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Wirtschaft

Deutsche Unternehmer in Griechenland

Geht Griechenland bankrott, dann verlieren deutsche Banken viel Geld, denn sie haben zig Milliarden investiert. Doch nicht nur sie, auch andere deutsche Unternehmen machen Geschäfte mit Griechenland.

Schiffscontainer vor deutscher und griechischer Flagge (Foto: AP/DW)

Deutsche Exporte nach Griechenland sind bereits eingebrochen

Auch wenn Griechenland momentan in den Mittelpunkt gerückt ist - eigentlich liegt das Land am Rande Europas: im tiefen Südosten. Im Abseits möchte man fast sagen. Zumindest ist das in den Augen deutscher Exporteure so, für die Griechenland kaum eine Rolle spielt. Ein Markt mit nur elf Millionen Menschen, zerklüftet, mit 3000 Inseln, vom Meer umspült. Nicht viele deutsche Exporte verirren sich dorthin - ein wenig Chemie, ein paar Maschinen, ein bisschen Auto. Die deutschen Klassiker.

Hunderte von Automobilen des Typs BMW Z3 Roadster warten in Bremerhaven auf den Abtransport. (Foto: DPA)

Ein großer Teil deutscher Exporte für Griechland: Autos

Den Einzelnen trifft es hart

Gerade einmal ein knappes Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren seien das, sagt Ingeborg Kozel von Germany Trade and Invest, einer Gesellschaft, die deutsche Unternehmen auf ihrem Weg ins Auslandsgeschäft unterstützt. Und so zeigten schon allein die Zahlen, sagt Kozel, dass nicht die gesamte deutsche Exportwirtschaft von der Griechenland-Krise betroffen sei. Anders könne es für den einzelnen Unternehmer aussehen, wenn der Geschäftspartner, der griechische, in Zahlungsschwierigkeiten gerate und verspätet oder gar nicht zahlen könne. "Ich denke, das muss man einfach unterscheiden!"

Schon vor der Krise war Griechenland in der Rezession. Das verordnete Sparprogramm wird diesen Zustand noch eine Zeit lang zementieren oder verschlimmern, glaubt Andreas Rees, Chefvolkswirt Deutschland bei der Unicredit-Bank. Deutsche Exporte nach Griechenland könnten deshalb weiter zurückgehen. Schon im vergangenen Jahr haben Exporteure aus Deutschland auf die Rezession in Griechenland reagiert: Im Vergleich zum Vorjahr brachen deutsche Ausfuhren dorthin um knapp 20 Prozent ein.

Euro-Münzen liegen auf einigen Dollar-Noten. (Foto: AP)

Griechenland braucht ausländische Investitionen

Griechenlands Staat muss verkaufen

Was für die Exporteure gilt, gilt auch für deutsche Investoren: Griechenland ist nicht besonders attraktiv. Da ist seine niedrige Produktivität - die benachbarten Balkanländer produzieren viel billiger -, da ist Griechenlands wuchernde Bürokratie und sein starrer Arbeitsmarkt. Und die grassierende Korruption. Ach ja, und sein kompliziertes Steuerrecht. Nur knapp ein halbes Prozent aller deutschen Direktinvestitionen gingen unter diesen Umständen 2008 nach Griechenland.

Genaues weiß man nicht, aber es wird vermutet, dass umgekehrt die deutschen Investoren für Griechenland sehr wohl wichtig sind. Ingeborg Kozel von Germany Trade and Invest glaubt, dass ausländische Investitionen in Griechenland jetzt besonders gefragt sind - schließlich müsse Griechenland viel sparen: 30 Milliarden Euro in den nächsten drei Jahren. Das habe zur Folge, dass Unternehmen, Konsumenten oder auch die öffentliche Hand wesentlich weniger investieren können, sagt Kozel und fügt hinzu: "Deutsche Unternehmen bietet sich da eine Chance!" Denn der griechische Staat muss wegen der Krise privatisieren, insbesondere im Transport- und Energiesektor.

Deutsche Investoren könnten so gesehen sogar als Sieger aus der Krise hervorgehen, vorausgesetzt sie sind gut über die Branche, in die sie investieren wollen, informiert.

Rauchendes Kraftwerk in Griechenland bei Athen

Griechenland will privatisieren - vor allem im Energiesektor

Schlimme Folgen - ein Szenario

Was aber, wenn sich die Griechenland-Krise ausbreitet, wenn der viel zitierte Flächenbrand sich seinen Weg durch die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion frisst? "Wenn andere Wackelkandidaten dazukämen, in einem Risikoszenario", sagt Rees von der Unicredit, "dann hätte das sicherlich schon negativere Folgen als im Falle von Griechenland." Spanien habe immerhin einen Anteil bei den deutschen Exporten von vier Prozent, Italien sogar sechs bis sieben Prozent. Wenn diese Länder sparen müssten, um zu verhindern, dass die Krise überspringt - "dann hätte das sicher spürbare negative Konsequenzen für die deutschen Unternehmen." Und auch für die gesamte deutsche Wirtschaft.

Doch noch hoffen alle, dass der Brand in Griechenland gelöscht werden kann, mit 110 Milliarden Euro, damit sich die Krise nicht auf Spanien, Italien oder Portugal ausbreitet oder gar auf die ganze Europäische Währungsunion - mit gravierenden Folgen für die deutsche Wirtschaft, deren Exporte zu 40 Prozent dorthin gehen. Doch Rees winkt ab: "Das ist bei aller Skepsis nicht absehbar, das wäre wirklich nur ein Worst-Case-Szenario."

Autor: Jutta Wasserrab
Redaktion: Henrik Böhme

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