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Aktuell Deutschland

Deutsche Teenager auf dem Weg zum IS?

Eine 15-Jährige und ihre 18-jährige Begleiterin aus Ostdeutschland haben sich aufgemacht, um sich in Syrien den IS-Dschihadisten anzuschließen. Die Aussichten, sie rechtzeitig zurückzuholen, gelten als gering.

Gesucht wird nach zwei Jugendlichen aus dem Osten Deutschlands, die sich vermutlich in den Kopf gesetzt haben, für die Terrorarmee "Islamischer Staat" (IS) in Syrien in den Krieg zu ziehen. Auf diese Absicht deuteten die bisherigen Ermittlungen hin, verlautete aus deutschen Sicherheitsbehörden. Eine 15-jährige IS-Sympathisantin stamme aus Sangerhausen (Landkreis Mansfeld-Südharz), ihre 18 Jahre alte Begleiterin komme aus Erfurt, teilten die Landeskriminalämter Sachsen-Anhalts und Thüringens mit. Nach Angaben beider Behörden sind die beiden Anfang März von Frankfurt/Oder aus in die Türkei geflogen und gelten seitdem als vermisst.

Im Februar hatte ein Rechercheteam von "Süddeutscher Zeitung", WDR und NDR von einem ähnlichen Fall aus München berichtet, in dem ein 16-jähriges türkisch-stämmiges Mädchen sich nach einer Radikalisierung in Deutschland offensichtlich nach Syrien aufgemacht hatte. Vieles sprach dafür, dass sie als Frau eines Kämpfers für den IS im Einsatz ist.

In britischen Medien hatten wochenlang drei 15 und 16 Jahre alte Schulmädchen aus London für Schlagzeilen gesorgt, die sich ebenfalls zum IS nach Syrien abgesetzt hatten.

Ob die ostdeutschen Teenager sich schon im IS-Gebiet aufhalten, sei unklar, erläuterte das LKA Sachsen-Anhalt. Ziel sei es, sie in die Bundesrepublik zurückzuholen. Man habe jedoch wenig Einfluss darauf.

Die Vermutungen, dass sich die beiden dem IS anschließen wollen, stützten sich auf Berichte von ihren Bekannten und Aktivitäten in sozialen Netzwerken, sagte LKA-Sprecher Andreas von Koß in Magdeburg. Die beiden Mädchen hätten sich wohl im Internet kennengelernt. Seine Thüringer Kollegin Tina Büchner ergänzte: "Dreh- und Angelpunkt war das Internet." Inwieweit die Jugendlichen dort radikalisiert wurden, werde derzeit ermittelt.

Ermittlungen gegen 106 IS-Rückkehrer

Für die sunnitische Terrorarmee IS kämpfen inzwischen laut offiziellen Angaben mehrere hundert fanatisierte Deutsche. Gegen mutmaßliche islamistische Kämpfer sowie Rückkehrer aus den Kampfgebieten geht die Justiz verstärkt vor. Die Bundesanwaltschaft führt nach eigenen Angaben derzeit 68 Ermittlungs- und Strafverfahren gegen insgesamt 106 Beschuldigte. Anfang 2014 waren es dagegen nur fünf Verfahren mit acht Beschuldigten, Ende des Jahres schon 46 Verfahren mit 83 Beschuldigten.

Generalbundesanwalt Harald Range sagte in Karlsruhe, man unternehme "große Anstrengungen, um diesen Personenkreis in Haft nehmen, anklagen und verurteilen zu können". Um die Bevölkerung vor Anschlägen zu schützen, stünden die Heimkehrer aus Syrien oder dem Irak in einem besonderen Fokus.

Der Bund will seine Sicherheitsbehörden personell besser ausstatten.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziére kündigte insgesamt 750 neue Stellen bei Bundespolizei, Bundeskriminalamt und Verfassungsschutz an.

Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf wurde am Dienstag Anklage gegen einen 22-jährigen Deutschen erhoben, der sich im August 2014 dem IS angeschlossen hatte. In Stuttgart durchsuchte die Polizei einen von Salafisten dominierten Moscheeverein, der die IS-Dschihadisten unterstützt haben soll.

SC/stu (afp, dpa, rtre, MDR)