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Sport

Deutschen Dopingjägern fehlen Millionen

Immer wieder werden Sportler entlarvt, die mit unerlaubten Mitteln Titel und Medaillen gewinnen. Ihnen auf der Spur ist die NADA. Dafür benötigt die Stiftung Geld, das sie nur teilweise hat. Betrüger wird es freuen.

Seit einigen Wochen ist es amtlich: Jan Ullrich, der erste und einzige deutsche Tour-de-France-Sieger, wurde vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) Anfang Februar offiziell zum Doping-Sünder erklärt. Noch vor wenigen Jahren hätte diese Nachricht tagelang für Schlagzeilen und aufgeregte Debatten gesorgt. Doch der tiefe Fall des 2007 zurückgetretenen Radfahrers regt schon lange niemanden mehr ernsthaft auf.

Das Stiftungskapital reicht vorn und hinten nicht

Jan Ullrich mit skpetischem Gesichtausdruck am Tag seines Rücktritts im Februar 2007. (AP Photo/Oliver Fantitsch)

Jan Ullrich am Tag seines Rücktritts

Dabei wäre es naiv, an einen Triumph des sauberen Sports zu glauben. Größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass manche mit Pillen und Spritzen manipulierende Sportler unentdeckt bleiben, weil die Dopingfahnder die jeweils neuste Methode zur unerlaubten Leistungssteigerung noch nicht kennen. Ihnen auf die Schliche zu kommen, ist die Aufgabe der 2002 in Bonn gegründeten Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA). Als privatrechtliche Stiftung mit einem Kapitalstock von 13 Millionen Euro ausgestattet, schien die NADA finanziell gut gerüstet zu sein. Doch davon kann zehn Jahre später keine Rede mehr sein.

Die Bundesländer geben kaum etwas

Die Gründe sind vielfältig. Das am Finanzmarkt angelegte Geld wirft nicht die erhofften Gewinne ab. Und die anderen Quellen? Die 16 Bundesländer zahlen gerade einmal 14.000 Euro. Aber sie verweisen gerne auf den Bund, wenn es um den dopinganfälligen Spitzensport geht. Der fachlich zuständige  Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich wünscht sich eine aus seiner Sicht gerechtere Lastenverteilung. Mit 2,2 Millionen Euro steuert sein Haus rund ein Drittel des aktuellen Jahresetats der NADA bei.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (l.) im Gespräch mit Teilnehmern des runden Tisches zur Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA). Ganz rechts die NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann. Foto: Wolfgang Kumm dpa/lbn

Hans-Peter Friedrich beim NADA Runden Tisch

Ein Runder Tisch, zu dem Friedrich jetzt Experten aus Politik, Sport und Wirtschaft geladen hatte, brachte keine Fortschritte. Enttäuscht reagierte darauf vor allem die Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Dagmar Freitag. Sie bedaure, dass es "keine konkreten Zusagen" gegeben habe. Angesprochen fühlen dürfen sich neben den knauserigen Bundesländern die Unternehmen der deutschen Wirtschaft. Deren Anteil an der NADA-Finanzierung beläuft sich auf sehr bescheidene 300.000 Euro. Das meiste stammt von einem großen Sportartikel-Hersteller. 

Beim Sponsoring ist die Wirtschaft großzügig

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper Foto: Mario Vedder (dapd)

Michael Vesper vom DOSB

Dass die deutsche Wirtschaft ihre Zurückhaltung schnellstmöglich aufgibt, hofft der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Michael Vesper, ebenso wie die NADA-Vorsitzende und ehemalige Basketball-Nationalspielerin Andrea Gotzmann. Mit Hilfe eines professionellen Spendensammlers sollen neue Unterstützer aus der Wirtschaft gewonnen werden. Dass vielen Unternehmen der Sport am Herzen liegt, lassen die Milliarden-Summen vermuten, die jährlich ins image- und werbeträchtige Sponsoring von Athleten, Vereinen und Veranstaltungen fließen.

Vesper: "Kompetenz-Zentrum im Anti-Doping-Kampf"

Beim Anti-Doping-Kampf indes ist die Hemmschwelle offenkundig sehr hoch. Wenn sich an dieser Einstellung in der Wirtschaft und Teilen der Politik nichts ändert, könnte es bald vorbei sein mit dem international guten Ruf der NADA. Sie sei das "Kompetenz-Zentrum im Anti-Doping-Kampf", lobt DOSB-Generaldirektor Vesper. Der Sport lässt sich sein Engagement für einen sauberen Sport jährlich zwei Millionen Euro kosten. Damit ist er nach der Bundesregierung wichtigster Unterstützer der NADA. Unter dem Strich aber reicht das Geld trotzdem nicht.

Autor: Marcel Fürstenau
Redaktion: Heiner Kiesel         

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