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Wirtschaft

Deutsche Waffen berühmt wie berüchtigt

Heckler & Koch ist einer der fünf größten Gewehr- und Pistolenhersteller auf der Welt. Mehr als 600 Angestellte arbeiten für das Unternehmen aus dem Schwarzwald. Kritiker nennen es "Deutschlands tödlichste Firma".

Georgischer Soldat mit deutschem Sturmgewehr G36 der Rüstungsschmiede Heckler & Koch (Foto: dpa/DW)

Georgischer Soldat mit deutschem Sturmgewehr G36

"Hier wird alles gelagert, nicht nur die G36, auch die P8, Maschinengewehre, MG4, das Sturmgewehr HK416, das Scharfschützengewehr HK417. Also alle Produktarten" - Martin Lemperle, Vorstand bei Heckler & Koch präsentierte beim Besuch von Verteidigungsminister Jung, der vor kurzem auf Wahlkampf-Tour zu Besuch war, die neuen Fertigungs- und Produktionshallen in Oberndorf. Handfeuerwaffen im Wert von bis zu 50 Millionen Euro werden hier zum Teil zwischengelagert, bis entsprechende Ausfuhrgenehmigungen erteilt werden. Und diese Genehmigungen sind extrem wichtig für die Firma: "Ich kann Ihnen sagen, dass die Mehrheit des Umsatzes heute exportorientiert ist", sagt Andreas Heeschen. Er ist Mehrheitsaktionär bei Heckler & Koch. Genaue Zahlen zum Export will er nicht nennen, lediglich ganz allgemein zum Umsatz äußert er sich: "181 Millionen Euro Umsatz waren es im letzten Jahr. Dieses Jahr werden wir etwa auf 200 Millionen Euro kommen."

Wehrtechnik sichert Arbeitsplätze

Mann mit HK416 Maschinengrwehr von Heckler und Koch (Foto: AP)

HK416 Maschinengewehr

Heckler & Koch, ein mittelständischer Betrieb am Rand des Schwarzwaldes, Weltmarktführer in einigen Nischen, europaweit größter Pistolen- und Gewehrhersteller, Zulieferer für NATO-Staaten. Für CDU-Fraktionschef Volker Kauder, in dessen Wahlkreis das Unternehmen angesiedelt ist, zählen vor allem die rund 660 Jobs: "Die Wehrtechnik ist nach wie vor der Arbeitsplatz für viele Menschen in unserer Region", so Kauder, "und wir können nicht die Bundeswehr mit Holzgewehren nach Afghanistan schicken."

Für die Bundeswehr ist das Unternehmen ein wichtiger Zulieferer seit Jahrzehnten: Die Soldaten wurden früher am G3-Sturmgewehr, heute am G36 von Heckler & Koch ausgebildet. Ein neuer Großauftrag der Bundeswehr lässt jedoch auf sich warten. Verteidigungsminister Jung lobt derweil die Innovationskraft der Firma und verweist vor Heckler-&-Koch-Managern auf das 40 Jahre alte Maschinengewehr der Bundeswehr: "Ich darf Ihnen versichern, dass wenn ein Ersatz für das derzeitige Maschinengewehr notwendig ist, wir dann natürlich auch den vollständigen Ersatz vornehmen."

Militär ist wichtigster Kunde

Heckler & Koch produziert gerade für Norwegen, England und Griechenland verschiedene Handfeuerwaffen. Bei der Ausschreibung über neue Sturmgewehre für die französische Armee erhofft sich die Firma den Zuschlag. Schrieb das Werk nach Zeiten des Umbruchs im Jahr 2006 noch Verluste, machte Heckler und Koch bereits im vergangenen Jahr mehr als 12 Millionen Euro Gewinn. Die Bücher weisen Aufträge über fünf bis zehn Jahre Vorlaufzeit aus. Von der aktuellen Wirtschaftskrise habe Heckler & Koch sogar ein wenig profitiert, so Mehrheitsaktionär Heeschen: "Also, insoweit die Kapitalkosten durch die Weltwirtschaftskrise gesunken sind. Wir haben heute Möglichkeiten, günstigere Refinanzierung zu machen, wenn wir sie denn machen wollten. Und am Arbeitsmarkt sind natürlich heute mehr Personen vorhanden als früher."

Tödlicher Exportschlager

Großaufnahme Heckler und Koch Sturmgewehr (Foto: DW)

Auch die Militärpolizei ist mit Waffen von Heckler & Koch ausgerüstet

Dass das Unternehmen gelassen auf die Wirtschaftskrise reagiert, vermerkt Rüstungs-Kritiker Jürgen Grässlin bitter und verweist auf Lizenzeinnahmen und auf Schätzungen, wonach im Schnitt alle 14 Minuten irgendwo auf dieser Welt ein Mensch durch eine Kugel aus dem Lauf eines Heckler-&-Koch-Gewehrs stirbt. Das G36 sei aus Sicht der Firma ein Exportschlager: "Das G36 ist leichter als das G3, treffgenauer - das heißt, die Militärs jubeln, wenn sie es in Händen halten", sagt Grässlin. "Auch Kindersoldaten werden in Zukunft damit schießen. Exportiert wurde offiziell natürlich an NATO-Staaten: 1998 gab es eine Lizenzvergabe an den NATO-Partner Spanien. Inzwischen liegen mir deutliche Hinweise vor, dass auch Mexiko ein Derivat eines G36 in Lizenz erhalten hat. Die Bundesregierung hat das aber noch nicht offiziell verkündet."

Laxe Kontrollen

Durch laxe Exportkontrollen auch von Seiten der Bundesregierung gelängen die Waffen aus Oberndorf in viele Krisengebiete, kritisiert Grässlin. Die Firma will derweil ihr Geschäft in den kommenden Jahren auf dem Niveau der vergangenen fortführen. Mehrheitsaktionär Heeschen plant nach eigenen Angaben keine Expansion. Man wolle lediglich die Qualität und Treffgenauigkeit noch weiter steigern, heißt es bei Heckler & Koch. "Unser Produkt ist auch das teuerste", sagt Heeschen. "Das kann sich nicht jeder leisten." Der Markt für die Waffen gäbe nichts anderes her.

Autor: Jochen Bruche

Redaktion: Klaus Ulrich

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