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Deutschland

Deutsche Wertarbeit aus China

Die Konjunktur zieht wieder an! Deutsche Unternehmen investieren wieder. Das lässt die Steuereinnahmen steigen und die Arbeitslosenzahlen sinken. Allerdings fließt ein großer Teil der Investitionen ins Ausland.

Magnetschwebebahn Transrapid bei Shanghai (Foto: dpa)

Erfolgreich in China: Der deutsche Transrapid

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?! Diese alte Binsenweisheit hat zwar nach wie vor in vielen Lebenslagen Gültigkeit, nicht aber bei der Deutschen Unternehmerschaft. Laut einer neuen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, DIHK, planen 44 Prozent aller Unternehmen noch im Laufe diesen Jahres, Geld im Ausland zu investieren. Das ist ein stolzes Wachstum von vier Prozent.

Interessant für kleinere Unternehmen

Und was noch mehr verwundert, es sind nicht nur die Großen, sondern vor allem kleine und mittelständische Unternehmen mit höchstens 500 Beschäftigten, die ihr Geld ins Ausland transferieren. Warum tun sie das? Andreas Mühlberg, Geschäftsführer des Außenhandelsverbandes NRW (AHV), hat dazu seine ganz eigene Theorie: "Viele Marktsegmente sind in Deutschland mittlerweile gesättigt und deshalb suchen viele Unternehmen den Weg ins Ausland." In zunehmendem Maße beschränken sie sich dabei aber nicht mehr nur auf den europäischen Markt, sondern strecken ihre Fühler bis tief in den asiatischen Wirtschaftsraum aus. Und das, obwohl EU-Mitgliedsstaaten nach wie vor auf Platz eins der Hitliste stehen.

Logo AHK (Außenhandelskammer)

Die Außenhandelskammer koordiniert deutsche Unternehmen im Ausland.

Gelobtes Land China

Ganz besonders China übt auf deutsche Unternehmen einen wachsenden Reiz aus. Doch hier ist Vorsicht geboten, warnen Experten. Investitionen im fernen Ausland wollen gut vorbereitet werden. Nur Geld in die Hand zu nehmen und auf den großen Profit zu hoffen, reicht nicht. Wer diesen Weg geht, wird Schiffbruch erleiden, warnt Andreas Mühlberg: "Der Erfolg eines Auslandsengagements steht und fällt mit der Wahl des richtigen Partners vor Ort! "

Ohne Unterstützung vor Ort geht es nicht

Man braucht also zwingend jemanden, der mit dem Geschäftsgebaren im Investitionsland ebenso vertraut ist wie mit der dortigen Kultur. Das gilt besonders für Länder wie China oder auch Indien, wo Gefühle wie Stolz oder Gesichtsverlust eine viel größere Bedeutung haben als hierzulande.

Turbine in der Werkshalle (Foto: ap)

Siemens produziert Turbinen auch in Brasilien und Indien.

Viele Firmen setzen deshalb auf die Erfahrungswerte anderer Unternehmen und schließen sich einer Interessensgemeinschaft wie dem Außenhandelsverband NRW an. Hier findet sich eine Vielzahl von Gleichgesinnten, die einem im Problemfall mit Rat und Tat zur Seite stehen oder zumindest jemanden kennen, der das leisten kann. Übrigens bedient sich auch die Politik in zunehmendem Maße dieser sogenannten Netzwerke. Und dennoch gelingt nicht jeder Schritt ins Ausland, weshalb Experten immer zu einem Plan B raten. Und er lautet: Nicht alles auf eine Karte setzen!

Boomland Türkei

Besonders gute Karten im Werben um deutsche Firmen hat übrigens die Türkei, weil sie bei einem aktuellen Wirtschaftswachstum von sieben Prozent mit einem sehr attraktiven Markt lockt, wie Bülent Arslan, Leiter der Interkulturellen Unternehmensberatung Imap, erklärt: "Die Türkei befindet sich in einem starken Aufschwung. Die Zahl der Unternehmen hat sich innerhalb von 15 Jahren verdoppelt." Zur Zeit, schätzt Arslan, sind annähernd 4000 deutsche Unternehmen in der Türkei. Dieser Trend ist seit etwa zehn Jahren deutlich zu erkennen, und was noch bemerkenswerter ist: Er erstreckt sich auch auf Saudi Arabien und sogar den Iran. Denn eine wachsende Zahl deutscher Firmen nutzt die Türkei als Sprungbrett in die gesamte Region.

Der gute Ruf ebnet den Weg ins Ausland

Die gute alte Wertarbeit der Marke "Made in Germany", gepaart mit den typisch deutschen Tugenden wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, verfehlt augenscheinlich auch heute noch in fernen Ländern ihre Wirkung nicht. Es sind Vorschusslorbeeren, die vielen deutschen Unternehmen den Weg ins Ausland sicherlich erleichtert haben. Aber eine Garantie für Erfolg sind sie keineswegs. Nur wer sich darüber hinaus mit den Wünschen, Bedürfnissen und regionalen Befindlichkeiten seiner Geschäftspartner auseinandersetzt, wird Erfolg haben. Dafür ist allerdings auch ein Anziehen der Konjunktur erforderlich, wovon Andreas Mühlberger aber fest überzeugt ist: "Mittelfristig wird es wieder nach oben gehen und wir rechnen damit, dass wir in drei bis vier Jahren wieder auf das Vorkrisenniveau zurück gekehrt sind."

Autor: Frank Gazon
Redaktion: Silke Wünsch