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Kultur

Deutsche Welle fürs Handy

Mit MCAST beteiligt sich die Deutsche Welle an einem technologischen Zukunftsprojekt. Wenn alles nach Plan läuft, gehört der Sender damit bald zu den Multimedia-Pionieren.

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Fernsehen auf dem Mobiltelefon - und das preiswert

Wilfried Runde hat eine Nachricht auf sein Handy bekommen. Ein Klick auf "News Update" und auf dem Display vom Format einer Streichholzschachtel erscheint ein Clip aus euromaxx, der Lifestylesendung des Deutsche-Welle-Fernsehens (DW-TV): Neuigkeiten über die britische Königsfamilie. Aus dem Handy erschallt die Reporterstimme. Nach anderthalb Minuten ist der Clip vorbei.

"Wir haben eine Plattform geschaffen, mit der die Leute bequem Medieninhalte konsumieren können", sagt Runde. Der Internet-Spezialist organisiert für die Deutsche Welle (DW) das so genannte MCAST-Projekt. Das Kürzel steht für "Multicasting" - auf deutsch Mehrfachsenden. Mit dem Pilotprojekt bekommen Handynutzer ein komplettes Nachrichtenpaket der Deutschen Welle auf ihr Multimedia-Handy geschickt. Regelmäßig drei Nachrichtenfilme und die wichtigsten Meldungen von DW-WORLD, dem Internet-Angebot der DW, - und das drei Mal am Tag.

Einfach und effizient

MCAST wird von der Europäischen Union (EU) gefördert. "Mit dem Projekt soll eine besondere Technologie getestet werden", sagt Runde, "nämlich das Multicasting für Mobilfunk." Hinter der neuen Technologie steckt eine ebenso einfache wie effiziente Idee. Ein Mobilfunkanbieter - im Falle von MCAST die Mobilfunkriesen Orange und Vodafone - stellt ein Informationspaket für interessierte Abonnenten zusammen. Bei MCAST ist das ein Paket mit Nachrichtenmaterial von DW-WORLD und DW-TV, dazu aber auch noch Filmtrailer und Musikclips von privaten Anbietern. Um das gesamte Material zu übermitteln, muss der Anbieter nun aber nicht mehr jedem Abonnenten einzeln das Paket zuschicken. Orange benötigt nur noch eine Leitung. Darüber werden die Inhalte in ein bestimmtes Gebiet geschickt und dort automatisch auf alle Abonnenten verteilt. 70 bis 90 Prozent der Kosten ließen sich so einsparen, sagt Runde.

"Nehmen wir einmal den Fall, dass der Service an 100 Personen geschickt werden soll. Dann müsste im Normalfall für jeden Abonnenten für die Übertragung des Paketes ein Euro gezahlt werden, macht insgesamt 100 Euro", erklärt Runde das Prinzip. "Mit der neuen Technik muss jetzt nur noch eine Leitung gebucht werden, für die dann der Anbieter höchstens 30 Euro zahlen müsste." Auch für die Abonnenten hat die neue Technologie damit Vorteile. Mit der Komprimierung auf einen Datenstrang kann der Service viel günstiger bereitgestellt werden. "Die Abonnenten bekommen neue Informationen drei Mal täglich auf ihr Handy und müssen dafür im Monat gerade einmal um die fünf Euro zahlen", freut sich Runde. Entsprechend sieht auch die Deutsche Welle ein enormes Zukunftspotenzial für die neue Technologie.

Deutsche Welle als Pionier

Begonnen hat das MCAST-Projekt schon im Januar 2003. Auf Initiative eines israelischen Start-Up-Unternehmens fand sich die EU als Sponsor. "Wir wurden ins Boot geholt", erinnert sich Runde, "weil wir mit unserem mehrsprachigen Angebot für sehr viele Menschen interessant sind." Momentan wird die Technik und der Nachrichtenservice mit 100 Testpersonen in Israel erprobt. Ab Juni soll ein weiterer Test in Athen folgen. Dort hat sich der Mobilfunkanbieter Vodafone als Partner gefunden. "Die EU unterstützt damit eine Zukunftstechnologie, die einfach eine Marktchance braucht", sagt Runde. Nutznießer von dem Projekt ist in jedem Fall die Deutsche Welle. "Das ist ein großer Testballon, den wir losschicken. Wir können unser Informationsangebot einer neuen Nutzergruppe erstmals auch mobil zur Verfügung stellen", so Runde. Mit MCAST nimmt die Deutsche Welle eine Pionierrolle ein. Würde sich die Technologie bewähren, so hätte der Sender einen Vorsprung gerade auch gegenüber anderen großen Auslandssendern wie der britischen BBC. Entsprechend euphorisch ist Runde: "Wir bleiben an dem Thema mobile Medien auf jeden Fall dran."