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Sexueller Missbrauch

Deutsche Studie: Wenn Mütter den Missbrauch ihrer eigenen Kinder dulden

Zum ersten Mal wird in Deutschland die Dimension sexuellen Missbrauchs von Kindern in Familien deutlich. Die "Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung" präsentierte in Berlin einen erschütternden Zwischenbericht.

Bei sexuellem Missbrauch in der Familie bekommen Kinder oft keine oder erst spät Hilfe, weil vor allem Mütter nicht eingreifen. Diese sind zwar selten Täterinnen, aber vorwiegend Mitwissende, wie aus dem jetzt vorgelegten Zwischenbericht der "Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs" hervorgeht. In den wenigsten Fällen glauben demnach Mütter ihren Kindern und schützen sie vor weiteren Verbrechen. 

"Kollektives Schweigen"

Trotz ihres Wissens um die Übergriffe hätten Familienangehörige nicht reagiert, insbesondere Mütter hätten geschwiegen, berichteten früher betroffene Erwachsene der Kommission in vielen vertraulichen Gesprächen. Die Studie gebe "einen tiefen Einblick in das Versagen von Müttern", sagte Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindermissbrauchs. So hätten Frauen ihre klagenden Töchter "als Hure oder Schlampe beschimpft". Die Sammlung der Einzelschicksale sei erschütternd, so Rörig gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.     

Johannes-Wilhelm Rörig (Christine Fenzl )

Johannes-Wilhelm Rörig: Aufarbeitung in der Familie ist "absolutes Neuland"

Gründe für das Dulden des Missbrauchs seien zum Beispiel finanzielle und emotionale Abhängigkeiten, Ohnmachtserfahrungen oder Gewalt in der Partnerschaft, erläuterte die Kommission. Dazu kämen auch die Angst vor einem Verlust des Partners oder der gesamten Familie sowie eigene Missbrauchserfahrungen.

Tatort Familie 

Die Kommission hatte im Mai 2016 die Arbeit aufgenommen. Sie untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik und in der DDR. Es meldeten sich bislang rund tausend Betroffene sowie weitere Zeugen, von denen etwa 300 angehört wurden. Zusätzlich gingen 170 schriftliche Berichte ein. Bei rund 70 Prozent der Betroffenen fand laut der Kommission der Missbrauch in der Familie oder im engeren sozialen Umfeld statt. Jugendämter und Schulen zögerten oft, in diesen "Privatraum" einzugreifen. 

Die Vorsitzende des Gremiums, die Frankfurter Kindheitsforscherin Sabine Andresen, nannte die Einrichtung der Kommission eine "wichtige Entscheidung der Politik". Damit habe diese signalisiert, "dass die Gesellschaft bereit ist, Verantwortung zu übernehmen".

Die Mittel für die Aufarbeitung müssten aufgestockt werden, und natürlich die Unterstützung für Therapien für die Betroffenen. Aus der Arbeit der Kommission könnten zudem Modelle für bessere Prävention und neue Forschungsansätze entwickelt werden, regten die Experten an. 

SC/qu (afp, epd, dpa)

 

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