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Sport

Deutsche Springreiter mit olympischen Revanche-Gelüsten

Vier deutsche Springreiter sind unter den besten zehn in der Weltrangliste vertreten. Da wäre es schon eine Beleidigung, würde man die deutsche Equipe in Peking nicht zu den absoluten Medaillenfavoriten zählen.

(AP Photo/Dimitri Messinis)

Der Frust sitzt auch vier Jahre danach noch tief bei der deutschen Springreitequipe: Bei den Spielen in Athen hatten Ludger Beerbaum, Marco Kutscher, Christian Ahlmann und Otto Becker das Mannschaftsfinale klar vor den Amerikanern und Schweden gewonnen. Doch der Jubel über das neunte Teamgold seit 1936 verstummte schnell. Beerbaums Hengst „Goldfever“ war bei der Dopingprobe positiv auf die verbotene Substanz Betamethason getestet worden, nachdem das Pferd wegen einer kleinen Verletzung mit einer nicht angemeldeten Salbe behandelt worden war.

Die deutsche Springreitequipe bei der Siegerehrung 2004 in Athen (von links): Otto Becker, Marco Kutscher, Christian Ahlmann and Ludger Beerbaum (AP Photo/Susan Walsh)

Kurzes Olympia-Glück in Athen 2004

Nach langem Hin- und Her wurde den Deutschen schließlich der Olympiasieg endgültig aberkannt. Beerbaum übernahm dafür zwar die volle Verantwortung, sinnt jetzt aber auf Revanche: „Der Anreiz ist ganz groß, die Medaille zurückzuholen. Obwohl ich auch sagen muss, dass wir uns gerade jetzt mit ein bisschen Abstand und all den Untersuchungen, die da stattgefunden haben, nach wie vor als die sportlichen Sieger von Athen fühlen.“


Noch nie gewann eine Amazone Einzelgold

Vor Athen war Beerbaum viermal in Folge mit einer Goldmedaille von Olympischen Spielen nach Hause gekommen: Bei seiner Premiere 1988 in Seoul gewann er mit der Mannschaft. Es folgte sein größter Triumph mit seinem Pferd „Classic Touch“ und dem Sieg im Einzel in Barcelona. 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney siegte Deutschland dann erneut in der Teamwertung. Gegen sein fünftes Gold hätte der Riesenbecker jetzt nichts einzuwenden: „Das ist fantastisch, wenn man Olympiasiege wiederholen kann. Es ist schon ein echt cooles Gefühl, wenn man irgendwann sogar anfängt, die Goldmedaillen zu zählen. Ein Olympiasieg ist wirklich die Krönung.“

Meredith Michaels-Beerbaum gewann auf ihrem Pferd Shutterfly Gold im Finale der FEI Horse Jumping European Championships 2007 in Mannheim. (AP Photo/Michael Probst)

Meredith Michaels-Beerbaum auf "Shutterfly" beim EM-Gewinn 2007 in Mannheim

Die Krönung ihrer Karriere strebt bei den olympischen Spielen auch die deutsche Meisterin Meredith Michaels-Beerbaum an. Die 38-jährige Weltranglistenerste aus dem niedersächsischen Thedinghausen dominiert die internationale Springreitszene nahezu nach Belieben. In diesem Jahr gewann sie zum zweiten Mal in ihrer Karriere das Weltcupfinale. Bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme könnte sie jetzt die erste Amazone sein, die in der olympischen Geschichte Einzelgold im Springparcours gewinnt. Ihr Schwager Ludger Beerbaum müsste sich dann zwar maximal mit Silber begnügen, würde ihr diesen Triumph aber durchaus gönnen: „Wenn man ihre beständigen Leistungen der vergangenen Jahre sieht, dann ist sie sicherlich ein ganz heißer Anwärter auf Einzelgold.“


Neben den Deutschen sind die Niederländer Topfavorit

In der Mannschaftswertung gilt Deutschland mit den beiden erfolgreichen

Ludger Beerbaum (am 13.06.2004) im Sattel von Gladdys.

Ludger Beerbaum

und nervenstarken Beerbaums ohnehin als klarer Goldfavorit. Von dieser Rolle alleine könne man sich aber gar nichts kaufen, weiß der 44-Jährige aus leidvoller Erfahrung: „Favoriten waren wir ja auch die letzten beiden Jahren bei der WM und EM und sind dann am Ende Zweiter und Dritter gewesen. Die Niederländer sind im Moment sicher noch ein bisschen beständiger als wir. Sie haben ja auch die beiden großen Titel gewonnen zuletzt.“

Die starke Konkurrenz ist aber zugleich auch ein weiterer Antrieb, voll konzentriert in den olympischen Wettbewerb in Hongkong zu gehen. Denn für Beerbaum zählt nach den bitteren Erfahrungen von Athen und auch nach seinem persönlich schlechten Ergebnis 2000 in Sydney, als er für das Streichergebnis der deutschen Equipe sorgte, in diesem Jahr nur eins: Seine fünfte Goldmedaille muss her, damit die Revanche gelingt.

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