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Kultur

Deutsche Sprachinseln im Trentino

Südwärts ziehende deutsche Urlauber lassen Trient und das Umland häufig links liegen. Das ist schade, denn das Trentino, die kleine Provinz südlich von Südtirol, ist ein wunderschönes Reiseland.

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Der Marktplatz in Trient

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Provinzen Bozen und Trient zur Autonomen Region Trentino-Südtirol zusammen gefügt. Südtirol ist der Übergang vom Norden zum Süden, vom Alpinen zum Mediterranen, von der Kultur Goethes zur Kultur Dantes. Das Land an Etsch und Eisack hat 435.000 Einwohner, die Deutsch, Italienisch oder Ladinisch sprechen.

In Trient verschmelzen alpenländische und italienische Elemente

Ausgangspunkt dieser Reise ist Trient beziehungsweise Trento. Die Stadt ist nicht mehr ganz so deutsch wie Südtirol und vielleicht noch nicht so italienisch wie das übrige Italien. In der Altstadt verschmelzen alpenländische und italienische Elemente. Auf der Piazza Duomo blickt man auf den romanischen Dom, wo ab 1545 mit Unterbrechungen knapp 18 Jahre lang das 19. Konzil erfolglos bemüht war, die abgespaltenen Glaubensrichtungen der Lutheraner, Anglikaner und Calvinisten wieder unter dem römisch-katholischen Mantel zu vereinen.

Auf der Platzmitte ein Neptunbrunnen. Dann das Ensemble der schönen Rella-Häuser, deren Fresken aus dem 16. Jahrhundert von alten Legenden und Tugenden erzählen. Auf der Prachtstraße, der Via Belenzani, reihen sich prächtige Renaissance-Palazzi aneinander. Nicht nur im so genannten "deutschen Viertel" mit Laubengängen und Tiroler Bauweise spricht man noch Deutsch. Deutsch wird an den Schulen immerhin als erste Fremdsprache unterrichtet. Eine weitere Sehenswürdigkeit der Stadt ist das Castello del Buonconsiglio, in dessen Adlerturm wunderbare Monatsbilder mit kompositorischer Feinheit Natur und Leben von Volk und Herrschaft darstellen.

Eine deutsche Sprachinsel: Das Fersental

Von Trient aus fahren wir durch das Valsugana ins knapp zwanzig Kilometer entfernte Fersental, ins Valle die Mòcheni, ins Bersntol, wie die Einheimischen sagen. Eine deutsche Sprachinsel in einem oberitalienischen Hochtal: Gereut, Eichleit, Florutz, Palai heißen die Hauptorte. Einige Weiler und Bergbauernhöfe liegen auf über 1300 Metern. Hier sprechen die Menschen eine Sprache, die nach Meinung von Sprachforschern auf das Mittelhochbayerische zurückgeht. Im 13. Jahrhundert hatte der Trentiner Fürstbischof Friedrich von Wangen Bayern und Schwaben als Bergknappen ins Land geholt, um die Erzbergwerke östlich der Stadt Pérgine ausbeuten zu können.

Die deutschsprachigen Fersentaler pflegen alte Traditionen wie das Sternsingen oder den Fasching mit den beiden Hauptfiguren "Becio" und "Becia". Aus Südtirol empfangen sie deutschsprachige Radiosendungen, und über Satellit gelangen deutsche Fernsehsendungen in das Hochtal, das der österreichische Schriftsteller Robert Musil als ein "verzaubertes Tal" bezeichnet hat.

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