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Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft sieht bedeutende Rolle für den Euro in Mittel-und Osteuropa

Von den Handelsverflechtungen mit mittel-und osteuropäischen Ländern erhofft man sich eine Stabilisierung der neuen Währung.

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Werden zukünftig mehr Importe und Exporte in Euro statt in Dollar abgerechnet?

"Benign neglect" nennen es die Amerikaner. Mit einem "wohlwohlenden Nichtbeachten" reagieren sie auf den Wechselkurs des US-Dollars. Ein steigender oder sinkender Außenwert des Dollars kümmert die meisten Amerikaner nicht. In der Tat haben sie allen Anlass, gelassen zu bleiben. Die meisten Im- und Exporte werden in Dollar abgerechnet. Das sorgt für eine gewisse Planungssicherheit.

Anders dagegen die Europäer. Sie verfolgen nervös jede Bewegung des Euro-Kurses. Zwar nützt der schwache Euro den Exporteuren, auf viel Gegenliebe stößt der niedrige Außenwert aber nicht. Reinhard Kudiß, Volkswirt des Bundesverbandes der Deutschen Industrie BDI: "Natürlich profitiert zur Zeit die deutsche Wirtschaft, die deutsche Industrie vom schwachen Euro. Aber man sollte nicht zu früh Hurra! rufen. Auf der anderen Seite muss man die Verteuerung der Importe sehen, die der deutschen Wirtschaft schon zugesetzt hat."

Würden Importe wie Öl, Gas oder Eisenerze zukünftig in Euro statt in Dollar abgerechnet, sähe dies anders aus. Doch die gemeinsame europäische Währung hat sich im internationalen Handel bisher nicht durchsetzen können. Das könnte sich zumindest teilweise ändern, meint Fabian Wehnert von der Abteilung Europapolitik des BDI: "Die Euro-Fakturierung hängt sicherlich auch von den Gütern ab. Rohstoffe werden im wesentlichen doch noch in Dollar fakturiert. Insofern wird der Dollar gerade für Russland wesentlich bleiben. Aber für Polen, Tschechien oder Ungarn, die sehr stark verflochten mit der westeuropäischen oder auch mit der weltweiten Wirtschaft sind, ist schon davon auszugehen, dass der Euro eine ganz große Rolle spielen wird."

Für Reinhard Kudiß wäre eine größere Rolle des Euro die logische Konsequenz aus der zunehmenden Integration der Volkswirtschaften: "Die Handelsverflechtungen mit Deutschland sind sehr groß und wachsen weiter, insbesondere auch die Handelsverflechtungen und die Kapitalverflechtungen mit dem europäischen Raum insgesamt. Da bietet sich das an, dass man eine einheitliche Währung nutzt, die keinen Währungsrisiken unterliegt."

Das will auch die Europäische Kommission im Handel mit Russland erreichen. Russisches Öl und Gas soll zukünftig in Euro statt in Dollar bezahlt werden. Darüber werde die EU mit der russischen Regierung verhandeln, sagt Oliver Wieck, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft: "Davon verspricht sich die Europäische Kommission sicherlich eine weitere Stabilisierung des Euros. Und zum anderen erhofft man sich natürlich auch, dass die russische Seite an weiterer Stabilität interessiert ist. Die profitiert im Moment von den hohen Energiepreisen, und das tut auch dem russischen Haushalt gut. Aber wir wissen, wie das mit Energiepreisen ist: Sie sind einmal hoch, einmal niedrig. Aber wenn ich das auf Euro-Basis stelle, dann habe ich natürlich eine größere Stabilität."

Sollten die Energieimporte aus Russland tatsächlich in Euro abgerechnet werden, hätte dies für Oliver Wieck Signalwirkung. Andere Länder würden dem russischen Beispiel folgen und ihren Außenhandel auf Euro umstellen.

Einen weiteren Schub für den Euro erwartet der BDI durch die Osterweiterung der EU. Die neu aufgenommen Staaten würden früher oder später ihre nationalen Währungen gegen den Euro tauschen. Bis Länder wie Polen, Tschechien oder Ungarn Mitglied der Eurozone sind, kann es aber noch etwas dauern, sagt Fabian Wehnert: "Das wird erst dann passieren: Erstens, wenn die Beitrittsverhandlungen beendet sind. Damit ist frühestens 2004 zu rechnen. Zweitens müssen auch die Maastricht-Kriterien erfüllt werden. Das heißt, mindestens noch einmal plus drei Jahre drauf, so dass wir frühestens gegen 2010 damit zu rechnen haben, dass der Euro als Buch- und Bargeld auch dort eingeführt wird."

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