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Deutschland

Deutsche waren bei Asterix Militaristen

1959 war in Europa das Wirtschaftswunder populär. Helden spielten in Lovestorys - retteten Frauen und verliebten sich. Römische oder gallische Geschichten waren nicht von Interesse. Dennoch: Asterix feiert 50 Jahre.

Albert Uderzo (Foto: dpa)

Der Erfinder und Zeichner der Asterix-Figuren, Albert Uderzo

Eigentlich hätte es Asterix, Obelix und die weiteren Figuren gar nicht geben sollen. Stattdessen war geplant, Geschichten um "Le Roman de Renard", zu Deutsch "Reinecke Fuchs", zu kreieren. In Frankreich kam die neue Zeitschrift "Pilote" auf den Markt. Darin sollte es eine Comicstory geben, eben den Reinecke Fuchs. Die beiden, die die Fuchsgeschichte zeichnen und beseelen sollten, waren René Goscinny und Albert Uderzo. Doch dann erfuhren sie: Reinecke Fuchs kommt in einem anderen Zusammenhang schon vor. Hektisch, in einer Nacht, gestalteten sie neue Comicfiguren: Asterix und Obelix.

Erfolgsstory und Geldgrube

Asterix Comic-Szene auf Sächsisch 'Wir sind das Volk' (Foto: AP)

Asterix-Comics sind auch auf Sächsisch übersetzt

Das war die Geburt einer internationalen Erfolgsstory. 50 Jahre später ist Asterix 300 Millionen Mal verkauft worden, zwölf Filme wurden nach Asterixvorlagen gedreht. In etwa 100 Sprachen sind die gallischen Geschichten übersetzt worden - darunter auch in Dialekte wie bayerisch, sächsisch und schwäbisch. Historiker und Altphilologen haben ihre Freude an den Figuren, Lehrer in Altgriechisch und Latein nutzen die Texte in den Sprechblasen, um Verb- und Nomenbeugungen zu erklären. Zu Asterix gibt es wissenschaftliche Begleitliteratur, sogar Politikwissenschaftler haben sich damit befasst. Für die Erfinder und Autoren ist die Comicausgabe damit zu einer Goldgrube geworden.

Dieser Erfolg beruht auf einer Anti-Darstellung zu den US-amerikanischen Film- und Comic-Helden. Die Zeichner wollten "den amerikanischen Comic Stripes etwas typisches Französisches" entgegensetzen, erzählt Uderzo. Und so sind die Gallier entstanden - Gallier statt Indianer. "Ich wollte einen Antihelden", erzählte Goscinny in einem Interview, "einen kleinen Kerl. Asterix sollte ein Knirps sein, so wahrnehmbar wie ein Satzzeichen. Es war mir wichtig, dass diese Figur in sich drollig war."

Das war und ist das Rezept, das diesen französischen Comic von der US-Ware unterschied. Die Figuren von Goscinny und Uderzo haben Witz und Beobachtungsgabe, sie sind nette und gerechte Rebellen, die Stories gehören mittlerweile zum Bildungsgut. Asterix ist nicht nur bei Schülern und Jugendlichen, sondern auch bei Eltern und Lehrern beliebt. Der Comic verbindet Generationen.

Schwieriger Weg nach Deutschland

Albert Uderzo (Foto: dpa)

Albert Uderzo

Das Thema des deutsch-französischen Verhältnisses kam in dem Heft "Asterix bei den Goten" vor, es erschien 1963. Von den humoristischen, nett stichelnden Klischees der anderen Asterixhefte ist "Asterix bei den Goten" weit entfernt. Die Goten sind Barbaren, sie sind militärversessene Herrscher und Henker. Und in diesem Heft kommt Asterix niemand zur Hilfe.

Es sind die persönlichen Erfahrungen der Autoren, die sich in diesem Asterixband spiegeln. Der Politikwissenschaftler Alfred Grosser nennt diese Ausgabe sogar ein wichtiges politisches Werk. Für Grosser, der einer der bedeutendsten Politikwissenschaftler der deutsch-französischen Aussöhnung ist, zeigt "Asterix bei den Goten" auch den damaligen Stand der deutsch-französischen Beziehungen.

Aber auch der Start der ersten deutschen Ausgabe in der Bundesrepublik Deutschland war schwierig. Der deutsche Fix-und-Foxi-Verleger Rolf Kauka sicherte sich 1965 die Asterix-Rechte. Aber anstatt die Figuren in ihrem Umfeld zu belassen, germanisierte Kauka die Figuren. Aus Asterix wurde Siggi, Obelix wurde zu Barbarras. Kauka wollte die politische Lage in dem Comic nachzeichnen - Gallien wurde zu West-Germanien, die Römer zu Kaugummi kauenden US-Boys. Der Witz war weg, das Werk dem Untergang geweiht.

Doch die beiden Erfinder der Asterixfigur retteten den Comic, indem sie die Rechtevergabe zurückzogen. Neun Jahre nach der französischen Erstausgabe erschien eine angemessene Übersetzung in Deutschland: "Asterix der Gallier". Die Deutschen, bis dahin keine ausgeprägten Comic-Liebhaber, wurden zu treuen Fans.

Der Tod des Geschichtenerzählers

René Goscinny (Foto: dpa)

René Goscinny - bis 1977 der Storyschreiber von Asterix und Obelix

1977 war das schwärzeste Jahr der Erfolgsstory von Asterix und Obelix. Goscinny will Herz- und Kreislauf überprüfen lassen. Dabei macht er ein Belastungs-EKG und stirbt unter Aufsicht der Ärzte. Nun muss Uderzo das Werk allein weiterführen.

Goscinny und Uderzo hatten 1959 beide Funktionen wahrgenommen - sie waren Zeichner und Texter. Doch bald darauf teilten sie die Arbeit: Goscinny übernahm die Arbeit am Text und wurde der Geschichtenerzähler, Uderzo übernahm das Zeichnen.

Nach dem Tod des Partners besetzte Uderzo 1977 wieder beide Parts: Story und Zeichnen. Seitdem bemängeln Kritiker einen Rückgang der Qualität. Hinzu kommen Querelen Uderzos mit seiner Tochter, die das Werk erst weiterführen sollte. Auch rechtliche Streitigkeiten mit verschiedenen Verlagen wirken sich auf das Wirken von Uderzo aus. Die letzten beiden Ausgaben sind zu Ladenhütern geworden.

Dennoch, nach 50 Jahren Asterix und Obelix, haben Goscinny und Uderzo einen Erfolg hingelegt, den niemand vermutet hätte. Der Politologe Grosser hat einmal gesagt: "In Frankreich herrscht eine tief verwurzelte Sportfeindlichkeit. Schlau ist, wer schmächtig wirkt - und dumm, wer stark ist." Asterix und Obelix, Frankreichs beliebtes Comic-Paar, beweisen das. Was der Kraftprotz Obelix nicht erreicht, schafft das Kerlchen Asterix mit List und Tücke. Das Geheimnis des Erfolgs ist das Anderssein, nicht der Mainstream.

Autor: Carol Lupu

Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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