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Wirtschaft

Deutsche Startups in New York

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat am Freitag in New York einen "German Accelerator" eingeweiht. Die Initiative soll deutsche Startups unterstützen, auf dem US-Markt Fuß zu fassen und Wagniskapital zu finden.

Gefühlte 200 Seiten umfasste sein Antrag für ein Business Visum in die USA, vier Monate dauerte der Prozess. Nun darf Stephan Herrlich für fünf Jahre in den USA unternehmerisch tätig sein. "Man weiß ja, dass man nicht in ein Land reisen und dort einfach arbeiten kann", sagt der 36-Jährige verständnisvoll und zieht sein dunkles Business-Sakko gerade. Herrlich entspricht so gar nicht dem Bild des jungen Startuppers, der nächtelang Pizza isst und an Unternehmensmodellen arbeitet. Aber "das sind sowieso Vorurteile", sagt Herrlich im Gespräch mit der DW. Er ist sich sicher, dass viele Jungunternehmer eher zwischen 30 und 45 Jahren alt sind. Erst dann seien sie in der Lage, zukunftsfähige Business Modelle zu konzipieren.

Personalprobleme lösen

Erst recht, wenn sie in die USA wollen. "IntraWorlds" heißt das Unternehmen, bei dem der hochgewachsene Herrlich Co-Gründer ist. Auf seiner Visitenkarte der neuen amerikanischen Tochtergesellschaft steht stolz "President". Intraworlds unterstützt Unternehmen beim Aufbau von "Talent Communities" und hat dafür eine spezielle Software entwickelt. Die soll helfen, das geeignete Personal zu finden. In Deutschland hat man bereits große Kunden und jetzt die USA. "Stellen Sie sich das mal vor. Allein Price Waterhouse stellt in einem Jahr 15.000 Menschen ein", sagt der Unternehmensgründer und seine Augen glänzen.

Schreibtisch in Soho

Herrlich sitzt in einem Großraumbüro mit 50 oder 60 Schreibtischen im angesagten New Yorker Viertel Soho. Eine Reihe mit Arbeitsplätzen "gehört" den deutschen Startups. Neben IntraWorlds sind hier noch zwei weitere eingezogen. "Stagelink" und "wywy" heißen sie.

An den anderen Schreibtischen sitzen Amerikaner, ausgewählt von der New York University, die diesen "Accelerator" oder Beschleuniger schon länger betreibt. Seit Juli dieses Jahres gehören die Deutschen dazu, der "German Accelerator New York" wurde gegründet. Das Ziel: vielversprechende

deutsche Startups

nach New York holen und von hier aus den US-Markt erobern. Die finanzielle Unterstützung läuft über das Bundeswirtschaftsministerium. Organisatorische Hilfe gibt es von der deutsch-amerikanischen Handelskammer und strategischen Partnern, darunter sind US-Firmen ebenso wie deutsche Unternehmen.

Mentoren sind entscheidend

Teddy Goldstein ist Koordinator hier, er hat selbst mal ein Startup-Unternehmen in der Musikbranche gegründet. Er erklärt, wie es funktioniert. "Eine Jury wählt die Startups aus. Das ist ein intensiver Prozess. Wer dann ausgewählt wird, kann für drei Monate im German Accelerator arbeiten und bekommt Mentoren zugewiesen, die unterstützen." Namen will er nicht nennen, aber hochrangige Manager seien dabei.

"Entscheidend ist das Netzwerk der Mentoren", betont auch Tobias Schmidt vom start up wywy. "Büros kann man überall anmieten, aber gute Kontakte sind viel wichtiger." Deshalb arbeitet Schmidt jetzt drei Monate hier in New York, dicht an dicht mit anderen Jungunternehmern. Sein Unternehmen sammelte bereits in Deutschland reichlich Startkapital ein und arbeitet dort erfolgreich. Jetzt fokussiert sich wywy auf den US-Markt. "Wir haben 35 Mitarbeiter", erzählt Schmidt: "Nr. 33, 34 und 35 sind jetzt hier."

Kaufe: Germanys Top Model

Um in den USA erfolgreich zu sein, müsse man ganz nah an den Kunden sein, betont der studierte Betriebswirt. Schmidt hat sich mit New York den härtesten Werbemarkt überhaupt ausgesucht. wywy entwickelt eine Software, die sich auf die sogenannten "second screens", die zweiten Bildschirme, konzentriert, zum Beispiel das Smartphone oder Ipad. Die Software ermöglicht unter anderem, dass Zuschauer sich via App über TV-Sendungen direkt austauschen und damit gleichzeitig von Werbetreibenden adressiert werden können. Gefällt beispielsweise ein Kleid bei der der Sendung "Germanys next Topmodel", kann es zeitgleich zum Kauf angeboten werden. Dank seines Mentors, vermittelt durch den German Accelerator, hat Schmidt schon innerhalb kürzester Zeit wichtige Kontakte geknüpft. Genaueres will er nicht verraten, aber er ist zufrieden. Allerdings sei der Aufenthalt in New York recht teuer und den müsse jedes Startup selbst finanzieren.

Couchsurfing

Nikolas Schriefer betreibt deshalb "couchsurfing", wie er es nennt. Er wohnt bei Freunden, aber nicht länger als jeweils zwei Wochen. Schriefer hat bereits während seines Studiums ein Jahr in New York gelebt. Die Kontakte helfen ihm jetzt. Im Accelerator tauscht er sich auch mit amerikanischen Startups aus. Manchmal sitzen sie in der kleinen Küche, die zum Großraumbüro gehört. Abends gibt es sogar frisch gezapftes Bier. Wer die Zapfanlage mal gespendet hat, weiß keiner, aber die Gespräche seien wichtig. Manchmal greift auch Teddy Goldstein zur Gitarre. Er hat aus seiner Leidenschaft für die Musik einst ein Startup gegründet, jetzt hilft er anderen.

Musik, die sich lohnt

Das Startup Stagelink des 27-jährigen Schriefer ist ihm inhaltlich sehr nah. Denn der studierte Musiker und Pianist will das Konzertgeschäft leichter machen. Zusammen mit zwei Freunden entwickelt er eine Software, die bei Konzerten Angebot und Nachfrage effizient verwaltet. 350 Künstler sind bereits registriert, 50 Konzerte wurden organisiert. Die Musiker wussten vorher, wie viele Zuhörer mindestens kommen. Jetzt soll die Software in den USA eingeführt werden. "Wir haben Geld bis Mitte nächsten Jahres", sagt Schriefer. "Das reicht erst einmal. Danach sehen wir weiter." Die drei Monate im German Accelerator, das wissen alle, müssen so intensiv wie möglich genutzt werden. Im Januar kommen bereits die nächsten Startuppers. Gerade hat der Auswahlprozess begonnen. Über 80 Bewerbungen soll es bereits geben.

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