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Kultur

Deutsche und Russen mit Liebe zum Detail

Ob Wachserzeugnisse aus dem 13. Jahrhundert oder ein deutsch-russisches Wörterbuch aus dem Jahr 1607 - die Ausstellung im Neuen Museum in Berlin zeigt detailliert die Beziehungen zwischen Deutschen und Russen.

Die Politik steht nicht im Vordergrund. Die Ausstellung "Russen und Deutsche" im Neuen Museum in Berlin präsentiert ab dem 6. Oktober rund 1000 Jahre deutsch-russische Geschichte. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Kunst und Kultur. Doch ganz ohne Politik ging es bei der Eröffnung doch nicht. Die Ausstellung wurde prominent durch den deutschen Bundespräsidenten Jochim Gauck eröffnet. Sein russischer Kollege Wladimir Putin kam jedoch nicht in die deutsche Hauptstadt. Die Presse spekulierte danach mal wieder über "atmosphärische Störungen" zwischen Berlin und Moskau.

Deutsches Handbuch der russischen Sprache, 1607 (Foto: dw)

Deutsches Handbuch der russischen Sprache, 1607

Tatsache ist, dass bei der Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung in Moskau im Juni keiner der Präsidenten erschienen war. Nach Berlin schickte Moskau den in Deutschland kaum bekannten stellvertretenden Duma-Vorsitzenden Sergei Zheleznyak. Unterschiede werden deutlich, auch wenn man die beiden Ausstellungen vergleicht, die im Rahmen des Deutschlandjahrs in Russland und des Russlandjahrs in Deutschland stattfinden.

In Moskau wurde deutsch-russische Geschichte auf zwei Etagen des restaurierten Staatlichen Museums der Geschichte am Roten Platz vorgestellt. Manche Besucher wunderten sich über die chaotisch anmutende Verteilung von Themen. In Berlin dagegen bietet sich ein ganzes anderes Bild. Die Ausstellungsstücke im Neuen Museum werden chronologisch in einem Kreis präsentiert, so dass Besucher sich leicht zurechtfinden.

Am Anfang war der Handel

Schädel der Stellerschen Seekuh und Portrait Peter des Großen (Foto: dw)

Schädel der "Stellerschen Seekuh" und Portrait Peter des Großen

Im ersten Saal werden Handelsbeziehungen zwischen Deutschen und Russen zwischen dem 13. und dem 17. Jahrhundert thematisiert. Deutsche Kaufleute hatten ein Hansekontor in der damaligen russischen Metropole Weliki Nowgorod. Sie verkauften in Russland feine Tücher, Waffen, Bronzeschmuck und brachten im Gegenzug russische Pelze und Kerzenwachs nach Westeuropa.

Die Aussteller sind sehr stolz darauf, wie viele Exponate sie sammeln konnten. Sie wollen zeigen, dass sich die deutsch-russische Beziehungen nicht erst unter Zar Peter dem Großen im 17. und 18 Jahrhundert oder noch später zu Zeiten der deutschstämmigen Zarin Katharina der Großen entwickelt, sondern schon viel früher.

Eine Seekuh aus Sibirien

Das Lieblingsausstellungsstück des Direktors des Museums für Vor- und Frühgeschichte in Berlin, Matthias Wemhoff, ist ein Schädel der so genannten "Stellerschen Seekuh". Das inzwischen ausgestorbene Tier wurde vom deutschen Wissenschaftler Georg Wilhelm Steller in Russland entdeckt. Steller bereiste Sibirien zusammen mit seinen russischen Kollegen der Petersburger Akademie der Wissenschaften im Auftrag Peter des Großen.

Der deutsch-russischen wissenschaftlichen Zusammenarbeit ist in der Ausstellung ein separater Raum gewidmet. Hätte Peter der Große seinerzeit nicht Gottfried Wilhelm von Leibnitz kennengelernt, wäre die Entwicklung russischer Wissenschaft möglicherweise anders verlaufen. Denn es war der deutsche Philosoph, Mathematiker und Physiker, der den russischen Zaren überzeugt hatte, in Wissenschaft und Forschung zu investieren.

Erinnerungen an den Krieg

Auch Schattenseiten in deutsch-russischen Beziehungen werden in der Ausstellung nicht ausgeklammert. Um an den Zweiten Weltkrieg zu erinnern, schickten die Veranstalter den Fotografen Volker Kreidler an die Orte, wo besonders stark gekämpft wurde: Sankt Petersburg, Kursk, Wolgograd, Nowgorod und zu den Seelower Höhen bei Berlin. Entstanden sind großformatige Naturaufnahmen. Jeder Ausstellungsbesucher kann sich auf eine Bank hinsetzen und sich in den Kopfhörern die berühmte Leningrader Symphonie von Dmitri Schostakowitsch anhören, die der Russe 1941 komponiert hatte.

Und doch sind Kriege und Konflikte kein zentrales Thema der Ausstellung in Berlin. Die Besucher sollen mehr über die "fruchtbaren und friedlichen" Etappen der deutsch-russischen Geschichte erfahren, sagt der Ausstellungskurator Matthias Wemhoff. Denn davon habe es viel mehr gegeben.

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