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Wirtschaft

Deutsche Unternehmen setzen auf Fernost

Asien hat die Wirtschaftskrise besser und schneller überstanden als jede andere Wirtschaftsregion. Grund genug für viele deutsche Unternehmen, ihr Engagement vor Ort zu verstärken.

Der Fischlöwe Merlion vor Singapurs Wolkenkratzern (Foto: DW / Zhang Danhong)

Der Fischlöwe Merlion vor Singapurs Wolkenkratzern

Während die Schuldenkrise Deutschland und die Eurozone zu erdrücken droht, herrscht in Asien Aufbruchsstimmung. Dieses Jahr wird für Asien ein Wachstum von 7,5 Prozent erwartet. Auch für die nächsten Jahre gilt: Asien ist der Wachstumsmarkt schlechthin. Von dieser Aufbruchsstimmung will sich die deutsche Wirtschaft anstecken lassen. Über 700 Vertreter der großen Konzerne und mittelständischen Unternehmen trafen sich in Singapur auf der 12. Asien-Pazifik-Konferenz der Deutschen Wirtschaft (14.-15. Mai) zum Austausch und Networking.

Neues Spielcasino in Singapur (Foto: DW / Zhang Danhong)

In Asien geht alles sehr schnell: Neues Spielcasino in Singapur

"Wenn man in Asien tätig ist, darf man nicht als Handelsunternehmen agieren, sondern man sollte den Großteil seiner Produkte auch vor Ort herstellen", sagt Martin Brudermüller, für Asien zuständiges Vorstandsmitglied von BASF, dem größten Chemiekonzern der Welt. "Deswegen haben wir uns vorgenommen, mindestens 70 Prozent der Waren, die wir hier verkaufen, auch lokal zu produzieren." Zudem will BASF zwei Prozent mehr als der Markt wachsen, um bis 2020 den Umsatz in der Region auf 20 Milliarden Euro zu verdoppeln - so sieht es die neue Asien-Strategie des Chemieriesen vor. Wenn von Asien die Rede ist, gerät Brudermüller leicht ins Schwärmen: "Bis 2020 entsteht für 750 Milliarden Euro zusätzlicher Chemiebedarf. Und 500 Milliarden davon sind in Asien. Deswegen ist Asien der Wachstumsmarkt für BASF."

Schnell gebaut, schnell kopiert

Jürgen Heraeus, Aufsichtsratsvorsitzender des Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus (Foto: dpa)

Jürgen Heraeus

Nicht nur für BASF - auch der Hanauer Edelmetall- und Technologiekonzern Heraeus ist nach Umsatzeinbußen im vergangenen Jahr fulminant ins Jahr 2010 gestartet - dank Asien. Am Produktionsstandort Singapur werde es schon knapp mit dem Personal, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Heraeus. Das Familienunternehmen ist seit den 70er Jahren in Asien tätig und macht inzwischen über 40 Prozent Umsatz in der Region. Der Asien-Pionier Heraeus sieht die Region als den Gewinner der Wirtschaftskrise: "Das Geschäft in Amerika und Europa ist zurückgegangen, viele Fabriken sind geschlossen. Sie werden nicht wieder aufmachen. Wenn das Geschäft wieder anläuft, wenn die Firmen Kunden in Asien haben, werden viele ihre Geschäfte in Asien ausbauen. Hier geht alles sehr schnell. In einem Jahr hat man hier eine Fabrik stehen und kann mit dem Produzieren beginnen."

Doch es wird nicht nur schnell produziert, sondern auch schnell kopiert. Der Technologieklau plagt weiterhin viele deutsche Unternehmen, die in Asien aktiv sind. Doch weiß man sich inzwischen auch zu wehren, so wie der Düsseldorfer Mittelständler Dorma, der Produkte rund um die Tür liefert. "Wir haben in China Mitarbeiter, die diese Firmen identifizieren. In der Regel gelingt es uns dann, die Produktion stillzulegen", sagt Michael Schädlich, bis Januar 2010 Vorstandsvorsitzender der Dorma GmbH. "Aber machen wir uns nichts vor: Es ist so ähnlich wie Rasenmähen. Wenn Sie samstags den Rasen mähen, sieht es schön aus, aber eine Woche später ist der Rasen wieder da. Man muss halt jede Woche Rasen mähen." Der Aufwand zur Bekämpfung der Produktpiraterie beläuft sich laut Schädlich im fünfstelligen Bereich – eine überschaubare und lohnende Investition.

Zurück nach Vietnam

Bundesiwrthscftasminsiter Rainer Brüderle und Jürgen Hambrecht, Chef des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft am 13.5.2010 in Singapur (Foto:DW/Zhang)

Wirtschaftsminister Brüderle und APA-Chef Hambrecht in Singapur

Ein lohnendes Geschäft ist Asien für fast alle Unternehmen, die früh ihre Chancen erkannt und sich positioniert hatten, bevor der große Run auf die Region begann. Das Beispiel von der GISA GmbH in Halle an der Saale zeigt jedoch, dass es auch jetzt für ein Asien-Engagement nicht zu spät ist. Der junge IT-Dienstleister in Ostdeutschland hatte einige vietnamesische Informatiker beschäftigt. Vor zwei Jahren wollten sie in die Heimat zurück. "Das war der Moment, wo wir gesagt haben, wir gehen zusammen zurück", sagt GISA-Manager Mike Eckenigk. "Denn das, was Ihr hier gelernt habt, das ist Kapital. Das könnt Ihr drüben weiter verwenden. Drum sind wir in Vietnam gelandet." Mit inzwischen 30 Mitarbeitern in Hanoi berät er vietnamesische Firmen, die deutsche Geschäftskontakte pflegen.

Gerade solchen kleineren und mittelständischen Unternehmen verspricht Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle Unterstützung, "indem wir ihnen die Möglichkeiten zeigen, sie hierher führen, indem als Türöffner wirken, ihnen Kontakte zu Partnern herstellen und damit ein Rahmenwerk bieten, in dem sie eine faire Chance haben, erfolgreich zu sein."

Autor: Zhang Danhong

Redaktion: Rolf Wenkel