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Wirtschaft

Deutsche Telekom verkauft US-Geschäft

Die deutsche Telekom trennt sich von ihrer Mobilfunksparte in den USA und will demnächst nur noch in Europa Geschäfte machen. Woran ist das Unternehmen in den USA gescheitert? Und wie geht es jetzt weiter?

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T-Mobile-Laden in New York

Für umgerechnet 27,5 Milliarden Euro verkauft die Telekom ihre US-Tochter T-Mobile USA an den Konkurrenten AT&T. Mit dieser Entscheidung beendet Telekom-Chef René Obermann das Engagement seines Unternehmens in den USA, das im Jahr 2000 begonnen hatte. Der frühere Telekom-Chef Ron Sommer hatte damals 39,4 Milliarden Euro für die US-Firma Voicestream bezahlt, die später in T-Mobile USA umbenannt wurde.

Schlechtes Geschäft

"Unterm Strich ist das kein gutes Investment", sagt Torsten Gerpott im Gespräch mit DW-WORLD.DE. Der Wirtschaftsprofessor mit Schwerpunkt Telekommunikation an der Universität Duisburg-Essen verweist auf das Minus von rund 12 Milliarden Euro, zu dem noch die Milliarden kommen, die die Telekom über die Jahre in Frequenzen und den Ausbau der Netz-Infrastruktur investieren musste. Allein in den letzten beiden Jahren gab die Telekom rund fünf Milliarden Euro aus für den Aufbau schnellerer Mobilfunknetze in den USA.

Rene Obermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom NO-FLASH

Telekom-Chef René Obermann hat jetzt eine Sorge weniger

Trotzdem sagte Telekom-Chef Obermann nach der Bekanntgabe des Verkaufs, es sei ein guter Tag für sein Unternehmen. Denn das US-Geschäft war die größte Problemsparte der Telekom. Zwar trug es ein Viertel zum Konzernumsatz bei, Gewinne brachte es der Telekom aber nie.

T-Mobile USA hat 33,7 Millionen Kunden und ist damit die Nummer Vier auf dem Markt. Doch allein im letzten Jahr verlor das Unternehmen fast 400.000 Vertragskunden. Ein Grund ist, dass das populäre Apple-Handy iPhone in den USA nur von AT&T vertrieben wird. In Deutschland war dagegen die Telekom lange Zeit Exklusivanbieter des iPhone.

Fehler des Managements

USA Deutschland T-Mobile USA Logo Gebäude in Detroit

Bald Nr. 1 auf dem US-Mobilfunkmarkt

Zudem gilt das Netz von T-Mobile USA als löchrig und schlecht ausgebaut. "Sie haben erst relativ spät begonnen, in Datennetze zu investieren", sagt Wirtschaftsprofessor Gerpott. Die Marktchancen durch den Boom der Smartphones wurden damit verpasst. "Ich denke, die Telekom hätte ihre US-Sparte schon eher verkaufen müssen", sagt Gerpott, "oder aber sie hätte signifikant in den Netzaufbau investieren müssen."

Mit dem Verkauf hat sich Telekom-Chef Obermann nun für einen Schlussstrich entschieden – nach dem Motto: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. "Man hat sich wohl gesagt: Na gut, dann nehmen wir eben die 27,5 Milliarden, die wir jetzt noch bekommen können, und zahlen damit etwas von unseren Schulden zurück," sagt Gerpott.

Die Gesamtschulden der Telekom belaufen sich im Moment auf rund 85 Milliarden Euro – knapp die Hälfte davon stammt aus dem Einstieg ins US-Geschäft vor elf Jahren.

Verpasste Chancen

Ron Sommer wird Chefberater für russische Telekom Sistema

Ron Sommer gab Milliarden in den USA aus

Die hohen Schulden und der Aufbau des US-Geschäfts waren auch der Hauptgrund, warum die Telekom andere Wachstumsregionen unberücksichtigt ließ, insbesondere Asien und Afrika. Der dortige Mobilfunk-Boom lief ohne die Deutsche Telekom, und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. "Wir haben keine Pläne, nach Afrika oder Asien vorzustoßen", sagte Telekom-Finanzchef Timotheus Höttges am Montag. In Zukunft wird die Telekom nur noch in Europa vertreten sein. Vor allem in Süd- und Osteuropa sieht das Unternehmen Wachstumschancen.

"Es bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig", sagt Wirtschaftsprofessor Gerpott. "Denn jetzt ist es zu spät, dort einzusteigen. Zu einem vernünftigen Preis gibt es da jetzt keine Möglichkeit mehr." Rückblickend sei man natürlich immer schlauer, so Gerpott. Doch die fast 40 Milliarden, die die Telekom im Jahr 2000 für die Übernahme einer US-Firma ausgegeben hat, wären in Märkten wie Indien oder China sicher besser angelegt gewesen.

Der Verkauf der Telekom-Tochter steht noch unter dem Vorbehalt einer Zustimmung durch die US-Aufsichtsbehörden. Käufer AT&T würde nach der Übernahme zur Nummer Eins auf dem US-Markt aufsteigen. Die Behörden werden prüfen, ob AT&T mit dann 130 Millionen Kunden und nur noch zwei Wettbewerbern eine marktbeherrschende Stellung einnehmen würde.

Autor: Andreas Becker

Redaktion: Monika Lohmüller

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