Donnerstag (30.12.2010) nach einer Umfrage unter mehr als 28.000 Unternehmen. Er beschere den Betrieben einen Fachkräftemangel, der schon im kommenden Jahr deutlich spürbar werde. Mehr als jedes vierte Unternehmen betrachte den Mangel an qualifizierten Mitarbeitern als "eines der größten Risiken" für 2011.

Der Kampf gegen den drohenden Fachkräftemangel hat schon in den letzten Monaten für erhebliche Differenzen in Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften gesorgt. Dabei wird diskutiert, inwieweit der Zuzug von Kräften aus dem Ausland das Problem abfedern kann und in welchem Maße dieser Zuzug erleichtert werden soll. Derzeit müssen Fachkräfte, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, ein Einkommen von mindestens 66.000 Euro im Jahr nachweisen. Driftmann fordert, diese Grenze auf 40.000 abzusenken.

Nur jeder fünfte Mitarbeiter unter 30

Schweißer bei der Arbeit (Foto: dpa)

Geschweißt wird immer noch, dennoch gibt es auch hier Weiterbildungsbedarf

Doch weiteres Ungemach droht durch Überalterung der Belegschaften. Jedes dritte Unternehmen sieht sich laut der DIHK-Umfrage davon betroffen, in Industrie und Bau sind es sogar 40 Prozent. Derzeit liege der Anteil der unter 30-jährigen bei den Mitarbeitern um 20 Prozent, in zehn Jahren rechnet der DIHK nur noch mit 18 Prozent. Gleichzeitig steige die Quote der 50- bis 65-jährigen von 31 auf 40 Prozent.

Noch bleibt immerhin mit den älteren Beschäftigten ein gewisser Wissensstand in den Betrieben, doch befürchten die Unternehmen einen schlagartigen Verlust an Know-how, wenn diese Mitarbeiter in Rente gehen. Gleichzeitig mahnte Driftmann, "die Unternehmen müssen künftig die Potentiale Älterer noch stärker nutzen." Sie könnten dazu mit Maßnahmen wie intelligenter Arbeitsorganisation, betrieblicher Gesundheitsförderung und der Weiterbildung Älterer einen wichtigen Beitrag leisten.

Das sehen die Unternehmen offensichtlich ähnlich: Etwa ein Viertel der Befragten rechnet demnach bereits mit einem steigenden Weiterbildungsbedarf. Allerdings stellt der DIHK fest, dass die Beteiligung Älterer derzeit an solchen Maßnahmen geringer ausfällt als in anderen Altersgruppen.

Flexiblerer Kündigungsschutz gefordert

Doch nicht nur die Unternehmen müssen sich auf die veränderten Bedingungen durch den demografischen Wandel einstellen, auch die Politik müsse sich bewegen. Fast jedes zweite Unternehmen wünscht sich laut Umfrage einen flexibleren Kündigungsschutz, um die Einstellung Älterer zu erleichtern.

Hans Heinrich Driftmann (Foto: DW-TV)

DIHK-Chef Driftmann sieht auch die Politik in der Pflicht

In vielen Betrieben gilt die Regel: Je länger im Betrieb, desto länger auch die Kündigungsfrist. Das bedeutet: Soll ein älterer Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt werden, werden nicht nur soziale Kriterien berücksichtigt, sondern auch wie alt der Mitarbeiter ist und wie lange er schon dem Betrieb angehört. Ein Faktum, das manchen Unternehmer zögern lässt, ältere Mitarbeiter einzustellen.

Gehaltssysteme auf dem Prüfstand

Ebenfalls kritisch sieht Driftmann das Prinzip der "Senioritätsentlohnung", also die leistungsunabhängige Lohnerhöhung mit steigendem Alter. Dies sei kontraproduktiv, es solle "künftig durchweg leistungsbezogene Gehaltssysteme geben", so der DIHK-Präsident.

Autorin: Sabine Faber (afp, rtr, dpa, kna)

Redaktion: Eleonore Uhlich

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