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Bücher

"Deutsche wissen zu wenig über China"

Während der Buchmesse in Frankfurt wurde viel über China diskutiert und darüber, ob es nun gut war, China einzuladen oder nicht. Doch was denken eigentlich Chinesen über Deutsche? Ein Buch gibt Antworten.

Langnasen-Cover (Foto: Verlag)

Eigentlich mögen sie uns ganz gern. Sie schätzen die deutsche Disziplin und Pünktlichkeit, mögen unsere Naturverbundenheit und wundern sich, dass wir uns weigern, joggen zu gehen, wenn wir keine Sportsachen dabei haben. So kann man es nachlesen in dem Buch "Die Langnasen". Doch das Verhältnis zu den Deutschen habe sich in den letzen zwei Jahren gewandelt, sagen die Autoren.

China muss seinen eigenen Weg gehen

Mehrere Monate haben Yu-Chien Kuan und Petra Häring-Kuan Chinesen in Deutschland und in China befragt, wie sie die Deutschen sehen. Vom Taxifahrer bis zum Fußmasseur, vom ehemaligen Diplomaten bis zum Wissenschaftler. Auslöser waren die Olympischen Spiele in Peking im Sommer letzten Jahres - die Berichterstattung über China war den Kuans schlichtweg zu einseitig. Viele Chinesen empfänden die Deutschen "ein bisschen rechthaberisch", sagt Petra Häring-Kuan. Sie würden stets kritisieren und nur selten Anerkennung zeigen.

Petra Häring-Kuan und Yu-Chien Kuan (Foto: Petra Lambeck)

Petra Häring-Kuan und Yu-Chien Kuan auf der Buchmesse

Genau das war auch Thema dieses Jahr auf der Buchmesse. Die Zeitungen sind voll mit Meinungen und Kommentaren zum Gastland China. Viele Chinesen - so kann man es in dem Buch nachlesen - beklagen in Deutschland eine Art Schubladendenken: China - Menschenrechte - Tibet. Dabei werde übersehen, dass in China vieles bereits erreicht wurde, meint auch Yu-Chien Kuan. "Viele europäische Medien sagen immer nur: schnell, schnell, schnell. Demokratie, Demokratie, Demokratie." China aber müsse seinen eigenen Weg gehen, in seinem eigenen Tempo.

Die meisten kennen China nicht

Yu-Chien Kuan hat China Ende der 1960er Jahre verlassen, er ist geflohen vor der Kulturrevolution. Heute lebt er zusammen mit seiner Frau in Hamburg und in Schanghai, die eine Hälfte des Jahres hier, die andere dort. Petra Häring-Kuan spricht inzwischen fließend chinesisch und bekommt dadurch auch mit, was und wie in China diskutiert wird. Innerhalb der Gesellschaft sei man sehr kritisch, sagt sie, kritischer als die meisten in Deutschland glauben. "Wenn man sich hier die Medien anguckt, dann denkt man ja, in China wird jede öffentlich Meinung unterdrückt. Das ist nicht so."

Kurzum: die Deutschen wissen zu wenig über China - so lautet denn auch eines der Kapitel in "Die Langnasen". Es ist ein informatives, aber auch unterhaltsames Buch, in dem man als deutscher Leser nicht nur etwas über die Chinesen, sondern auch über sich selbst lernt. Zum Beispiel, dass man in Deutschland in der Regel nicht nach Privatem fragt. In China sei das anders, dort seien Fragen zur Familiensituation und zum Gehalt üblich, sagt Yu-Chien Kuan. Manchmal störe ihn das auch, fügt er hinzu, in dieser Hinsicht sei er "wirklich sehr deutsch geworden".

Yu-Chine Kuan und Petra Häring-Kuan: Die Langnasen. Was die Chinesen über uns Deutsche denken, Fischer Taschenbuch Verlag 2009, 316 Seiten, 8,95 Euro.

Autorin: Petra Lambeck

Redaktion: Dirk Eckert

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